Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

Unsere Anthologie:
nachDRUCK # 5

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Neuinszenierung

Gift und

Gegengift



Bewertung:    



Herkules hat seinen Glanz mit den Jahren eingebüßt. Die Abenteuer sind alle überstanden und abgehakt. Er steht vor einer saftigen Midlifecrisis, will seine Frau Dejanira für die junge und schöne Iole verlassen. Sie will ihn aber nicht, und er beklagt sich über die Launen Amors (). Es läuft nicht so wie geplant. Mindestens zwei Gründe unterminieren sein Vorhaben: Einmal ist Iole die Freundin seines Sohnes Hyllo, und zum anderen hat er, Herkules, seinerzeit Ioles Vater getötet. Zwei Hauptgöttinnen stehen dem Halbgott gegenüber. Venus, die Göttin der Liebe. Sie will ihm helfen, seine Liebe auszuleben, während Juno, die Gattin von Jupiter, auf Seiten von Iole steht. Juno hat einen begründeten Hass auf Herkules, ist er doch einer der vielen unehelichen Söhne ihres untreuen Gatten. Merkur, im Auftrag von Venus, verpasst also Iole Liebesspritzen, und sie fängt auch schon an zu schwächeln bis Juno daherkommt, den Bann mit Hilfe von Sonno bricht und den alten Herkules in einen tiefen Schlaf versetzt, während das Volk im grünen Labyrinth Tennisbälle verschlägt.

Dejanira trauert um ihren Sohn Hyllo, den Herkules aufs weite Meer verbannt hat („Ahi che pena è gelosia“). Sie kann nicht wissen, dass Juno mit ihren göttlichen Beziehungen Neptun beauftragt hat, Hyllo aus den Wogen zu retten. Iole, die nun doch wieder vor der Hochzeit steht, beauftragt eine Gruppe von Opferpriestern, den Geist ihres Vaters heraufzubeschwören, der auch prompt aus den Tiefen hervorrumpelt. Sie will ihn um Verzeihung bitten, seinen Mörder zu heiraten. Dann kommt die sehr gelungene Hochzeitsszene. Aber kurz darauf stirbt Herkules an dem Gift der Tunika.

Ende gut alles gut. Herkules, der doch nicht tot ist, bekommt Bellezza, die hier eine maßgeschneiderte Roboter-Geliebte ist, die schnell das Zepter übernimmt. Hyllo wird mit Iole vereint, und sogar Venus und Juno werfen sich wohlwollende Blicke zu. Im letzten Akt preist ein Chor von Planeten das himmlische Brautpaar, und Bellezza und Herkules verheißen, dass einst am Ufer der Seine ein gallischer Ercole eine iberische Schönheit heiraten werde („Quel grand’eroe, che già laggiù tanto penò sposo della beltà“).

Die Einflüsse der sieben Planeten steigen tanzend auf die Bühne herab, gefolgt von einem Chor aus Sternen.

*

Nach seinem großen Erfolg vor ein paar Jahren mit Les Indes Galantes kehrt Leonardo García Alarcón in die Opéra Bastille zurück und führt mit seiner Cappella Mediterranea die Oper Ercole amante von Antonia Bembo (ca. 1640-1720). Für ihn ist dieses Werk "eine Kreuzung der Welten, italienisches, gesungenes Theater mit starken Rezitativen und virtuosen Arien und die Farben der französischen, lyrischen Tragödie".

1707 komponierte Antonia Bembo diese wunderbare Barockoper in Paris am Hof von Ludwig XIV. Jetzt, 2026, wird dieses Barock-Juwel an der Opéra National de Paris aufgeführt, nachdem die französische Nationalbibliothek auf einer Auktion 1937 das Manuskript erwerben konnte. Außer einer konzertanten Aufführung in Stuttgart 2023 und einer weiteren in San Francisco wurde das Stück bis jetzt nie wieder gespielt.

