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Ausstellung

„Jeder ist von dieser Kunst berührt“



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Der Bekanntheitsgrad von Michelangelos Hauptwerken ist so beträchtlich, dass auch diejenigen, die sie noch nicht in Rom und Florenz bewundern konnten, die Bilder von seinen Meisterwerken im Kopf haben. Das sind die Statue von David, die von Moses, die Pieta im Petersdom in Rom, die Deckenmalereien in der Sixtinische Kapelle und andere. Diese monumentalen Werke sind nicht portabel und können in keinem Museum ausgestellt werden. Die Bundeskunsthalle hat sich zudem entschieden, zu ihrer Hommage an ihn, selbst auf ein paar wenige, kleinere Werke von Michelangelo (1475-1564) zu verzichten. Der Göttliche glänzt durch völlige Abwesenheit. Im Grunde genommen wäre das eine Mogelpackung, wenn die Werke der Künstler und Künstlerinnen, die sich in ihrer Kunst auf ihn beziehen, nicht so beachtlich wären. Allein schon Caravaggios Gemälde Johannes der Täufer (1602), das auch für eines der Plakate ausgesucht wurde, hat eine ungeheure Anziehungskraft. Dazu gesellen sich Exponate von Raffael, Rubens, Rodin, Cézanne, Struth, Moore und vielen anderen. Es sind über 200 Bilder und Skulpturen zu sehen, von denen einige aus Depots herausgeholt und eigens restauriert wurden.

So entstand, nach Absicht der Kuratoren, eine rund 500-jährige „Mediengeschichte“, die schon zu Lebzeiten des Göttlichen betrieben wurde, in Form von Kupferstichen, Dokumenten, Nachbildungen und Interpretationen seines Werkes. „Wie ist es möglich, mit Michelangelo heute noch einen so weltumspannenden Hype zu erzeugen“, fragte sich der Kurator Georg Satzinger. „Ein besonderes Merkmal von Michelangelo ist, dass er über die Jahrhunderte lückenlos bis heute rezipiert wurde, mit Ausnahme des Rokoko. Er erwies sich als so nachhaltig, weil er losgelöst war von bürgerlichen Einschränkungen. Jeder ist von dieser Kunst berührt. Michelangelo vermochte es, über die Darstellung des menschlichen Körpers Gefühle, Glauben und Tragik auszudrücken.“

Kurator Sebastian Schütze nannte Gründe für die intensive Rezeptionsgeschichte Michelangelos. Da wäre zum ersten die Qualität seines Schaffens. „Michelangelo war der erste moderne Künstler“, erläuterte Schütze. „Er hat sich vom Mythos der Antike emanzipiert. Dabei hat er sie nicht nur erreicht, sondern übertroffen.“ Die Kuratoren beabsichtigen, Michelangelo durch die Brille der größten Künstler und Künstlerinnen der letzten 500 Jahre zu zeigen in einem „Dialog auf Augenhöhe“. Es entstünde unweigerlich eine „hermeneutische Schleife“, da jeder von uns auch sein eigenes Bild von ihm hat. Dadurch soll ein „doppelter Spiegel“ entstehen.

Neben der Qualität trug auch „Innovation“ zur Rezeptionsgeschichte bei, erläuterte Schütze weiter. Es war neu, dass ein Künstler schon zu Lebzeiten medial so präsent war. Schon damals gab es viele Portraits von ihm. Seine Arbeiten für den Petersdom in Rom und die Medici Kapelle in Florenz erlangten schnell Ruhm, weil beides beliebte Pilgerstätten waren. Seine Kunstwerke wurden schon zu seinen Lebzeiten als Meisterwerke kanonisiert. Hinzu kam die „gute Presse“, die man ihm angedeihen ließ, gedruckte Lebensbeschreibungen und seine Ausrufung zum „göttlichen Künstler“. Auch sein Begräbnis ist gut dokumentiert und war mit dem eines Renaissance-Fürsten zu vergleichen.

Die Ausstellung ist nicht chronologisch, sondern motivisch konzipiert. Der Raum „Die Aktstatue“ zeigt das Bemühen der Renaissance-Künstler mit den Werken der Antike zu wetteifern. Michelangelo zeigte Bacchus, den antiken Gott des Weines und des Rausches, in trunkenem Zustand. Bei der Darstellung von Sklaven zeigte er ihr Elend, was von anderen Künstlern, wie z.B. Yves Klein aufgegriffen wurde.

Weitere Räume widmen sich der „Nacktheit in großen Tableaus“, den „Skulpturen der Medici-Kapelle“, dem „Kosmos der Sixtinischen Kapelle“, und anderen. Alloris Der Traum nach Michelangelo ist ein weiteres der herausragenden Meisterwerke.

Als vierten und letzten Punkt nannte Schütze das “Non-Finito“. Michelangelo war so gefordert und stand oft unter extremem Zeitdruck, dass er seine Werke nicht vollenden konnte. Das Unfertige erwies sich als Qualität, das Unvollendete in seinem Schaffen stellte schon früh eine Abstraktion dar.

Die Ausstellung schafft es gut, den Einfluss Michelangelos auf seine Zeitgenossen und spätere Künstler und Künstlerinnen zu zeigen. Der Mensch Michelangelo bleibt fast so abwesend wie seine Werke. Schade, bei einem Künstler, der die antike Kunst um das Menschliche bereichert hat. Trotzdem macht die Ausstellung Lust, vielleicht doch mal (wieder) nach Rom und Florenz zu fahren, um die Werke an ihren angestammten Orten zu bestaunen.



Bildquelle: https://www.facebook.com/Bundeskunsthalle

Helga Fitzner - 11. Februar 2015
ID 8426
DER GÖTTLICHE. HOMMAGE AN MICHELANGELO (Bundeskunsthalle Bonn | 6. Februar bis 25. Mai 2015)

Öffnungszeiten:
Mo | geschlossen
Di, Mi | 10 - 21 h
Do - So | 10 - 19 h

Kunst- und Ausstellungshalle der Bundesrepublik Deutschland GmbH
Museumsmeile Bonn
Friedrich-Ebert-Allee 4
53113 Bonn

Weitere Infos siehe auch: http://www.bundeskunsthalle.de/ausstellungen/der-goettliche.html


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Reihe von Helga Fitzner: EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM



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