| Literarischer Reiseführer
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Romeo lebt hier
immer noch
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Das Bessere ist bekanntlich der Feind des Guten. Läge Verona nicht nur 120 Kilometer von Venedig entfernt, gälte es als eine der schönsten Städte Italiens. So lockt es die Touristen in erster Linie mit der pompösen Aufführung der immer gleichen Opern in der gut erhaltenen Arena an.
Denkt man Verona und Literatur zusammen, fällt einem nicht ein Italiener ein, sondern ein Engländer: William Shakespeare mit Romeo und Juila. Auch die Touristen pilgern zu dem schmalen Balkon, von dem herab Julia mit Romeo geflirtet haben soll. Tatsächlich aber haben zahlreiche Autoren Verona zum Schauplatz ihrer Dichtungen gewählt, darunter nicht nur Shakespeare auch Julia und Romeo. Jetzt hat der Klagenfurter Wieser Verlag seine inzwischen auf eindrucksvolle 239 Bände angewachsene Reihe von kleinformatigen und mit kleiner Schrift bedruckten Büchern unter dem doppeldeutigen Titel Europa Erlesen um den Titel Verona erweitert. Herausgeber ist Dareg A. Zabarah-Chulak.
Shakespeare und sein bekanntes juveniles Liebespaar, klar doch, dürfen in diesem Kontext nicht fehlen. Aber daneben kann man vier Dutzend bekannten und weniger bekannten Autoren wiederbegegnen oder sie entdecken, darunter die Erzähler Gabriele D’Annunzio, Dante Alighieri, dazu Johann Wolfgang von Goethe, Heinrich Heine, Charles Dickens, Walter Benjamin oder Hans Carossa als Reiseschriftsteller, die Lyriker August Graf von Platen-Hallermünde, Oscar Wilde mit einem Sonett über Dante, Ludwig Tieck, Johann Gottfried Herder (auch als Briefschreiber), Conrad Ferdinand Meyer, Thomas Bernhard (kein Irrtum, er war auch Lyriker ) oder Peter Huchel.
Eigentlich ist der Wieser Verlag, der den Ort, an dem er beheimatet ist, selbstbewusst zweisprachig als Klagenfurt/Celovec angibt, auf südosteuropäische Literatur spezialisiert (auch der aus dem Jemen stammende Herausgeber der Verona-Anthologie ist außer Politologe und Historiker Slavist), aber mit der Europa Erlesen-Serie ist er längst ein Verlag für Europa eben, das freilich nicht die Grenzen der EU anerkennt. Kürzlich ist sogar ein Band zum Persischen Golf und schon zuvor einer zum afrikanischen Alexandria erschienen. Man nimmt es nicht so genau. Es geht ja um Literatur und nicht um Bodenschätze.
Thomas Rothschild – 23. Mai 2026 ID 15874
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Verona
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