Das Libretto ist von Francesco Buti (1604-1682). Antonia Bembos Lehrer, Francesco Cavalli, hatte es 40 Jahre vorher anlässlich der Hochzeit des Sonnenkönigs mit der Österreicherin Maria Theresia schon einmal in Musik gesetzt. Die beiden Versionen sind musikalisch sehr unterschiedlich. Bembo hat französische Musik geschrieben und mit der üblichen sechsteiligen Ouvertüre dem Roi Soleil gehuldigt, während Cavallis frühere Version mit einer Sinfonietta begann. Antonia Bembo selbst flüchtete seinerzeit vor ihrem brutalen Ehemann von Vendig nach Paris, sang dem Sonnenkönig vor, und dieser nahm sie direkt unter seine Fittiche. Antonia Bembo räumt den weiblichen Rollen eine große Bedeutung zu, hat sie ja selber so einen Tyrannen in Venedig zurückgelassen. Schmerz, Wut, Determination definieren die Arien der unterschiedlichen Frauen in der Oper.

Die britische Gesamtkünstlerin Netia Jones (Inszenierung, Bühne, Kostüme und Video) präsentiert unglaublich ästhetische und immer nachvollziehbare Bilder, die durch Film- und Lichtinstallationen sehr kreativ verstärkt werden. Sie schafft eine Spannung zwischen Mythos und Moderne auf einer Spiegelbühne. Die Götter sind viel mehr als nur allegorische Figuren, sie erwachen zum reellen Leben, werden menschlich.

Ellen Ruge ist für das Lichtdesign verantwortlich.

Und dann die Sänger: durch die Bank großartig und immer sich in ihren Rollen zuhause fühlend:

Andreas Wolf ist ein hervorragender, lüsterner und doch unsicherer Herkules, der sich zwischen Hyllo und Iole (Alasdair Kent und Ana Vieira Leite) drängen will. Deepy Johnny ist eine verzweifelte Dejanira und Julie Fuchs eine sehr elegante und würdige Juno. Sandrine Piau ist Venus in leidenschaftlichem Rot. Mercel Beekmann spielt und singt wunderbar die Rolle des Licco, Vertrauter von Dejanira.

Dominanz, Verführung, Verlust und Gewinn hat auch Maud Le Pladec mit wunderbaren Ballett- und Tanzeinlagen - typisch für die französische Barockoper – umgesetzt.

Orchester und Dirigent wurden minutenlang bejubelt, ebenso der Chœur de chambre de Namur (Einstudierung: Thibaut Lenaerts).



Ercole amante in der Opéra Bastille | Foto (C) Bernd Uhlig/OnP; Bildquelle: operadeparis.fr

Christa Blenk - 2. Juni 2026
ID 15887
ERCOLE AMANTE (Opéra Bastille, 30.05.2026)
Oper von Antonia Bembo

Musikalische Leitung: Leonardo García-Alarcón
Inszenierung, Ausstattung, Video: Netia Jones
Licht: Ellen Ruge
Dramaturgie: Fabián Schofrin
Choreografie: Maud Le Pladec
Choreinstudierung: Thibaut Lenaerts
Besetzung:
Ercole ... Andreas Wolf
Giunone ... Julie Fuchs
Iole ... Ana Vieira Leite
Dejanira ... Deepa Johnny
Licco ... Marcel Beekman
Hyllo ... Alasdair Kent
Venere, Bellezza ... Sandrine Piau
Paggio ... Théo Imart
Chœur de chambre de Namur
Orchestre Cappella Mediterranea
Premiere an der Opéra National de Paris: 28. Mai 2026
Weitere Termine: 02., 05., 09., 12., 14.06.2026


Weitere Infos siehe auch: https://www.operadeparis.fr


Post an Christa Blenk

eborja.unblog.fr

Ausstellungen

Kulturspaziergänge

Museen

Musiktheater

Werkbetrachtungen



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



  Anzeigen:







MUSIK Inhalt:

Kulturtermine
TERMINE EINTRAGEN

Rothschilds Kolumnen

BALLETT |
PERFORMANCE |
TANZTHEATER

BAYREUTHER FESTSPIELE

CD / DVD

KONZERTKRITIKEN

LEUTE

MUSIKFEST BERLIN

NEUE MUSIK

PREMIERENKRITIKEN

ROSINENPICKEN
Glossen von Andre Sokolowski

RUHRTRIENNALE


Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal




Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)