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Piffpaff

auf der

Drehbühne



Adriana Bastidas-Gamboa als Tancredi in Rossinis gleichnamiger Oper - an der Oper Köln | Foto (C) Matthias Jung

Bewertung:    



Ein letztes Mal Staatenhaus, bevor die OPER KÖLN zur neuen Spielzeit an ihre alte Wirkungsstätte am Offenbachplatz zurückzieht. Zumindest künden Umzugswagen und eine leicht improvisierte Garderobe vom Aufbruch. Zum Abschluss des Interims stand Rossinis eher selten gespielte Oper Tancredi auf dem Spielplan, eine Produktion der Begrenzer Festspiele unter der Regie von Jan Philipp Gloger. Und es wurde leider eher lauwarm als spektakulär. Das liegt zum einen an der mehr als kruden Dramaturgie von Rossinis Frühwerk selbst: zwei verfeindete Familien, die sich gegen einen weiteren Feind (den man aber nie zu sehen bekommt, weshalb die Bedrohung sehr abstrakt bleibt) verbünden. Um dieses Bündnis zu beschließen, soll Amenaide (Giuliana Gianfaldoni), die Tochter des einen Familienoberhaupts, Orbazzano (Gabriele Sagona) heiraten, das Familienoberhaupt der verfeindeten Familie. Doch da gibt es noch Tancredi (Andriana Bastidas-Gamboa), Amenaides verstoßenen Geliebten, und einen ominösen Brief, der den Eindruck erweckt, Amenaide paktiere mit dem Feind, während doch eigentlich Tancredi der Adressat ist, aber der missversteht das völlig…

Auch das Verhältnis der Figuren untereinander bleibt lange Zeit unklar. Wer ist jetzt wer, und wo liegt das Problem? Das liegt neben dem Plot auch an der nicht vorhandenen Personenregie. Glogers Inszenierung überzeugt in weiten Teilen nicht: Dass Tancredi eine Frau ist, wie lang und breit im Programmheft diskutiert? Spielt für die Inszenierung eigentlich keine Rolle. Das liegt unter anderem daran, dass niemand auf der Bühne darauf reagiert. Welche Konflikte werden verhandelt? Wie ist die Beziehung von Amenaide und Tancredi? Da wird viel behauptet und wenig gezeigt bzw. erzählt. Und dann verpufft leider auch das Scheitern der vermeintlichen großen Liebe, die sich von einem Brief irritieren lässt – ähnlich wie die Patronen, die Tancredi am Ende treffen und für ungewollte Lacher sorgen.

Ungewollt und unausgegoren ist vieles an diesem Abend: Die Kampfszenen im ersten Akt wirken in ihrer Choreografie übertrieben (Kampfchoreografie: Ran Arthur Braun), dann soll aber doch gezeigt werden, wie bedrohlich die Mitglieder der verfeindeten Familien sind, indem sie jemanden foltern. Das wirkt hier ziemlich deplatziert und hätte man auch anders zeigen können. Und Rossinis Musik erinnert im ersten Akt leider eher an den Barbier von Sevilla als an ein Melodramma eroico.

Nach der Pause ist der Abend dann deutlich ernsthafter, sowohl musikalisch als auch inszenatorisch. Am überzeugendsten die Szene, in der Isaura (Johanna Thomsen) in einer Mischung aus Tragik und dem Versuch Normalität zu behaupten, den Küchentisch abräumt, während Amenaide auf ihren Tod wartet. Überhaupt sind es durchweg die Frauen, die den Abend mit ihren Gesangsleistungen erheblich aufwerten: Giuliana Gianfaldoni verfügt über ein beeindruckendes Pianissimo in höchsten Höhen, Andriana Bastidas-Gamboa verleiht Tancredi in den gar nicht so zahlreichen Momenten, in denen die Titelfigur auf der Bühne ist, überzeugende Präsenz und Johanna Thomsen zeigt still und dennoch standhaft Mitmenschlichkeit als Amenaides Vertraute Isaura.

Souverän und im wahrsten Sinne des Wortes hemdsärmelig leitet Dirigent George Petrou die Aufführung und entlockt der Partitur zusammen mit dem Gürzenich Orchester manche schöne und berührende Passage – trotz Rossinis gelegentlich anstrengender Neigung zur Wiederholung. Musikalisch vermag dabei vor allem der zweite Akt von Tancredi zu überzeugen, aber insgesamt bietet der Abend wenig, was in Erinnerung bleiben wird. Dass das Geschehen sich unabwendbar auf der Drehbühne entwickelt, die sich leider nicht gerade leise dreht (Bühne: Ben Baur), hätte ein Ansatz sein können, eine zwingende Handlung zu erzählen. Ebenso, dass die Polizei am Ende die Behausung der Gangster stürmt. Aber so bleiben am Ende mehr Fragen als Antworten. Das ist alles in allem etwas viel Aufwand für wenig Ertrag.



Rossinis Tancredi an der Oper Köln | Foto (C) Matthias Jung

Karoline Bendig - 5. Juli 2026
ID 15934
TANCREDI (Staatenhaus, 01.07.2026)
von Gioaccchino Rossini

Musikalische Leitung: George Petrou
Inszenierung: Jan Philipp Gloger
Co-Regie: Lars Marcel Braun
Bühne: Ben Baur
Kostüme: Justina Klimczyk
Lichtdesign: Martin Gebhardt
Kampfchoreografie: Ran Arthur Braun
Chorleitung: Rustam Samedov
Dramaturgie: Florian Amort und Claus Spahn
Mit: Adriana Bastidas-Gamboa (Tancredi), Giuliana Gianfaldoni (Amenaide), Dmitry Ivanchey (Argirio), Gabriele Sagona (Orbazzano), Johanna Thomsen (Isaura) und Wesley Harrison (Roggiero) sowie Yon Costes, Oliver Exner, Martino Fara, Théo Foucher, Frederic Matona, Quentin Mesguich, Antoni Niechcial, Wojciech Nowak und Romain Painset (von ShowTalnetNetwork)
Herrenchor der Oper Köln
Gürzenich-Orchester Köln
Premiere an der Oper Köln: 22. Juni 2026
Letzter Termin: 05.07.2026
Eine Produktion der Bregenzer Festspiele

Weitere Infos siehe auch: https://www.oper.koeln


Post an Karoline Bendig

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