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Ausstellung

Zum 100. Todestag

von Egon Schiele (1)



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100 Jahre ist es nun schon her, dass die österreichische Großmonarchie 1918 nach dem Ende des Erstens Weltkriegs zerfiel. Just im selben Jahr starben auch zwei österreichische Großkünstler, der Malerfürst des Wiener Jugendstils Gustav Klimt und der nicht minder bekannte Expressionist Egon Schiele. Letzterem sind in Wien noch bis Februar/März dieses Jahres zwei Ausstellungen gewidmet.

Der am 12. Juni 1890 in Tulln an der Donau geborene und bereits am 31. Oktober 1918 in Wien an den Folgen der Spanischen Grippe gestorbene Egon Schiele überlebte sein großes Vorbild Gustav Klimt nur um knapp neun Monate. In den wenigen Schaffensjahren nach der Aufnahme des erst 16jährigen Schiele 1906 an der Wiener Akademie der bildenden Künste entstand allerdings ein so umfangreiches Werk, das noch heute seines Gleichen sucht und Kunstinteressierte wie Wien-Touristen gleichermaßen in die entsprechenden Museen der Stadt strömen lässt.

Ist Klimt der Star im Schloss Belvedere, so ist Schiele der Hausheilige des Leopold Museums im Wiener Museumsquartier. Hier hat das Ehepaar Rudolf und Elisabeth Leopold mit 42 Gemälden, 184 Aquarellen, Zeichnungen und Druckgrafiken sowie zahlreichen Autografen und Varia die größte und bedeutendste Schiele-Sammlung der Welt zusammengetragen. Natürlich hat man aus diesem unermesslichen Konvolut thematisch schon alles gezeigt, was es zu Schiele zu sehen gäbe. Ähnlich geht es der Österreichischen Galerie Belvedere, und so haben sich die beiden Museen etwas ganz Spezielles für ihre jeweiligen Jubiläumsschauen ausgedacht.

* *

Im Leopold Museum bewegt man sich mit Egon Schiele. Die Jubiläumsschau RELOADED nicht retrospektiv-linear durch das Schaffen des österreichischen Expressionisten, sondern stellt thematischen Werk-Blöcken Schieles passende Positionen von zeitgenössischen KünstlerInnen gegenüber. Diese (wie es heißt) punktuellen „Injektionen“ beruhen auf konkreten Bezugnahmen oder auf persönlichen Assoziationen, beziehen sich auf einzelne Werke Schieles oder fußen auf korrespondierendem Interesse der jeweiligen KünstlerInnen an bestimmten Themen. Ein durchaus interessanter, nicht nur rein ästhetischer Dialog zwischen klassischer und zeitgenössischer Moderne.

Was in beiden Ausstellungen gleich zu Beginn ins Auge fällt, ist die Büste Schieles, ein Selbstbildnis um 1917. Im Leopold Museum steht ein Stein-Neuguss von 1965 im Belvedere ein Bronze-Nachguss von 1980. Thematisch nehmen Selbstbildnisse in Schieles Schaffen einen großen Raum ein. Man könnte auch sagen: Erst „Ich“, dann die „Nackerten“ und dann noch ein paar Portraits und Landschaftsbilder mit Häusern. Dann hätte man in etwa das Œuvre Schieles beschrieben. Ganz so einfach ist es natürlich nicht, dennoch beginnt zumindest das Leopold Museum seine Jubiläumsschau mit Schieles Lieblingsthema „Selbst“ und „Ich“. In Fotos und Selbstbildnissen sieht man den jungen Schiele sich selbstbewusst in Pose setzen. Die abgespreizten Finger oder die vorgereckte Schulter sind sein Markenzeichen. Ähnlich posierend sieht man ihm gegenübergestellt den Kölner Fotokünstler Jürgen Klauke in der Selbstportraitserie Self-Performance (1972/73).

Auch gut gewählt sind die Dialoge von Schieles Mütter- und Kinderbildern zu schon in der rötlichen Farbwahl thematisch sehr ähnlichen Papierarbeiten der französischen Künstlerin Louise Bourgeois, oder im Themenkomplex „Städtebilder“, bei dem die zahlreichen Häuserbögen Schieles (z.B. von Krumau) mit den dreidimensionalen Holzlattengebilden des in Paris lebenden japanischen Künstlers Tadashi Kawamata korrespondieren. Weitere Themenbereiche sind natürlich die bereits erwähnten „Frauen“-Bilder Schieles mit etlichen seiner berühmten Aktzeichnungen und -aquarellen, die „Spiritualität“ in Schieles Werken oder seine kargen und doch auch expressiv leuchtenden „Landschaften“ sowie einige seiner „Portraits“ am Ende der Ausstellung. Den einzelnen gut ausgewählten Bildern Schieles (u.a. Sitzender Männerakt (Selbstdarstellung), Die Eremiten, Entschwebung (Die Blinden II), Liegende Frau, Versinkende Sonne oder Trauernde Frau) haben die Kuratoren weitere zeitgenössische Werke von Sarah Lucas, Chloe Piene, Rudolf Polanszky, Maximilian Prüfer, Elisabeth von Samsonow und Fiona Tan gegenübergestellt.




Egon Schiele: Kniendes Mädchen, auf beide Ellbogen gestütz | 1917 © Leopold Museum, Wien | Foto: Leopold Museum, Wien/Manfred Thumberger

Stefan Bock - 14. Januar 2019
ID 11147
Weitere Infos siehe auch: https://www.leopoldmuseum.org


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