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CD-Besprechung

LeAnn Rimes, Spitfire







Fünf Jahre nach dem Album Family ist nun im April diesen Jahres das erste Album von LeAnn Rimes mit eigenem Material erschienen – 2011 war bereits Lady&Gentlemen erschienen, wo LeAnn Rimes Titel berühmter männlicher Country-Kollegen neu interpretierte; ein ebenfalls sehr gelungenes Album, das jedoch kommerziell kein durchschlagender Erfolg war.

Musikalisch knüpft Spitfire an Family an, geht aber noch einen Schritt weiter: Die Blues- und Rockabilly-Einflüsse sind noch deutlicher, Pop-Einflüsse kaum noch erkennbar; es ist ein Country-Album, das in seiner musikalischen Ausrichtung schon fast Alt.Country oder Americana zugerechnet werden könnte. Auf „What have I done?“, der ersten Single-Auskopplung, sind Alison Krauss&Union Station zu hören – was schon als ein Indiz für die alternative musikalische Ausrichtung von Rimes‘ neuestem Album gewertet werden kann.

Neun der 13 Titel hat LeAnn Rimes selbst verfasst, es ist ihr textlich persönlichstes Album bisher, aber auch ihr reifstes und musikalisch bislang bestes. Ob sie mit dem Album an ihren früheren kommerziellen Erfolg anknüpfen kann, ist ungewiss – immerhin erreichte es aber Platz 9 der Billboard-Country-Albumcharts in den USA. Vor allem zeigt die 31-jährige, dass es ihr – vielleicht auch vor dem Hintergrund der Anfeindungen, denen sie sich in den letzten Jahren ausgesetzt sah – primär auf den künstlerischen Wert der Musik ankommt und nicht auf den kommerziellen Aspekt. Die Zeiten von „Can’t fight the moonlight“ sind vorbei, und aus dem einstigen Kinderstar ist eine ernstzunehmende und wirklich herausragende Künstlerin geworden.

Wenn man Spitfire und die Resonanz auf das Album in den Vereinigten Staaten verstehen will, kommt man nicht umhin, noch einmal die „Affaire Cibrian“ zu erwähnen, die die US-Medien und die gesamte Countryszene so bewegt hat wie wohl zuletzt die Dixie-Chicks-Kontroverse 2003. Rimes, selbst verheiratet, hatte mit dem damals ebenfalls anderweitig verheirateten Schauspieler Eddie Cibrian eine Affaire begonnen, Cibrian und Rimes ließen sich von den jeweiligen Partnern scheiden und heirateten 2011. Nichts Besonderes, sollte man meinen, doch war Rimes ob ihres „unmoralischen“ Verhaltens massiver öffentlicher Kritik ausgesetzt. Was uns irgendwie alltäglich erscheint, kann man sich in der erzkonservativen und dezent moralinsauren Countryszene darum aber noch lange nicht leisten.

Spitfire, das den Untertitel „The Truth. In no particular order“ trägt, arbeitet diesen Lebensabschnitt auf, aber eben, wie der Titel schon sagt, nicht in chronologischer Reihenfolge.

Der Titelsong „Spitfire“ etwa thematisiert die massiven Anwürfe, denen sich Rimes ausgesetzt sah; „Borrowed“ schildert die Situation der Geliebten, deren Mann eben nur „geliehen“ ist. Obwohl Sugarland mit „Stay“ ein ähnliches Thema aufgriffen und auch Trisha Yearwood in „A lover is forever“ die Position der Ehebrecherin einnahm, ist es wohl Teil der spezifischen Logik der Countrykultur, dass sie die Stars als „authentisch“ feiern, die über das Singen, was sie leben – ist das, worüber sie singen, aber (vermeintlich) unmoralisch, darf es nicht der gelebten Realität entsprechen – oder so ähnlich.

Vielleicht muss man das auch nicht verstehen. In jedem Fall ist hierin der Grund zu sehen, warum die Kritiken zu LeAnn Rimes‘ Album meist nur am Rande die Qualität der Musik erwähnen (und da auch im Urteil eher verhalten sind), dafür aber in epischer Breite das moralische Problem insbesondere in „Borrowed“ beleuchten und als einzig positiven Aspekt vermerken, Rimes sei wenigstens ehrlich. Und das stimmt.

Spitfire ist nämlich keine musikalische Entschuldigung geworden, sondern es macht aus Erlebtem interessante Geschichten. Und das ist gut so. Herausgekommen sind textlich zum Teil außerordentlich gelungene Lieder; „Borrowed“ ist eines davon. Aber auch bei den nicht von Rimes selbst geschriebenen Songs beweist die Sängerin ein goldenes Händchen, wie etwa bei dem wunderschönen letzten Track „Who we really are“ von Sarah Buxton und Rimes-Freund Darrell Brown:


„What you’re going through is nothing short of
why I fell in love with you
So go and lay there in the shadows
like an outcast too messed up to deal with
But what you think is broken is what I need
Yeah that’s the stuff that’s gonna heal the brokenness in me“



Eine typische Country-Geschichte von Liebe, Schmerz und innerer Zerrissenheit, wunderschön erzählt, von Rimes gewohnt brillant interpretiert – genau die Art von Musik, die Countryhörer eigentlich in Nashville seit Jahren vermissen. Hoffen wir, dass sie sich darauf besinnen. Empfehlenswert ist das Album in jedem Fall – insbesondere allen, die New Country mögen, Nashville aber irgendwann Ende der 90er kopfschüttelnd den Rücken gekehrt haben.



Bewertung:    




Ann-Kristin Iwersen - 19. Oktober 2013
ID 7278
Curb Records 2013
Best. Nr.: LC 03890 5053105663828


Siehe auch: http://www.curb.com/node/17


Post an Dr. Ann-Kristin Iwersen



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