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Feuilleton

Abschied

& Erwartung



Marie Pappenheim, Öl auf Pappe 68 × 49 cm, signiert und datiert: Arnold Schönberg / 1909 | Quelle: Wikipedia

Wald, Sonnenuntergang und fahles Mondlicht


Bethge (1876-1946) bemühte Mahler für Das Lied von der Erde. Seine "asiatischen" Texte - Bethges Übersetzungen altchinesischer Gedichte - bedeuteten Anfang des vorigen Jahrhunderts eine Art von Zeitgeist, waren also ganz nach dem Geschmack geraten. Mahler wechselte zwischen Tenor und Alt; es gibt auch eine logischere Fassung mit Tenor und Bariton. Und es entstand, so im Verhältnis 1:5, ein in den Teilen ungleich anmutender Zyklus von Orchesterliedern. "Abschied" heißt das letzte dieser sechs, es dauert über eine halbe Stunde, und es nivelliert die andern fünf, und zwar total. In ABSCHIED gibt es eine Suizidgeschichte = das ist meine Lesart.

Pappenheim (1882-1966) schrieb Erwartung, einen expressiven Monolog von einer Frau, die aussichtslos an einer Liebeskrankheit leidet und aus diesem schlichten Grunde unaufhörlich deliriert. Aber es kann auch völlig anders nachgelesen sein, falls man den Sensus für was Artverwandschaftliches in sich spürt und fühlt, denn irr vor Liebe werden! wer kennt "sowas" nicht? Auf jeden Fall waren das Thema und der Stoff der Pappenheim, die Ärztin war, für Schönberg kongenial genug, dass er hieraus sein erstes Bühnenwerk verfasste. Es wird selten szenisch aufgeführt, und wenn, dann meistens mit dem Bartok-Blaubart, nach der Pause.

[Metzmacher hatte die ausklingende DSO-Spielzeit unter das Motto "Aufbruch 1909" gestellt. Da ließ er in den sechs thematischen Konzerten Werke dieser Zeit, die also so vor ca. hundert Jahren von den "Gründerzeitlern" komponiert oder verfasst gewesen waren, kontexthaft erklingen. Humperdincks Hänsel und Gretel war die erste, "Abschied & Erwartung" letzte der Veranstaltungen.]

Zwischen Abschied und Erwartung gibt es einen Parallelbezug. Das Eine ist Voraussetzung fürs Andere.

So ungefähr...

Wald, Sonnenuntergang.

Der Freund des Freundes kommt mit Vorbehalt zu spät zu der Verabredung, und er eröffnet ihm, dem auf ihn Wartenden, die Abschiedsformel, sie ist vierversig: "Ich suche Ruhe für mein einsam Herz. / Ich wandle nach der Heimat, meiner Stätte. / Ich werde niemals in die Ferne schweifen. / Still ist mein Herz und harret seiner Stunde." Und er trinkt "den Trunk des Abschieds", den er seinem Freund darbot, doch lieber selbst; wahrscheinlich warens 49 aufgelöste Aspirin.


Wald, fahles Mondlicht.

Die Verliebte, auf dem unendlichen Nachtweg zum Geliebten, stolpert unerwartet über dessen Leichnam. Er liegt da, in einer Blutlache, und ist jetzt endlich ihr, nur ihr allein. Sie wird sich der Vergeblichkeiten ihrer einseitigen Liebe voll bewusst, sie schlief mit ihm, aber sie wollte mehr. Sie kann nicht wissen, dass er sich, und nicht nur wegen ihr, das Leben nehmen wollte... und zum Schluss, durch wen auch immer, auf das Hämoglobischste zu Tode kam.

Liebe als Dampfwalze.

* *

Stotijn, Denoke überzeugten gravitätisch, unerbittlich als die Parallel-Bezugspersonen eines mit Gefühl zermatschten Mannes. Beispiellose Darstellungen. [Goulds Gesang: Gebell. Wie sowieso der Rest der Erdenlieder Abfall oder/und entbehrlich ist. Der Höhepunkt des Abends galt dem Schönberg, DSO und Metzmacher verbissen sich zurecht in ihn und überzeugten.]

Andre Sokolowski - 31. Mai 2009
ID 4325
DEUTSCHES SYMPHONIE-ORCHESTER (Philharmonie Berlin, 27.05.2009)
Mahler: Das Lied von der Erde
Schönberg: Erwartung
Christianne Stotijn, Sopran
Stephen Gould, Tenor
Angela Denoke (als Frau in Erwartung)
Deutsches Symphonie-Orchester Berlin
Dirigent: Ingo Metzmacher

Weitere Infos siehe auch: http://www.dso-berlin.de





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