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Ausstellung

Ein Unvergessener



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Er war in Österreich wohl der am meisten umschwärmte Schauspieler: Oskar Werner (1922-1984). Spätestens mit Jules und Jim; Das Narrenschiff und Fahrenheit 451 – bezeichnenderweise also mit Filmen, nicht mit seinen unvergessenen Bühnenauftritten – errang er, lange vor Armin Müller-Stahl oder Christoph Waltz, internationalen Ruhm. Jetzt hat ihm das Österreichische Filmarchiv anlässlich seines 100. Geburtstags im Metro-Kino in der innenstädtischen Johannesgasse eine von Filmen und Vorträgen eskortierte Ausstellung gewidmet, die noch bis zum 29.1.2023 (von 14 bis 21 Uhr!) geöffnet ist. Kuratiert wurde sie von Martina Zerovnik und Raimund Fritz, der schon 2014 einen Wälzer über Oskar Werners Filme herausgegeben hat.

Im Gegensatz zum Deutschlandfunk, in dem Beatrix Novy des Jubilars mit einer Skandalchronik gedachte, als bestünde seine Bedeutung darin, dass er sich zu Tode gesoffen hat, gibt sich die Ausstellung eher hagiografisch. Auch der Katalog [s. Cover o.re.] besticht durch die schönen Fotos ebenso wie durch die Begleittexte. Schreiben an und von Oskar Werner dokumentieren nicht nur das Ansehen, das er genoss, sondern auch einen längst ausgestorbenen Korrespondenzstil. Sie üben eine Faszination aus wie die frühen Bilder aus der Kindheit und der Jugend des Schauspielers, der sich auch als Dichter versucht hat.

Geradezu tragisch klingt ein langer Brief, in dem sich Oskar Werner 1978 als 56jähriger bei Wolfgang Schneiderhahn über seine berufliche und seine Lebenssituation beklagt. Er war offenbar so sensibel, wie er aussah, wie man ihn wahrgenommen hat, nicht zuletzt wegen seiner unvergleichlichen Stimme, seiner Sprechmelodie, die sich, leicht näselnd, dem Gesang näherte.

Bühnenfotos erinnern an seine Rollen, allen voran an Hamlet, mit dem er sich über das Normale hinaus identifiziert hat, an Torquato Tasso, an Prinz Friedrich von Homburg. Oskar Werner hat zwar, selten, aber immerhin auch in zeitgenössischen Stücken gespielt, aber zu seiner Zeit gab es noch keine Zweifel daran, dass es sich lohnt, Klassiker aufzuführen. Und dann die Filmstills, die ihn als Mozart mit Johanna Matz oder in Jules und Jim mit Jeanne Moreau abbilden. Einen Blick hinter die Kulissen gewährt jenes Foto, in dem Oskar Werner dem älteren Spencer Tracy mit einem strahlenden Lächeln die Hand reicht.

Das letzte Foto zeigt Oskar Werner ein wenig arrogant (was eine Untersicht so bewirken kann), aber aufrecht. Den voyeuristischen Blick auf das vom Alkohol zerstörte Genie verkneift sich diese Huldigung an einen der ganz Großen. Schönfärberei? Nein, Respekt. Warum sollte man einem Schauspieler verweigern, was man so vielen gewährt, die es weitaus weniger verdienen.
Thomas Rothschild – 28. November 2022
ID 13935
https://www.filmarchiv.at


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