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Feuilleton


16. Juni 2007, Festsaal Kreuzberg (Berlin)

DIE BOHEME AM KOTTBUSSER TOR



Auf sich halten: Giacomo Puccini (1858-1924)



Ströbele war auch ganz ratlos

Wem ist bloß der Blitzgedanke in das Hirn gejagt gewesen, LA BOHEME nach Kreuzberg zu verfrachten? Freilich prallen ausgerechnet hier, und mittelbarerseits entlang der Scheidemarke zwischen Ost und West (Friedrichshain-Kreuzberg heißt der Stadtbezirk im übrigen), die unterschiedlichsten Kulturen und Befindlichkeiten aufeinander, aber - wo, in Gottes Namen, prallen sie das im Berliner Großraum nicht; mal mehr, mal weniger, globalisierungsfeindlich oder -freundlich, stört nicht weiter, migrationsgemäß gehts alle Male und an allen Ecken/Enden "Untern Linden" zu ... Nein, das ist nicht das Thema - schon begriffen. Denn die Story aus dem allergrößten Opern-Schmachtfetzen der Welt liest sich in etwa so:
Ein Dichter und ein Maler hausen in 'ner für sie viel zu teuren Wohnung, der Vermieter hat den Mietzins wieder mal erhöht. Von Nachbarsseite kommt Besuch, es ist ein Mädchen das die Schwindsucht hat. Es friert andauernd, und es will sich etwas aufwärmen. Dichter und Maler lassen es geschehen - Blickaustausche - - Maler hat verstanden, lässt den Dichter mit dem schwindsüchtigen Mädchen kurz zurück - - - Dichter verliebt sich in das Mädchen (es ist immer so bei diesen Künstlern, dass sie Großgefühle vorzugeben sich erdreisten, um ihr künstlerisches Werk mit ihnen folglich zu befruchten; weiter nichts!), das Mädchen glaubt daran. Und hin und her und her und hin; am Schluss war alles nur ein Pusteblumenträumchen, und das Mädchen stirbt an Schwindsucht (sowieso) und seiner unerfüllt gebliebnen Liebe (viel viel mehr noch); ach! zum Heulen traurigschön!!
Das Irre ausgerechnet dieser Partitur Puccinis ist, das sie sich rein-emotional bereits am Schluss des Ersten Akts total erschöpft: erst singt Rudolfo seine Kaltehändchenarie, dann stellt Mimi sich mit ihrem Knickslied vor, und letztlich duettieren beide und geraten in alpine Höhenräusche... und man könnte schrei'n vor lauter Gänsehaut. Der "Rest" der Oper ist von da ab bloß noch Warten auf das große Depri-Ende. / Katharina Jahkhelln Semb & Alec Otto sind ein glaubwürdiges und auch stimmlich imposantes Liebespaar!! Man wird von ihnen in den nächsten Jahren hören - sicher auch von Min Kwon Han, Doreen Hoffrichter sowie Nike Schmitka.
Und es sind selbstredend - in der Lesart Patrick Wengenroths (Regie) - Leute von hier, in Kreuzberg. Sitzen meist am Küchentisch und haben volle Gläser vor sich stehen, die sie zwischendurch absichtlich immer mal verschütten. Mehr passiert da wirklich nicht. Das ärgert und verdrießt den Zuschauer. (Sogar Hans-Christian Ströbele, der Schirmherr dieser musikalisch wirklich schönen Produktion, fand nicht die rechten Worte draußen auf der Straße, nach der Vorstellung; seine Begleiterin vermochte einfach keinen Sinn im "Ort der Handlung" zu entdecken.)


DIE BOHEME AM KOTTBUSSER TOR - Foto (C) Bettina Stöß


Musikalisch, wie gesagt, erfrischlerisch! Jens Lietzke dirigiert das instrumentenkunterbunte Kurzarrangement von Stefan Weihrauch, etwas über einer Stunde dauerts. Alle Ausschnitte und "Hits" kriegen durch ihn den Schmiss und Schmelz, den sie originalerweise sicher auch von ihm bekommen haben würden: lässig-leicht, unaufgeregt.

Fiebrileste Begeisterungen, dennoch, bei gefühlten 44 Grad im Schatten.


Andre Sokolowski - red / 17. Juni 2007
ID 3305
www.andre-sokolowski.de


DIE BOHEME AM KOTTBUSSER TOR
Ein Musktheaterprojekt (nach Giacomo Puccinis La Boheme)
Arrangements: Stefan Weihrauch


Musikalische Leitung: Jens Lietzke
Regie: Patrick Wengenroth
Raum: Mascha Mazur
Kostüm: Sabine Blickenstorfer
Gesangssolisten: Min Kwon Han (Bariton), Doreen Hoffrichter (Sopran), Alec Otto (Tenor), Nike Schmitka (Sopran) und Katharina Jahkhelln Semb (Sopran)
Instrumentalisten: Nevzat Akpinar (Baglama/Perkussion), Bettina Hartl (Bandoneon), Vladim Ott (Bratsche), Jessica Marino (Cello), Lilija Rjasnikovskaja (Geige), Sandrine Brammer (Klarinette), Maike Hilbig (Kontrabass), Patrick Braun (Saxophon), Gerhard Gschlößl (Sousaphon/Posaune), Nikolaus Neuser (Trompete) und Marcin Lonak (Vibraphon) Künstlerische Leitung: Julia Schreiner

Premiere war am 14. Juni 2007 im Festsaal Kreuzberg (Berlin)

Nächste Vorstellungen: 15., 16., 19., 20. und 24. 6. 2007

Weitere Infos siehe auch: http://www.boheme-kottbusser-tor.de





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