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Fünf Schiffbrüchige,

davon einer seekrank,

und ein Schaf

CANDIDE von Leonard Bernstein - am Staatstheater Regensburg

Bewertung:    



Leonard Bernstein komponierte Candide 1956. Die Grundlage dafür war der 1759 kritisierende Roman von Voltaire gleichen Namens, eine Antwort auf Leibniz‘ Theodizee, dass alles gut ist, wie es ist und so von Gott gewollt. Vor allem das verheerende Erdbeben von Lissabon im Jahre 1755 hatte Voltaire veranlasst, diese Theorie knallhart zu widerlegen, was dazu führte, dass sein Roman verboten wurde, so wie Bernsteins Comic Operetta nach der Premiere 1956 am Broadway ein Flopp wurde. Das Publikum in der McCarthy-Ära war auf dieses konfuse, schillernde und krachende Cross-over von Abenteuer, Krieg, Märchen, heiler und böser Welt, einer Konfrontation zwischen Pessimismus und Optimismus, einer Fusion von allen möglichen Tanzformen und eine Liebeserklärung an die europäische Musik nicht vorbereitet. Das Einzige, worauf Bernstein bei Candide verzichtete, sind Jazzelemente.

*

Die Musik ist fetzig, lieblich, dramatisch, großartig. Die konzertante Version mit Zwischentexten von Loriot, die Michael Heuberger mit Witz und Humor vorträgt, ist alles andere als konzertant. Die Ideenvielfalt der großartigen Zeichner, die den letzten Tratsch „Neuestes aus Bett und Bühne“ während der Aufführung auf die Bühne wirft, ist bestechend. Da geht es den aktuellen Persönlichkeiten zum Teil ganz schön an den Kragen. Lokalkolorit vom Feinsten. Es ist ihm egal, ob es sich um einen ehemaligen Papst, den hiesigen Bischof oder Bürgermeister, bayerische und deutsche Politiker oder sonstige Herrscher der Welt handelt. Die Livezeichnungen von Florian Toperngpong & Lotta Stein sowie Loriots Kommentare begleiten die Aufführung und helfen den Konzert-Besuchern, sich in diesem verwirrenden Dickicht von Handlungen und Philosophien zurechtzufinden. Sie machen das Unmögliche möglich. 30 Musiknummern, von denen die Hälfe das jeweilige Land beschreiben und die dortige Musikform annehmen, in dem die Protagonisten gerade aufgeschlagen sind. Und plötzlich ist alles ganz einfach; und obwohl nur schräge und blutrünstige Dramen passieren, hört das Gelächter in der Regensburger Oper nicht auf.

Sophie Bareis ist ihrer schwierigen Rolle mehr als gewachsen. Bei der bekannten Arie "Glitter and be gay" wächst sie über sich hinaus. Sie wechselt mühelos zwischen Gier, Selbstmitleid und Naivität hin und her. Martin Enger Holm ist ein gefühlvoller, manchmal meditierender, schmelzender Candide. Seine Arien sind ruhiger. Für ihn waren die reaktiven Zeichnungen die größte Konkurrenz. Benedikt Eder schaltet mühelos zwischen dem naiven Optimisten Dr. Pangloss und dem dauerpessimistischen Martin hin und her. Wir glauben ihm beides. Die brillante Tango tanzende Old Lady ist Svitlana Slyvia. Jakob Hoffmann begeistert als überzeugter oberflächlicher Strahlemann Maximilian, Inquisitor und Kapitän. Veronika Hörmann ist die freche und aufsässige Paquette. John Spencer am Pult vor dem sich in Höchstform präsentierenden Philharmonischen Orchester Regensburg. Und der Opernchor (Einstudierung: Lucia Birzer) schließt sich der vor Komik strotzenden Aufführung an und verliert dabei nicht seine Perfektion.



Candide am Staatstheater Regensburg
© Tom Neumeier Leather; Bildquelle: staatstheater-regensburg.de


Ach ja, das Programmheft versteht sich als "argentinische Ausgabe" der Mittelbayerischen Zeitung. Darin erfährt man alles, was der Gouverneur in der Zeitung liest, während Kunigunde auf einen Heiratsantrag wartet und gähnt.
Christa Blenk - 8. November 2026
ID 16141
CANDIDE (Staatstheater Regensburg, 07.11.2026)
Konzert-Version mit Zwischentexten von Loriot

Musikalische Leitung: John Spencer
Inszenierung und Dramaturgie: Ronny Scholz
Live-Illustration: Robert Nippoldt und Florian Toperngpong
Choreinstudierung: Lucia Birzer
Besetzung:
Erzähler ... Michael Heuberger
Candide ... Martin Enger Holm
Cunegonde ... Sophie Bareis
Dr. Pangloss | Martin ... Benedikt Eder
Old Lady ... Svitlana Slyvia
Maximilian | Captain | Inquisitor II. | Judge II. ... Jakob Hoffmann
Paquette ... Veronika Hörmann
Inquisitor I. | Judge I. | Governor | Vanderdendur | Ragotski ... Konstantin Igl
Inquisitor III. | Judge III. | Croupier ... Roman-Ruslan Soltys
Opernchor
Philharmonisches Orchester Regensburg
Premiere war am 3. Dezember 2022.
Weitere Termine: 20.12.2026// 29.01./ 14.02.2027


Weitere Infos siehe auch: https://www.staatstheater-regensburg.de


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= schon gut


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