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“Schultze Gets the Blues”

(Deutschland 2002)

Regie: Michael Schorr
Kinostart: 22.04.2004
Was schreibt man nur über einen Film, über den man am liebsten gar nichts verraten würde? „Schultze Gets the Blues“ gehört zu jenen Filmen, auf die man am besten unvorbereitet trifft, denn Michael Schorr hat hier eine sehr eigentümliche und dem Thema angepasste Filmsprache gefunden.



Schultze (Horst Krause) lebt im neuen Bundesland Sachsen-Anhalt und ist gerade pensioniert worden. Er hat ein Leben lang im Salzbergwerk gearbeitet und einen bleibenden Lungenschaden davongetragen. Seine Tage sind geprägt von der Tristesse der Nachwendezeit und spielen sich im Schrebergarten, in der Kneipe und im örtlichen Musikverein ab. Die Landschaft ist durch das Bergwerk ruiniert, der Industriezweig auch. Schultze gehört zu jenen, an denen der Aufbau Ost irgendwie vorübergegangen ist. Regisseur Michael Schorr kommt vom Dokumentarfilm, und erhält den dokumentarischen Blick auch in diesem, seinem ersten Spielfilm aufrecht, mit dem ihm eine präzise Milieubeschreibung gelingt. Viele alltägliche Handlungen zeigt er behäbig in Echtzeit, beschreibt den Stillstand durch statische, distanzierte Bilder. Er hat auch keine Angst vor der Ruhe des Schweigens. So zeigt er, wie Schultze schweigend im Altersheim bei seiner demenzkranken Mutter sitzt.



Dann aber tritt ein Ereignis ein, das die kleine beschauliche Welt in Bewegung versetzt. Schultze ist passionierter Akkordeonspieler und im Musikverein für seine Polkas bekannt. Eines Tages aber hört er im Radio ganz ungewöhnliche Musik. Da holt er seine Quetschkommode hervor und spielt die Töne nach. Es sind Melodien der Cajun-Musik aus dem amerikanischen Louisiana. Schultze hat nun etwas entdeckt, das ihm wieder etwas Schwung verleiht. Er kocht für seine Freunde sogar ein amerikanisch-kreolisches Gericht nach, das er nach Anweisungen aus dem Radio zubereitet. Das Leben als Frührentner ist auf einmal mehr als das Warten auf den frühzeitigen Tod durch die geschädigten Lungen. Auf einmal ist da Raum für etwas anderes. Aber das sehen nicht alle so. Der Skandal ist perfekt, als Schultze auf der nächsten Veranstaltung des Musikvereins anstatt der üblichen Polka die „Negermusik“ spielt. Die Menschen aus Sachsen-Anhalt sind allerdings auch praktisch veranlagt. Da dem Musikverein eine Einladung eines amerikanischen Heimatvereins vorliegt, schicken sie Schultze dahin, wo seine „Negermusik“ herkommt. Schultze wehrt sich zu Anfang, macht sich dann aber doch auf die Reise in den amerikanischen Süden.



Mit seinem Leinwand-Debüt ist Michael Schorr eine Überraschung beim Filmfestival in Venedig gelungen und er erhielt dort den Contro-Corrente-Regiepreis 2003. Der Film lebt von der Präsenz seiner Hauptfigur, die von Horst Krause wunderbar verkörpert wird. Verkörpert, auch im Sinne der stattlichen Figur des Schauspielers. Krause trägt mit seinem zurückgenommenen Spiel nicht nur die Rolle, sondern auch den weitgehend den Film. Er macht das Deutschsein mit Heimattümelei, Bierbauch und Gartenzwergen irgendwie sympathisch und rührt durch seine behäbige Lebenslust. Michael Schorr stellt mit „Schultze Gets the Blues“ einen eigenwilligen, subtilen und stellenweise sehr witzigen Film vor, der einen genauen, kritischen und sehr liebevollen Blick auf die Menschen in einem sachsen-anhaltinischen Ort wirft. Mit anderen deutschen Filmen, wie „Good-bye, Lenin“ will der Vergleich nicht ganz gelingen. In der Skurrilität seiner Figuren erinnert er eher an die Arbeitsweise des finnischen Regisseurs Ari Kaurismäki. Mehr soll an dieser Stelle aber wirklich nicht verraten werden.

h.f. - red / 29. April 2004





 

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