Deus ex Machina
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Percy Jackson - The Lightning Thief im Jungen Theater Bonn | Foto © Matthias Jung
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Bewertung:
Götter können auch enttäuschend, egoistisch oder eitel sein und für böse Überraschungen sorgen. In einer Stadt, in der der Oberbürgermeister seit 2025 Déus (dt.: Gott) heißt und Kürzungen oder Schließungen nicht nur beim städtischen Theater durchsetzen möchte – bei gleichzeitigen Neuausgaben für ein Extra-Dezernat, eine Social-Media-Agentur und einen privaten Limousinen-Service –, weiß man dies nur zu gut. Das JUNGE THEATER BONN sorgt nun seit Anfang Oktober mit einem Rock-Musical über streitbare Gottheiten mit stets ausverkauften Vorstellungen für einen richtigen Publikumshit.
Percy Jackson - The Lightning Thief (dt.: Diebe im Olymp – Das Percy Jackson Musical) basiert auf der bekannten Bestseller-Buchreihe des US-Amerikaners Rick Riordan. Er bricht den ehrfürchtigen Status der antiken Götter auf und beschreibt sie mit viel Humor und Ironie als mächtige Wesen, die trotz ihrer Unsterblichkeit mit sehr weltlichen und fehlerhaften Charakterzügen kämpfen.
Das 2014 in New York nach Riordans Vorlage uraufgeführte Musical von Joe Tracz (Buch) und Rob Rokicki (Musik und Gesangstexte) verlegt die griechische Mythologie gleichsam in das moderne Amerika. Antike Götter, Monster und Mythen werden als real existierende, zeitgenössische Phänomene dargestellt, mit denen sich jugendliche Halbgötter im 21. Jahrhundert auseinandersetzen müssen. Das Musical nutzt ein bewährtes US-Erfolgsrezept: Es verknüpft das Erwachsenwerden mit einer Superhelden-Initiation – ein Coming-of-Age-Plot, der weit vor Marvels X-Men oder The Hunger Games zum Publikumsmagneten wurde. Während die menschliche Spezies in den USA versagt, weil sich dortige führende Populisten möglicherweise für Götter halten, agieren die echten Götter beinahe wie verzogene Teenager. Der Olymp befindet sich im (für Normalsterbliche unsichtbaren) 600. Stockwerk des Empire State Buildings.
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Regisseur Bernard Niemeyer inszeniert das Musical mit einem von Beginn an hohen Energielevel, einem dichten Spannungsbogen und fein gearbeiteten Figuren. Das abstrakte, kantige Konzept von Bühnenbildnerin Mara Lena Schönborn setzt auf simple, aber kreative Theatermittel wie Pappaufsteller für Fahrgeräte (wie einen Reisebus, einen Zug und ein Motorrad) und Bäume, wodurch mit augenzwinkerndem Charme schnelle Ortswechsel markiert werden. Larissa Fühners starke Choreografien erscheinen präzise getaktet und werden mit spürbarer Leidenschaft und athletischem Einsatz dargeboten.
Während des Prologs, einer temporeichen Eröffnungsnummer, schildert Percy Jackson (ausdrucksstark: Maximilian Teschner) dem Publikum seine Probleme in der Schule und sein chaotisches Leben. In einer darauffolgenden emotionalen Solo-Ballade beschreibt er mit leisen Tönen sein Gefühl, missverstanden zu werden, obwohl er eigentlich nur ein gutes Kind sein möchte. Der Teenager entdeckt bald, dass er der Halbgott-Sohn des Meeresgottes Poseidon (Axel Becker) ist. Im Camp Half-Blood lernt er andere jugendliche Halbgötter kennen, die in einer emotionalen Hymne über ihre abwesenden Eltern sinnieren und darüber singen, wie kompliziert und schwierig es ist, von ihnen ignoriert zu werden. Percy erkennt, dass sein stets loyaler Schulfreund Grover (Zoltán Selo) ein Satyr ist, der fortan als sein tierischer Beschützer fungiert. Percy verliebt sich in die hochintelligente Athene-Tochter Annabeth (Lina Gräfe), die sich nach Anerkennung sehnt. Im kraftvollen Solo „Mein großer Plan“ singt sie über ihre Ambitionen, sich in der Welt zu beweisen und ein Vermächtnis zu hinterlassen.
