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EUROPÄISCHES JUDENTUM IM FILM

Supertex - Eine Stunde im Paradies (D/NL 2003)



Simon Breslauer (Jan Decleir) ist polnischer Jude und hat als einziger seiner Familie das Dritte Reich überlebt. Zusammen mit Dora (Maureen Lipman) gründet er nach dem Krieg in Amsterdam eine Familie. Durch sein Firmenimperium Supertex, mit dem er Billigkleidung produziert, kommt er zu großem Wohlstand.



Simon Breslauer (Jan Decleir) © SOLO FILM

Seine Söhne Max und Benjamin, genannt Boy, wachsen behütet und wohlhabend auf. Der Vater hält zwar sehr auf die jüdischen Traditionen, doch er ist keineswegs orthodox, während sein Sohn Max (Stephan Mangan) weltlich orientiert ist und sich als Holländer und Geschäftsmann fühlt. Er soll einmal die Firma übernehmen, was er eigentlich gar nicht will. Und wenn, dann hat er neue Ideen und Modernisierungsvorschläge, weswegen er ständig mit seinem Vater streitet. Max bastelt in Gedanken schon an einer gemeinsamen Zukunft mit seiner Freundin Esther (Meital Berdah). Doch es kommt zur Krise, als Esther nach Israel fährt. Trotz der möglichen Gefahr für Leib und Leben will sie in Zukunft dort leben. Als Jüdin hat sie bisher assimiliert in Europa gelebt, ist jetzt aber auf der Suche nach ihren Wurzeln.



Max Breslauer (Stephan Mangan) © SOLO FILM

Für Max ist dieser Entschluss erschütternd. Er selbst hat alle Religiosität und den Sinn für seine Herkunft abgestreift und lebt wie viele moderne Europäer ein unabhängiges und weltliches Leben. Ein zweiter Schock steht an, als sein jüngerer Bruder Boy von einer Dienstreise nach Marokko nicht wiederkehrt. Er hat dort eine jüdische Frau kennen gelernt. Durch sie findet er zum orthodoxen Judentum zurück und trägt von nun an Bart und Hut. Er will in Marokko bleiben und hat dort schon eine Firma gegründet.



Boy Breslauer (Elliot Levey) und Max Breslauer (Stephen Mangan) © SOLO FILM

Max Breslauers bisherige Welt löst sich allmählich auf. Die Freundin ist weg, die Familie bricht auseinander, und dann liegt auch noch sein Vater im Krankenhaus. Als dieser stirbt, steht Maxens Leben am Wendepunkt...

Der deutsche, nicht-jüdische Regisseur Jan Schütte ist auch Co-Autor des Films, hat aber mit dem Autor der Romanvorlage Leon de Winter eng zusammen gearbeitet. Supertex weist Parallelen mit der Biografie Leon de Winters auf. Es war also viel Einfühlungsvermögen gefragt, Schütte konnte aber auf die Erfahrungen de Winters zurückgreifen.

Von den verschiedenen Handlungssträngen abgesehen, geht es in dem Film in erster Linie um Identitätsfindung. Ein Jude und eine Jüdin, beide die einzigen Überlebenden ihrer Familien, gründen eine neue Familie. Ihre Kinder wachsen ohne größeren Familienverbund auf in einem Land, das nicht ihre angestammte Heimat ist, und mit einer Religion, die sie in der Diaspora zur Minderheit macht. Wie gehen die Nachgeborenen damit um? Wie viele andere Nachkriegskinder auch verstummen sie angesichts des Schreckens, den ihre Eltern geschaut haben. Das eigene Leid relativiert sich dadurch jedoch nicht. Da ihre Nöte vor den Erfahrungen der Eltern nicht bestehen können, bleiben sie oft unerlöst. Wie mag es aber Kindern gehen, deren Familie neben den „normalen“ Kriegserlebnissen auch noch einer systematischen Massenvernichtung ihres Volkes, konkret ihrer eigenen Vorfahren, ausgesetzt war?



Max Breslauer (Stephen Mangan) und Esther (Meital Berdah) © SOLO FILM


Supertex zeigt drei verschiedene Wege auf. Esther wählt die Heimat. Sie zieht nach Israel, um im Gelobten Land zu leben. Boy ist spirituell ausgerichtet. Er findet sein Glück im jüdischen Glauben. Auch Max findet schließlich seinen Weg, in dem er die Firma, aber auch die verlorengegangenen Familientraditionen fortführen will. Es ist ein sehr zarter Anfang, denn Max ist erst das zweite Familienoberhaupt seit dem Krieg. So hat jeder für sich einen Teil des Verlorenen zurückgeholt: das Heimatland, den Glauben und die individuellen Wurzeln in der Familie.

Helga Fitzner / März 2004



Die Besprechung der beiden weiteren Filme folgt.




 

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