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musikfest berlin 2010 (14. September)

Bayerisches Staatsorchester / Dirigent: Kent Nagano




Herbstspiel

"Kontraste bleiben unversöhnt, Fragen ohne Antwort. Aber immer spielt die Geschichte mit, im Klavierkonzert allein durch die Gattung. Virtuose gegen, Virtuose mit dem Orchester, das ist hier die Frage. Berio löst sie nicht auf, sondern verwandelt sie ins Kunstwerk selbst. »Das Konzert für zwei Klaviere und Orchester entwickelt eine bewegliche, mannigfaltige und sehr unstabile Beziehung zwischen den Solisten und dem Orchester und den Solisten unter sich. Ich fasse dieses Werk auf als Reise durch eine Vielfalt von instrumentalen Partien und Beziehungen, von verschiedenen Funktionen und Vorgängen.«

In Strauss’
Metamorphosen wird das Zurückdenken zur musikalischen Gestalt. Am Schluss erscheint das Thema, um das sich das vielstimmige Wunderwerk drehte, und das als Ahnung immer wieder durchschien. Es hat, wenn es verdeckt in der Tiefe auftritt, die Verwandlungen hinter sich. Rücken zur Zukunft – anders konnte sich der Komponist 1945 Schönheit, selbst die im Trauerflor, nicht mehr vorstellen.

In Strawinskys
Petruschka, seiner zweiten Musik für das Russische Ballett, verschwimmen die Grenzen trotz scharf konturierter Details. Was ist Wirklichkeit, was ist Spiel? Triumphiert der Verlierer nach dem Tod als Geist? Die Musik durchläuft viele Ebenen, Volksliedzitate, grelle Fanfaren, rhythmische Härte, harmonische Süße. Auch Petruschka, die hintersinnige Burleske, ist ein Passagenwerk. Es führt durch einen Parcours der Gefühls-, der Materialzustände und der Stile. Sie werden durchmessen. Aufgelöst werden sie nicht. Die Kontraste bleiben." (Aus http://www.musikfest-berlin.de)

*


München leckt noch immer seine Wunden: Thielemann geht, Nagano geht. Ans Pult der Münchner Philharmoniker wird 2012 der dann 82-jährige Lorin Maazel als frisch gebackener Chefdirigent treten. Wer (spätestens) ab 2013 neuer Generalmusikdirektor der Bayerischen Staatsoper wird, steht derzeit noch immer in den Sternen (die Namen Andris Nelsons und Kirill Petrenko geistern aber hartnäckig durch Nikolaus Bachlers Flure). Es wird also das erste und zugleich letzte Mal sein, dass Nagano mit dem Bayerischen Staatsorchester in Berlin zu Gast ist.

Noch unnahbarer, distanzierter als sonst (man könnte bald sagen: gelangweilt) schnellt Nagano Richtung Podium - und leistet Dienst nach Vorschrift. „Strauss“, „Später Strauss“ und „Später als Strauss“ beherrscht Nagano aus dem Effeff. Der Autopilot funktioniert, Überraschung ausgeschlossen. Die zügig, aber graumäusrig interpretierten Metamorphosen verlagern das nasskalte Hauptstadtwetter ganz wunderbar von draußen nach drinnen. Und mögen bei Petruschka einzelne Passagen noch so imponieren, Querflöte und Fagott für die hohe Qualität der Holzbläser stehen: ein mitreißender Konzertabend hört sich anders an.

Dafür gefällt der Berio. In Concerto spielen sich Andreas Grau und Götz Schumacher gekonnt die Bälle zu, beeindruckt die technische Brillanz des Bayerischen Staatsorchesters, greifen die fragmentarischen Musikkleckse wie Zahnräder ineinander. Cool! Genauso cool wie Kent Nagano.


Heiko Schon - red. 15. September 2010
ID 4827
MUSIKFEST BERLIN (14.09.2010, Philharmonie)
Berio: Concerto für 2 Klaviere und Orchester [1972/73]
Strauss: Metamorphosen, Studie für 23 Solostreicher op. 142 [1945]
Strawinsky: Petruschka, Burleske Szenen in vier Bildern [1910/11, rev. 1947]
Andreas Grau, Klavier
Götz Schumacher, Klavier
Bayerisches Staatsorchester
Dirigent: Kent Nagano


Siehe auch:
http://www.musikfest-berlin.de





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