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7. Oktober 2007, Berliner Philharmoniker

Bruckners Achte, Dirigent: Bernard Haitink



Bernard Haitink, seit den 60ern ständiger Gast der Berliner Philharmoniker, dirigierte nicht zum ersten Mal die machtvoll-massig auswüchsige 8. Sinfonie von Anton Bruckner ...

Assimilieren

Die Berliner Philharmoniker und der Nationalsozialismus ("Berliner Philharmoniker von 1933 bis 1945") sind das heikle und normale Thema einer Foto-/Dokumentenschau, die derzeit noch - nahe der Garderoben links im Erdgeschoss vom Hans-Scharoun-Bau - anhaltend zu sehen ist. Und siehe da: Das Interesse am Gezeigten ist enorm; man muss sich schon sehr deutlich, um nicht gar zu sagen körperlich bemerkbar machen, um dann ungehindert die Vitrinen zu erreichen. Folgende Voraussetzung einer verfänglichen Geschichte:
Als die Nazis an die Macht kamen, war das Orchester, das bis da ein mehr und minder krisenreiches Geldproblem (GmbH-Status) sein Eigen nannte - völlig unabhängig vom bereits erreichten "Weltruhm" (deutscher Klang und so) - mit einem Schlag fast pleite. Und weil Geld nun mal die Welt regiert etc. pp. kam der Systemwechsel gerade recht. Man liebedienerte sich über Nacht den Neu-Entscheidungsträgern an, will sagen: Wilhelm Furtwängler, der seit den 20ern mit dem Orchester regelmäßig musizierte - wohl gemerk, er war und wurde nicht und nie der offizielle Chef det Janzen (nach dem Krieg zog er es erst mal vor, im Vorsichtshalberischen abseits von Berlin ein Weilchen abzutauchen; klipp und klar gesprochen, dass das Alles überhaupt nichts an dem singulären Weltberühmtenstatus dieses größten aller deutschen Dirigenten ändern hätte können) - , schrieb an Goebbels, welcher sich sofort mit seinem Führer kurzschloss, und die Sache war geritzt. Von jetzt ab waren die Berliner Philharmoniker das deutsche Reichsorchester, und die Musiker waren als Staatsbeamte eingetragen und bezahlt. Und dass das schweinische Barbarentum der Nazis ("Arisierung" des Orchesters) auch an den Berliner Philharmonikern natürlich nicht zum Stillstand kam und kommen konnte, hat die vorgezeigte Ausstellung aufs standhaft Manifesteste belegt; auch "Dieses" war dem Furtwängler selbstredend Anlass, spätestens ab da auf mehr Distanz zu seinen Machthabern zu gehen; und er setzte sich sehr vehement und überaus geschickt für einen vorläufigen Noch-Verbleib der einen Handvoll jüdischer Orchestermitglieder (waren's nicht viel viel mehr? nein, darauf gibt es keine wirklich eindeutige Antwort) ein ... / Sehr zwingend alles Das, hingehen, anschauen!!!

* * *

Kühner Gedankensprung:

Was wäre wohl geschehen, wenn es Anton Bruckner fünfzig Jahre später gegeben hätte. Dann wäre der 1874 geboren und in 1933 neunundfünfzigjährig gewesen, grad mal fünf Jahre jünger wie zum Zeitpunkt wo er seiner Achten Sinfonie (in zweiter Fassung) ihren allerletzten Schliff verpasste. Und die Achte widmete er damals - nein, kein Witz - dem damaligen österreichischen Kaiser Franz Josef I. - - und Bruckner schmückte sich sehr gern mit Orden, und er fühlte sich nicht unwohl als ein damaliger Schul- und Staatsbeamter; lange Rede kurzer Sinn: Was hätte Bruckner wohl mit Nazis "angefangen"? Wenn man, unter dieser Art abwegigem Gedankenspiel, besonders dieses mit dem Holzhammer so abgrundtiefig schlicht und schlecht gemeißelte Finale seiner Achten hört, kommt man dann schon auf die "perversesten" der Theorien; nein, wir lassen das ...
Die Achte scheint sich immer wieder in Berlin sehr wuchtig-wohl zu fühlen: Anfang diesen Jahres tat uns Gielen (Konzerthausorchester Berlin) eine in dieser Art noch nie gehörte tumb-tollpatschig ablaufende Kurzgeschichte durch das Scherzo auferzähl'n. / Thielemann (Wiener Philharmoniker) hingegen hatte ein paar Wochen später nicht viel mehr im Sinn, als dieser Sinfonie im Ganzen einen töricht-kaiserlichen Krachgrad aufzudrücken, und der Eindruck war voll stumpfsinnigem Schrecken, ein Fanal des Grauens. // Haitink nun, der Bruckners Achte vor vier Jahren schon mit den Berliner Philharmonikern gespielt hatte, bestach in seiner diesmaligen Interpretation durch einen schönen insgesamten Fluss der Schwere. Und besonders das Adagio, das ihm ziemlich laut geriet, erzeugte dieses eine Bild bei mir: Als wenn ein vielzu schwerer Solitär in einer viel zu kleinen Nussschale auf offner See dahinschwimmt, und das Wunder war, dass er am Schluss nicht sank.


Andre Sokolowski - red / 8. Oktober 2007
ID 3458
Berliner Philharmoniker mit Bruckners Achter

Anton Bruckner (1824-1896)
Symphonie Nr. 8 c-Moll
(Zweite Fassung von 1890, herausgegeben von Leopold Nowak)

Berliner Philharmoniker
Dirigent: Bernard Haitink

Konzerte am 5., 6. und 7. Oktober 2007 in der Pilharmonie Berlin

Weitere Infos siehe auch: http://www.berliner-philharmoniker.de





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