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Cover
uncovered –
Alles dufte
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Bewertung:
Ein Wunsch an die Gastgeber von Sing meinen Song – Das Tauschkonzert vorab, sozusagen als Intro: Es wird Zeit, dass Sasha wieder an der quotenstarken VOX-Fernsehreihe teilnimmt. Zu lange ist es her, dass sich die Eröffnungsfolge im Jahr 2014 dem Popstar widmete. Im weiteren Staffelverlauf performte er Songs bekannter Kollegen in Anwesenheit der jeweiligen Künstler. Der heute 54-Jährige wäre laut seiner jüngsten Platte wieder prädestiniert dafür, beim empathischen Musikformat in Südafrika dabei zu sein – vielleicht als sein Alter Ego Dick Brave.
Selten wurden bekannte Popsongs, wie etwa „Take on me“ von A-HA oder „What’s love got to do with it“ von Tina Turner, mit persönlichen Nuancen stilistisch so souverän neu dargeboten, wie auf Back for good. Hier schwelgt der Popsänger mit seiner Kunstfigur in Covern, die gute Laune machen. Bereits auf Dick This! (2003) und Rock’n’Roll Therapy (2011) besann er sich auf den Rock ’n’ Roll der 1950er Jahre zurück, während er zeitgenössische Größen wie Adele oder Pink adaptierte.
Der Vorname „Dick“ ist im Englischen nicht nur eine Kurzform des Namens Richard, sondern auch ein weit verbreiteter Slang-Begriff für das beste Stück des Mannes. Übersetzt man die Bezeichnung also wörtlich als Adjektiv-Nomen-Kombination, passt dies zum typischen Macho-Gehabe und der übertriebenen Männlichkeit, die oft mit der Rockabilly-Kultur der 50er Jahre assoziiert wird. Lässig selbstbewusst bleibt sich Dick Brave auf dem neuen Werk treu, wenn er „Sex Bomb“ von Tom Jones & Mousse T. darbietet. Sein rhythmisch lasziver Gesang ruft jedoch weniger den 2000er Hit, sondern vielmehr „Fever“ von Peggy Lee in Erinnerung.
Nicht nur die Frontmann-Rolle ist bei der Identitätsfindung lautmalerisch von Nick Cave & the Bad Seeds inspiriert. Der Bandname The Backbeats enthält gleichfalls eine subtile Anspielung. Während ein „Backbeat“ musikalisch einen betonten Rhythmus beschreibt, kann man den Begriff im Englischen auch als „hinteres Schlagen“ (Back-Beats) lesen, was oft als sexuelle Anspielung verstanden wird. Die Instrumentalisten der Band-Besetzung tragen auf der neuen Platte gleichfalls vieldeutige Beinamen: Es musizieren Tony „The Butcher“ O’Malley an der Gitarre, Max „Sugar“ Heartburger am Piano, Andy „the Stake“ Drake und Fearless Frank Durant am Bass. Präzise setzen sie Akzente, etwa bei den Instrumentalsoli in dem Nelly Furtado-Cover „Maneater“. Auch bei der Neuinterpretation von Abbas „The winner takes it all“ bringt die Band mit flexibel gesetzten Passagen, homogenem Zusammenspiel und cleveren Farbgebungen den Sound zum Strahlen.
Die Adaptionen halten die Balance zwischen nostalgischem Rockabilly und modernem Pop. Die zwanzig Songs teilen sich auf zwei CDs und thematische Hälften mit je 10 Tracks auf. Auf dem Album „Comebacks“ erweckt Dick Brave ikonische Songs neu, die einst Karrieren wiederbelebt haben, wie den Titeltrack von Take That oder Elton Johns „I’m Still Standing“. Auf dem Album Breakers performt er legendäre Melodien von Künstlern wie The Weeknd („Blinding Lights“), Rosé & Bruno Mars („APT.“) oder Michael Jackson („Billy Jean“). Diese Chartbreaker verwandelt Brave in pulsierende 50s-Diner-Hymnen.
Emphatisch und mit selbstironischer Coolness wird „Bad Guy“ von Billie Eilish nicht mehr gehaucht, sondern laut und energisch vorgetragen. Bei Taylor Swifts „Shake it off“ wird der Instrumentalpart im Mittelteil langsamer und gegen Ende schneller. Aber auch herzerwärmende Oldies covert Brave wirkungsvoll, wie „Runway“ von Del Shannon von 1961. Eine neu arrangierte Version von Elvis Presleys „Suspicious Minds“ erinnert melodisch ein bisschen an Smokies „Living next door to Alice“. Es gelingt Brave zudem, auch bei dem am Ende in die Länge gezogenen „Be the one“ von Dua Lipa nicht in den Kitsch abzugleiten.
Das im Januar veröffentlichte Doppelalbum markiert insgesamt nach etwa 15-jähriger Pause ein glanzvolles Comeback von Dick Brave. In Songs wie „Enjoy the Silence“ von Depeche Mode schwebt er mit leuchtendem Gesang über den Dancefloor der 50er. Er lässt die bloße Pose weit hinter sich, wenn er spielerisch optimistisch sein Stimmorgan präsentiert. Die gewitzt gecoverten, euphorischen Tracks sorgen für helle Momente und lassen einen den Boden unter den Füßen verlieren.
Mal abwarten, ob der talentierte Interpret nicht doch für Staffel 14 des Tauschkonzerts ausgewählt wird. Die Club-Gigs des gebürtigen Soesters hierzulande sind jedenfalls bereits ausverkauft.
Ansgar Skoda - 13. April 2026 ID 15798
https://www.dickbrave.de/
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