Der Gang der Dinge schreitet mit einem rasenden Puls unaufhaltsam voran. Bald muss der mutige, aber oft überforderte Halbgott Percy sich zusammen mit Annabeth und Grover auf eine gefährliche Reise quer durch Amerika begeben, um den gestohlenen Herrscherblitz des Zeus zu finden und einen verheerenden Krieg der Götter zu verhindern. Als Reisegeschenk überreicht ihm sein charmanter Mentor Luke (Moritz Reinisch) geflügelte Sneakers – die legendären Turnschuhe des Hermes. Die treibende Rock-Nummer „Drive“ markiert den offiziellen Start des Roadtrips. Komische Akzente konterkarieren die Dramatik. Percy lernt durch gemeinschaftlich bestandene Prüfungen, dass Eigenheiten auch etwas Wundervolles sein können. Beim ebenso triumphalen wie pathetischen Finale der Show „Her mit den Monstern“ entschließen sich die Halbgötter dazu, ihr Schicksal selbst in die Hand zu nehmen und sich jeder kommenden Gefahr im Glauben an ihre Gemeinschaft zu stellen.
Das junge Ensemble agiert mit offensivem Charme und einer umwerfenden Spiellust. Neben euphorischen Hymnen bewegen auch melancholische, introspektive Balladen. Die musikalische Leiterin Ekaterina Klewitz koordinierte die vom Band eingespielte Instrumentaltracks im Zusammenspiel mit dem Live-Gesang der Darsteller. Dieser war bei Chorszenen nicht immer textverständlich und mutete manchmal leicht schrill an. Trotzdem gab es in Sachen Publikumszuspruch keine Luft nach oben mehr. Beim Abschlussapplaus konnten sich die überwiegend jungen Theatergänger vor Begeisterung nicht mehr halten und es kam schnell zu stehenden Ovationen.
So bleibt am Ende dieser mitreißenden Götterdämmerung in höllisch klammen Zeiten die Erkenntnis: Während Bonns echter Oberbürgermeister Déus die Kulturlandschaft der Stadt durch schmerzhafte Kürzungen das Fürchten lehrt, beweist das Junge Theater Bonn mit diesem furiosen Hit, dass die wahren, unsterblichen Publikumslieblinge der Stadt derzeit im Camp Half-Blood zu finden sind.
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Percy Jackson - The Lightning Thief im Jungen Theater Bonn | Foto © Matthias Jung
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Ansgar Skoda - 21. Oktober 2026 ID 16107
PERCY JACKSON - THE LIGHTNING THIEF (Junges Theater Bonn, 18.10.2026)
Musikalische Leitung: Ekaterina Klewitz
Regie: Bernard Niemeyer
Bühne: Mara Lena Schönborn
Kostüme: Katharina Savvides
Choreografie: Larissa Fühner
Mit: Maximilian Teschner, Lina Gräfe, Zoltán Selo, Moritz Reinisch, Clélia Oemus, Alia Olk, Lina Sophie Kalisch, Konstantin Kluth, Milena Hüsgen, Aiden Hucho, Axel Becker, Thomas Kahle und Isabella Gonzalez
Welturaufführung im Lucille Lortel Theatre in New York City: 21. Juli 2014
Premiere am Theater Bonn: 2. Oktober 2026.
Weitere Termine: 06., 07.11./ 04.,05., 18., 19., 30., 31.12.2026
Weitere Infos siehe auch: https://www.theater-bonn.de
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