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Feuilleton


16. Juni 2008, Klosterkirche in Osterhofen-Altenmarkt

Anton Bruckner, MESSE NR. 3 F-MOLL



Der Innenraum der auch als sogenannte Asam-Basilika bekannten Klosterkirche in Osterhofen-Altenmarkt. Er gilt als ein Meisterwerk spätbarocker Kirchenkunst - hier fand eines der zahlreichen Konzerte der diesjährigen 56. Festspiele EUROPÄISCHE WOCHEN PASSAU statt.

Blick auf zwei weißhäutige und mit rosaroten Brustknospen versehne engelflügelige Jünglinge, die eine Krone halten, unter der Maria thront - sie übergibt dem Hl. Dominikus, der einstmals Ordensgründer war gewesen, einen Rosenkranz...

Pankraz Freiherr von Freyberg, der Intendant der Europäischen Wochen Passau, eines in Ostbayern, Böhmen und Oberösterreich alljährlich stattfindenden Festivals im Status eines eingetragenen Vereins, hält zu Beginn des von seiner Akustik her zu Gänsehäuten rührenden Konzerts mit der grandiosen MESSE NR. 3 F-MOLL von Anton Bruckner eine kurze und sympathische Begrüßungsrede. Sie scheint symptomatisch für das ganze Unternehmen, denn es gilt nicht mehr und auch nicht weniger, als all die für den jeweiligen Abend "wesentlichen" Mäzenaten namentlich und herzlich vorzustellen; nach, jetzt schätze ich mal, fünf bis sechs Minuten ist die Pflichtkür dann vorbei; der Intendant zeigt sich enthusiasmiert, erneut am Orte des Geschehens, also hier - Basilika St. Margaretha, Osterhofen-Altenmarkt - zu sein und gibt das Zeichen, anzufangen...

Mein Platz ist Parkett A links, die Reihe 8, Sitz 3 - von dort aus habe ich einen recht einseitig von mir gelenkten Blick hinauf zum sogenannten Rosenkranzaltar (siehe die Überschrift) - - zu meiner Linken ein im Theologischen versierter und mein "atheistisches" Bewusstsein anmahnender und geliebter Freund.


Der Innenraum der erst im Jahre 1983 zur päpstlichen Basilika erhobnen Klosterkirche, dessen Kirchturmspitze Anfang diesen Jahres dem Orkan mit Namen "Emma" schnöderdings zum Opfer fiel, wurde von den Gebrüdern Egid Quirin & Cosmas Damian Asam ausgestattet. Er ist eine theatralische Verlautbarung des Augensinns; es gibt in ihm so Vieles und so Ungeheuerliches, Schönes als wie Hässliches, zu sehen, dass es einem stellenweise schwindlig wird und ist, das Alles und in seinem ganzen Umfang optisch einzufangen - gilt, im Übrigen, als Meisterwerk der spätbarocken Kirchenkunst!

Ich schau mir also, mit konstanter Bosheit, die zwei mich in eine Art von Hocherotik stimulierenden zwei Engelhermen an (siehe die Überschrift), und ich versuche, meine Assoziationen, die mich nicht nur während meines Sehens, sondern überdies auch während meines Hörens kurzschlüssig ereilen, diesseitiger Weise aufzuordnen:

Religion - lese ich im Programmheft - hätte Bruckners erzkatholisches Dasein "mit einer Totalität und Selbstverständlichkeit, wie sie heute vielen fremd geworden sein dürfte", umfasst. "Über Jahre hinweg legte er in tagebuchartigen Notizen Rechenschaft ab über die Gebete, die er gesprochen hatte: für das Abendgebet vom 20. März 1883 etwa notierte er 4 Rosenkränze, 19 Vaterunser, 9 Ave Maria, 4 Gloria Patri und 2 Salve Regina! Dieser mathematische, ja buchhalterische Charakter der Frömmigkeit dürfte dem psychisch labilen Menschen Bruckner mit ihrer verlässlichen Regelmäßigkeit Halt gegeben haben."

Dann diese grandiose MESSE NR. 3 F-MOLL!

Und meine hilflos aus mir her stotternde Feststellung zum Schöpfer seines Werks: Genie und Wahnsinn - so die primitive Quintessenz.

* * *

Was hatte wohl den Dirigenten Jeanpierre Faber da bewogen, in die Messe, also mittenrein, Bruckners MOTETTEN FÜR GEMISCHTEN CHOR A CAPPELLA "einzubauen"? Dieses wird wohl er allein nur wissen. Zugespitzter Einwand: Warum nicht auch mal in Bachs h-Moll-Messe das Bach-Gonod'sche Ave Maria dargebracht?? Fazit: Es machte/macht null Sinn.

Auf jeden Fall war es ein Fest des Chorgesanges. Ich hätte nicht für möglich halten wollen, dass es de facto ein "Laienchor" wäre - die 80 Damen und Herren des Chors der Gesellschaft der Musikfreunde Passau machten einen höchst professionellen Eindruck; klang auch wie aus einem Guss!!!

Vom Solistenquartett hoben sich besonders Liang Li, Susanne Geb ab.

Die Südböhmische Kammerphilharmonie Budweis bestach durch einen warmtönigen vollmundigen Klang, obgleich "nur" 40 Instrumentalisten angetreten waren.
Insgesamt ein Konzert der Superlative = Klang-und-Raum-Erlebnis halt.


Andre Sokolowski - red / 18. Juni 2008
ID 3897
www.andre-sokolowski.de



Osterhofen-Altenmarkt, Klosterkirche - 16. Juni 2008

Anton Bruckner:
MESSE NR. 3 F-MOLL
MOTETTEN

Susanne Geb, Sopran
Monika Wäckerle, Alt
Bernhard Berchtold, Tenor
Liang Li, Bass
Chor der Gesellschaft der Musikfreunde Passau
(Choreinstudierung: Martin Steider)
Südböhmische Kammerphilharmonie Budweis
Dirigent: Jeanpierre Faber

Konzert der 56. Festspiele Europäische Wochen Passau

Weitere Infos siehe auch: http://www.ew-passau.de





 
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