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CD-Besprechung

Joe Pernice - Big Tobacco

VÖ: 2000




9 Lieder, 45 Minuten, Pop in Reinstform. Was Joe Pernice auf seinem Hot-Tobacco-Silberling verewigte – bei GLITTERHOUSE RECORDS – ist Snöselmusik, bei der du dir gut und gern einen Joint reinziehen kannst. Aber Vorsicht: Es ist doch etwas angepasst, um nicht zu sagen langweilig: Vier viertel wohin das Auge blickt. Aber, ach – ist das nicht der Makel der meisten Pop-Hochkultur unserer Tage. Obschon die Scheibe schon gut und gerne 10 Jahre auf dem Buckel hat.

Beinharter Fan der Scud Mountain Boys waren wir schon immer, sagt Joe Pernice, und als Sub Pop uns die Band damals vor der Nase wegschnappte, da waren wir schon etwas traurig. Umso schöner, das deren Manager sich an uns erinnerte, als Scud-Mastermind Joe Pernice die Songs aufnehmen wollte, die ursprünglich für das 4. SMB-Album vorgesehen waren, nie aufgenommen wurden und auch nicht den Weg auf das Debüt der Nachfolgeband Pernice Brothers fanden.

Mehr oder weniger solo sollten die Aufnahmen werden, mehr countryesk-schwelgend wie SMB, weniger poppig-hymnisch wie die PB. Und dann kam alles anders...

Denn zu den Aufnahmen, die in guter alter Scud-Tradition in einem Haus an einem Küchentisch stattfanden, gesellten sich fast alle Pernice Brüder (außer sein Bruder), diverse Musiker aus dem engeren Freundeskreis sowie der von Whiskeytown bekannte Mike Daly an allem was Saiten hat und gut klingt. (Kurzer Einwurf/O-Ton Joe Pernice: „...ich warf nur kurz ein, daß kein Geld vorhanden sei. „Mehr als ich erwartet habe“ war die knappe Antwort von Producer Thom Monahan. Gott schütze ihn! „Bands sind wie Haie, sie schwimmen weiter oder sie sterben“, hörte ich ihn noch sagen)

So ist „Big Tobacco“ nach Chappaquiddick Skyline ein weiterer Meilenstein des nimmermüden Songwriters auf der Suche nach dem perfekten Pop-Song, ein Album, das weniger mit No Depression und Americana zu tun hat, sondern eher mit klassischem Songmaterial zwischen Jimmy Webb und dem vielzitierten Brian Wilson.

Wie auch bei den Scud Mountain Boys scheint das Songmaterial aus einer Art Slo-Motion-Soundwolke zu kommen, mit hingehauchten Kleinoden wie „Pipe Bomb“, „I Break Down“ oder „I Still Can´t Say Her Name“ – in Sachen purer Pop-Magie kaum zu überbieten. Aber es gibt auch mittelschnelle, supereingängige Hymnen mit Byrdsian-12-String-Jangle („Prince Valium“), feist dahinrollende Wohlfühler („The Pill“) oder absolute Knaller mit 8-Miles-High-Gedächtnisriff („Bum Leg“).

Trotz hohem Output (er arbeitet zur Zeit an der neuen Pernice Brothers) zeigen sich absolut keine Abnutzungserscheinungen. Und außerdem ist es immer wieder mehr als erstaunlich, welchen glasklaren, vollen Sound diese Burschen schon seit alten SMB-Tagen aus einer 8-Spur-Maschine holen.

Was Joe Pernice auch anfasst, es gelingt vorzüglich. Eine Pop-Cremeschnitte!

ch.d./int. / 19. April 2009
ID 4278


Siehe auch:
http://www.glitterhouse.com/





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