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Besprechung


(Krimi-Groteske)

Silentium

Österreich 2004

Starttermin 03.03.2005

Salzburger Festspiele, katholische Missstände und korrupte Legislative – eine österreichische Mischung verpackt in einen Kriminalfilm nach der Literaturvorlage von Wolf Haas: „Silentium“


„Jetzt ist schon wieder was passiert. Diesmal in Salzburg. Der Schwiegersohn des Festspielpräsidenten ist tot. Angeblich Selbstmord.“


Brenner ermittelt wieder. Nach der Literaturverfilmung von „Komm, süßer Tod“ (2000) arbeiteten der Schriftsteller Wolf Haas, der Regisseur Wolfgang Murnbacher und der Kabarettist und Schauspieler Josef Hader erneut zusammen und brachten den 2. Kinofilm rund um den österreichischen Privatdetektiv Simon Brenner nach der gleichnamigen Romanvorlage in die deutschsprachigen Kinos: „Silentium“.



Josef Hader ermittelt auf seine Weise in "Silentium"


Schauplatz des Filmes ist Salzburg, der erste Tote Mitglied der besten Gesellschaft der Festspielstadt. Brenner (Josef Hader), der seit dem 1. Teil anscheinend mehr an seinem sozialen Abstieg als an seiner Karriere gearbeitet hat und sich unter anderem dem Alkohol nicht abgeneigt zeigt, hat seinen Auftrag, als die Witwe ihre Bedenken gegen den angeblichen Selbstmord äußert (ihr Gatte stürzte vom legendären Salzburger Mönchsberg). Der Verdacht auf Mord erhärtet sich, als bekannt wird, dass ihr Mann erst kurz zuvor mit Erinnerungen an sexuellen Missbrauch in seiner Jugend aufhorchen ließ, der im katholischen Knabenkonvikt der Stadt stattgefunden haben soll. Die Ermittlungen führen Brenner mit Hilfe seines alten Freundes Berti (Simon Schwarz) hinter die Kulissen der Salzburger Festspiele genauso wie in die Welt des verschwiegenen katholischen Knabenkonvikts.


Josef Hader, Christoph Schlingensief und Simon Schwarz (v. l. n. r.)


Obwohl die Verantwortlichen für die Verfilmung sich schon vorab von der Absicht eines Angriffes gegen die Stadt Salzburg, den Katholizismus und die Kultur der Festspiele distanzierten (s. .z. B. „Der Standard“ vom 23. September 2004), besitzt der Film doch genügend Komponenten, die diese Gesellschaft ironisieren. Nicht nur schleppt der als obdachlose Arbeitskraft getarnte Brenner wie Christus auf seinem letzten Gang ein riesiges Holzkreuz durch die Gänge des Knabenkonvikts und erschlägt sich am Ende der Sequenz mit diesem fast selbst, auch bleibt nach einem spannungsreichem Showdown Raum für einen spektakulären Sturz der Protagonisten vom Mönchsberg; mitten in eine Operninszenierung von Christoph Schlingensief.


Josef Hader hat in "Silentium" ein schweres Kreuz zu tragen


Neben dem bissigen Witz in Wort und Bild arbeitet der Film auch mit härteren, realistischen Bildern, als z. B. „Komm, süßer Tod“ dies tat. Dies erklären die Verantwortlichen damit, dass hier auch der Stoff ein realistischer ist: Der gesellschaftliche Mikrokosmos Salzburg wird gestört. Der Auslöser ist zwar vorerst in der Vergangenheit zu suchen, im Laufe der Ermittlungen werden jedoch Verbindungen und neue Missstände der unmittelbaren Gegenwart sichtbar: Mädchenhandel, Auftragskiller, Zuhälterei; und dies alles in den obersten Reihen von Kirche und High Society. Hier hat ein jeder Dreck am Stecken und selbst die Polizei scheint es nicht sehr darauf anzulegen, eine Wahrheit ans Licht zu bringen, die diese Gesellschaft nachhaltig erschüttern könnte.
Am Schluss ist der Fall gelöst, doch nachhaltige Veränderungen gibt es kaum. „Man“ zieht es vor, sich selbst zu schützen, indem man das gesellschaftliche Konstrukt nicht durchbricht. Kein Wunder, dass der Antiheld Brenner den ganzen Film lang von Kopfweh geplagt wird.

Haas Kunstsprache aus dem Off
Die aus sechs Büchern bestehende Kriminalserie rund um den "Antihelden" Brenner brachte Wolf Haas nicht nur in Österreich, sondern im gesamten deutschsprachigen Raum Beachtung ein. Insbesondere die von ihm verwendete Kunstsprache, die zwar an die österreichische Umgangssprache erinnert, aber doch nicht diese ist, entpuppte sich als Schreibverfahren, das die Grenzen zwischen „ernster“ und vorrangig „unterhaltender“ Literatur auflöste. Charakteristisch für diesen Sprachstil ist die konsequent durchgehaltene Mündlichkeit, die auch mit zum Teil „beschädigter“ Grammatik arbeitet (z. B. Weglassen der Verben) und den Leser durchwegs mit „Du“ anspricht.
Im Film wird diese sprachliche Besonderheit durch unveränderte Zitate aus dem Off wiedergegeben: Der Erzähler, Herr Hermes, ist Radiohörern aus dem süddeutschen und österreichischen Raum vom Radiosender FM4 bekannt.

Neben Herrn Hermes versammelt der Film auch sonst anspruchsvolle Mitwirkende aus verschiedenen Bereichen. Die Filmmusik wurde, wie zuvor schon bei „Komm süßer Tod“, zum Großteil von den Mitgliedern der Wiener Elektro-Band Sofa Surfers erdacht, Christoph Schlingensief spielt sich quasi selbst als kontroverser Opernregisseur bei den Salzburger Festspielen und Dirk Stermann (von Stermann und Grissemann) gibt als Zuhälter ein Gastspiel.

Einem Genre lässt sich „Silentium“ nicht zuordnen. Der Film hat Anteil an Komödie, Thriller und Gesellschaftssatire vor zeitgenössischem Hintergrund – vielleicht triffts die Bezeichnung „österreichischer Film“ daher noch am Besten.



Friederike Schwabel, 20. April 2005
ID 00000001858
Der Film ist seit dem 3. März in den deutschen Kinos zu sehen.

Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Josef Hader, Wolfgang Murnberger, Wolf Haas
Schauspieler: Josef Hader, Simon Schwarz, Joachim Krol, Maria Köstlinger, Udo Samel, Jürgen Tarrach, Rosie Alvarez, Christoph Schlingensief, Herbert Fux, Georg Friedrich, Anne Bennent, David Heissig, Tini Kainrath, Wolfgang S. Zechmayer, Karl Fischer

Weitere Infos siehe auch: http://www.silentium-derfilm.de






 

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