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Rezension

Barbara Hodgson - "Die Wüste atmet Freiheit"

Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930
Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2006
ISBN 3-8067-2943-3


Tausche Korsett gegen Reithose oder Türkengewand

„Isabel Burton brauchte zu ihrem Glück dreierlei: Ihren Ehegatten Richard Burton, den Orient und die Freiheit. In Damaskus erfreute sie sich an allen dreien...“. Sie und andere „Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930“ begleitet Barbara Hodgson in ihrem neuen Buch „Die Wüste atmet Freiheit“, erschienen im Hildesheimer Gerstenberg Verlag.

Erwartet hat man von den Gattinnen der Männer des europäischen Hochadels damals drei andere Dinge: sie sollten empfindsame Romane schreiben, Blumenbilder malen und glückliche Nachkommen bescheren. Zu Hause.

Der Orient bietet Freiheit für Frauen? Barbara Hodgson fragte sich das auch und wertete fleißig Reiseberichte, Bücher, Briefe und Tagebuchaufzeichnungen vieler abenteuerlustiger Frauen aus.
„Lady Montagu war die erste prominente moderne Europäerin, die den Orient bereiste. In ihren Briefen pries sie das ungezwungene Leben, das die Orientalinnen in ihren Augen führten, und die Freiheiten, die sie selbst dort genoss. Befreit vom Korsett gesellschaftlicher Konventionen in ihren Heimatländern, suchten Generationen von Frauen auf ihren Orientreisen diese von Lady Montagu beschworene Freiheit.“

Ida Pfeiffer, Ida von Hahn-Hahn, Isabel Burton, Ester Stanhope, Isabella Bird, Gertrude Bell, Louisa Jebb und Rosita Forbes waren Frauen mit weitgehenden Reiseträumen, die Komfort, Konventionen und Kleiderordnungen über Bord warfen und Gefallen an Wüste und Weite fanden: Damaskus, Kairo und Konstantinopel, Beirut, Syrien. Manche begleiteten ihre Väter oder Ehemänner: Forscher, Politiker, Diplomaten, Offiziere.
Viele reisten alleine.
1717-1930. Damals flog man nicht. Per Kutsche, Sänfte,– doch zumeist auf dem Pferderücken - wurden lange Strecken, Strapazen, Sprachschwierigkeiten und lauernde Gefahren bewältigt.

Die Kultur des Reisens war vor allem den Britinnen auf den Leib geschneidert. Sie waren unerschrocken, resolut und zumeist gute Reiterinnen, im Gegensatz zu den zartbeseiteten Französinnen.

Drei Standardfragen reisender Frauen werden eingangs behandelt: „Wo schlafen wir?“ „Was gibt es zu essen?“ „Wenn ich ein Mann wäre?“ „Ich habe auf allem und nichts geschlafen“, erzählt Rosita Forbes. Isabella Bird steht – auf einem Foto - mit ihrer Crew vor ihrem heißgeliebten und altgedientem Reisezelt und sieht zufrieden aus. Louisa Jebb erzählt humorvoll ein Erlebnis mit ihrem gefräßigen Koch. Die stagnierende Fortbewegung und andere Widrigkeiten („...der Gestank hält Winterschlaf...“) werden von den Frauen als Herausforderungen gesehen, die sie -gutgelaunt- annehmen.

Die Britin Isabel Burton besticht durch ihre Persönlichkeit. Als Gattin von Richard Burton, der ein ähnlicher Schwerenöter wie sein neuzeitlicher Namensvetter gewesen sein soll, nahm sie ihre Rolle als Ehefrau zwar perfekt ein, übertraf ihn sogar mit ihrem Organisationstalent und anderen Fähigkeiten. In ihren Träumen landete sie jedoch woanders: „Wenn ich als Mann geboren woren wäre“, soll sie einmal gesagt haben, „dann wäre ich gerne Richard Burton geworden“.

In weiteren Kapiteln geht es, worum es immer geht: Mode, Harem, Romanzen, Sexappeal.
Manche Frauen waren unterwegs einem Flirt nicht abgeneigt. Manche hatten offen Affären, wie Margret Fountaine in ihren Aufzeichnungen „Ich sammle nicht nur Schmetterlinge“ und „Late Loves“ gesteht. Doch sie ist eher eine Ausnahme, denn es schickte sich nicht, darüber zu berichten. Bis in das Tagebuch hinein waren die meisten Weltenbummlerinnen diesbezüglich verschwiegen. Offener wird über charmante Komplimente arabischer Männer, treue Freundschaften und gepflegte Gespräche berichtet.

Und am Ende der Reise? Isabel Burton, Luisa Jebb und Hester Stanhope kommen zur gleichen Erkenntnis: „Das Leben im Orient macht dich untauglich für das Leben in Europa“. Louisa Jebb formuliert es an anderer Stelle tragischer: „Gestern Nacht waren wir noch ungewaschen, wild und frei; heute Nacht sind wir sauber, von Menschen umgeben und gefangen.“ Deshalb blieben Hester Stanhope, Jane Digby und Lucie Duff Gorden einfach für immer da.

Bereits in ihrem ersten, und ebenso witzigem wie spannendem Buch „Die Kreoline bleibt in Kairo“ überzeugte die 50-jährige Kanadierin Barbara Hodgson als Autorin und Buchgestalterin. Die vielfältige Bebilderung und der unterhaltsame Text formen auch ihr neues Buch zu einem harmonischem Ganzen.
„Die Wüste atmet Freiheit“ aus dem Guldenberg Verlag ist optisch eine Augenweide und inhaltlich ein Seelenschmaus. Ganz einfach: 186 sehr schöne Seiten.




Hilde Meier - red.-berlin/ 05. April 2006
ID 2328
Barbara Hodgson
Die Wüste atmet Freiheit
Reisende Frauen im Orient 1717 bis 1930
Aus dem Englischen von Brigitte Beier und Gisela Sturm
Gerstenberg Verlag, Hildesheim, 2006
184 S., 24 x 14 cm
gebunden, mit Schutzumschlag, reich bebildert
ISBN 3-8067-2943-3
EUR (D) 24.00 | EUR (A) 24.70 | SFr 42.00
www.gerstenberg-verlag.de


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