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Richard-Strauss-Jahr 2014 (150. Geburtstag)

Er wollte nur mal kurz Hallo sagen – Guntram (Semperoper Dresden)



Omer Meir Wellber dirigierte den konzertant aufgeführten Guntram von Richard Strauss in der Semper Oper Dresden - Foto (C) Matthias Creutziger


Von Anfang an war Richard Strauss einer der Großen, zumindest was die Bestückung des Grabens anbelangt. Für seine Erstlingsoper Guntram sah er eine Orchestrierung vor, die in ihrer Üppigkeit den Ort der Uraufführung - das Hoftheater Weimar - zu sprengen drohte. Irgendwie ging die Chose über die Bühne. Doch als Guntram später nach München kam, wurde er ausgepfiffen, abgesägt und vom Spielplan ins Archiv versetzt. Heute darf Guntram ab und zu wieder an die frische Luft, wie etwa jetzt in Dresden.

Der Plot rankt sich um einen mittelalterlichen Vorgänger der Hippiebewegung, der sich singend den Weltfrieden wünscht und für mehr Liebe untereinander wirbt. Im ersten Aufzug rennt ihm eine selbstmordgefährdete Herzogin in die Arme, im zweiten rutscht deren boshafter Ehemann in Guntrams Schwert - natürlich aus Versehen - und am Ende schlägt der Titelheld einen Heiratsantrag der Witwe in den Wind. Kein Wunder also, dass man sich an der Semperoper für drei Vorstellungen in konzertanter Form entschied.

Fast durchgehend muss Frank van Aken aus vollen Tenorrohren ballern, und er tut es auf eine fast akzentfreie, überaus textdeutliche sowie heldisch aufblitzende Art und Weise. Dass er immer mal gegen die Klangmassen kämpfen, sprich, stemmen muss und ihm dadurch der ein oder andere Ton wegrutscht: Schwamm drüber. Marjorie Owens gibt als Freihild eine grundsolide Leistung ab, doch ihre Stimme besitzt einen, mit Verlaub, eher geringen Wiedererkennungswert. Dagegen hört man beim alten Herzog den gut geölten Bass von Georg Zeppenfeld sofort heraus.

Im Interview redet Maestro Omer Meir Wellber Klartext: Guntram sei natürlich keine Salome - ja, dem wird zugestimmt - aber er werde viele Leute überraschen. Ach was! In den ersten beiden Akten wurde um mich herum größtenteils gequasselt; während der Pause lief ein aufgebrachter Herr durchs Treppenhaus, der jeden fragte, ob das nun Tannhäuser oder Lohengrin sei, und im dritten Akt herrschte dann endlich Ruhe im Rang, weil die Quasselstrippen nach Hause gegangen waren. Dabei müht sich Wellber redlich. Er hat stets ein wachsames Auge auf seine Sänger, dirigiert schlagtechnisch präzise und in großen Bögen, damit nur ja kein Ton verloren geht. Dementsprechend spielt die Sächsische Staatskapelle Dresden virtuos, hochkonzentriert und mit voller Hingabe. Dafür haperts bei der Interpretation. Man hört eben doch heraus, dass Wellber, der an der Semperoper schon einige Sträusse dirigierte, dieses Werk bislang nur vom Namen kannte. Dieser Guntram möchte sich lediglich mal vorstellen, um beim Zuhörer eine Lücke zu schließen. Den Anspruch, mit seinem Auftritt in die glorreiche Geschichte des Hauses einzugehen, hat er nicht.




Guntram von Richard Strauss als konzertante Opernaufführung in der Semper Oper Dresden - Foto (C) Matthias Creutziger



Bewertung:    

Heiko Schon - 2. März 2014
ID 7641
GUNTRAM (Semperoper Dresden, 28.2.2014)
Musikalische Leitung: Omer Meir Wellber
Besetzung:
Der alte Herzog … Georg Zeppenfeld
Freihild … Marjorie Owens
Herzog Robert … Raphael Sigling
Guntram … Frank van Aken
Friedhold … Simon Neal
Des Herzogs Narr … Aaron Pegram
Eine alte Frau … Christa Mayer
Ein alter Mann … Gilles Ragon
Ein jüngerer Mann / Erster Vasall … Evan Hughes
Zweiter Vasall … Tilmann Rönnebeck
Dritter Vasall … Peter Lobert
Ein zweiter jüngerer Mann / Ein Bote … Pavol Kuban
Minnesänger … Jae-Suk Kim, Torsten Schäpan, Norbert Klesse und Alexander Födisch
Sächsische Staatskapelle Dresden
Herren des Sächsischen Staatsopernchores Dresden
Choreinstudierung: Wolfram Tetzner
Premiere war am 23. Februar 2014
Die Sendung ist als Online-Stream in der Mediathek von MDR Figaro abrufbar. Zudem werden Deutschlandradio Kultur am 29.3.2014 und der SWR 2 am 20.4.2014 die konzertante Aufführung im Abendprogramm ausstrahlen.

Weitere Infos siehe auch: http://www.semperoper.de


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