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Rezension


Filmstart: 5. August 2010

„Me Too – wer will schon normal sein?“ ("Yo, también“, Spanien 2009)

Drehbuch und Regie: Álvaro Pastor und Antonio Naharro


(C) Movienet Film

Pablo Pineda spielt Daniel, einen jungen Mann mit Down-Syndrom, der es trotz seiner geistigen Behinderung und körperlichen Einschränkung geschafft hat, ein Studium abzuschließen. Im Film besteht er gerade seinen ersten Arbeitstag bei einer staatlichen Institution für die Belange behinderter Menschen. Im Leben ist Pineda selbst mit dem Down-Syndrom zur Welt gekommen und hat es als erster Europäer geschafft, damit ein Hochschulstudium zu absolvieren. Die Rolle brachte ihm eine Nominierung für den spanischen Oscar GOYA ein und den Preis als Bester Schauspieler bei Filmfestival in San Sebastian.

Das Down-Syndrom gehört zu einer der häufigsten Erkrankungen bei Neugeborenen. Jedes 700. bis 800. Kind leidet an dieser Trisomie 21, bei der das 21. Chromosom nicht nur zweimal, sondern gleich dreimal auftaucht. Frühe und gezielte Förderung ist wichtig. Heute gehen viele dieser Kinder auf „normale“ Schulen.

Im Film wurde Daniel von seiner Mutter Maria (Isabel García Lorca) sehr stark gefördert, sie hat ihr eigenes Leben ganz auf die Unterstützung ihres Sohnes eingestellt. Er hatte idealtypische Voraussetzungen für seine geistige Entwicklung.


Mehr als nur Arbeitskollegen: Daniel (Pablo Pineda) und Laura (Lola Duenas) - (C) Movienet Film


„Yo, también“ oder der deutsche Verleihtitel „Me Too“ zielt darauf ab, dass auch Daniel als Behinderter am „normalen“ Leben teilhaben will. (Leider ist der deutsche Titel „wer will schon normal sein?“ irreführend). Das geht soweit, dass er einer anspruchsvollen Berufstätigkeit nachgeht und eine nicht-behinderte Freundin haben will. Im Büro lernt er die flippige Laura (Lola Duenas) kennen und verliebt sich in sie. Laura erwidert seine Sympathie und freundet sich mit Daniel an. Sie machen auch außerhalb der Arbeit gemeinsame Unternehmungen. Doch Daniel will mehr. Er sehnt sich nach Freundschaft, Liebe und einer sexuellen Beziehung. Ein Versuch, Laura zu küssen, endet in Zurückweisung und Daniels Rückzug, der sehr darunter leidet.

Im Büro wird der Freundschaft zwischen Daniel und Laura mit Misstrauen begegnet und Daniels Familie setzt sich mit dem Thema besorgt auseinander. Laura ist zudem eine Frau von zweifelhaftem Ruf. Sie geht nachts in Discos und gabelt gelegentlich einen Mann für einen One-Night-Stand auf. Lola Duenas stellt ihre psychische Labilität und seelischen Konflikte auf sehr intensive Weise dar. Duenas war zuletzt in dem Film „Zerrissene Umarmungen“ des spanischen Kultregisseurs Pedro Almodovar zu sehen, mit dem sie schon häufiger gearbeitet hat.

Laura hat angeblich keine Familie, doch als ihr Vater im Sterben liegt, soll sie zu ihm kommen. Laura hat aber mit ihrer Familie abgeschlossen, insbesondere mit ihrem Vater, weil es da in Vergangenheit...

Daniel und Laura sind ein Gegensatzpaar. Daniel wuchs bei seinen Eltern und mit seinem Bruder in einem harmonischen Umfeld auf. Lauras Familie dagegen ist völlig disharmonisch. Daniel ist geistig behindert, emotional gesehen aber überaus empathiefähig. Laura ist aufgrund der Vorkommnisse in ihrer Kindheit psychisch gestört. Die Regisseure von „Me Too“, der ihr erster abendfüllender Kinofilm ist, spielen bewusst mit diesen Variationen von „Normalität“.


Zarte Bande: Daniel (Pablo Pineda) und Laura (Lola Duenas) - (C) Movienet Film


Es gibt noch eine zweite Liebesgeschichte, die zwischen Luisa (Lourdes Naharro) und Pedro (Daniel Parejo). Beide leiden am Down-Syndrom. Sie verbringen ihre Freizeit mit Tanzen. In der Tanzschule für Menschen mit der Trisomie 21 können sie das Ausdrücken, was den meisten geistig und verbal nicht möglich. Was die Emotionen und deren Ausdruck angeht, sind die Menschen mit dem Down-Syndrom uneingeschränkt dazu fähig, vielleicht mehr als „normale“ Menschen, denen Emotionalität zum Teil abtrainiert wird, weil sie oft nicht zum Alltag in Schule und Beruf passt. Pedro und Luisa (Lourdes Naharro ist die Schwester des Regisseurs Antonio Naharro) reißen aus und kämpfen um ihre Liebe. Luisa will sich dabei vom Gängelband ihrer Mutter lösen, von der sie zu sehr behütet und eingeschränkt fühlt.

Ganz anders ergeht es Daniel. In einer Aussprache mit seiner Mutter kommt er zu dem Schluss, dass sie sich mit der Behinderung des Sohnes eigentlich nie abgefunden hat. Irgendwie hat sie sie immer als ihr Versagen begriffen. Daniel kann zwar differenzieren und würdigen, dass seine Mutter seine Schulbesuche und sein Studium durch ihren unermüdlichen Einsatz möglich gemacht hat, aber genau genommen hat sie die Behinderung des Sohnes ignoriert. „Konntest Du mich nicht einfach so lieben, wie ich war?“ will er von ihr wissen. Am Ende des Gesprächs liegen sich die beiden in Armen.


Daniel (Pablo Pineda) im Kreise seiner Familie - (C) Movienet Film

„Me Too“ ist eine Liebeserklärung an Menschen mit dem Down-Syndrom. Der Ko-Produzent Julio Medem, dessen Tochter Alicia auch an der Trisomie 21 erkrankt ist, erklärt das so: „Menschen mit Down-Syndrom haben einen wundervollen, vielschichtigen Kern und an der Oberfläche sind sie die ehrlichsten und extrovertiertesten Menschen der Welt. Sie haben einen typischen, sehr zärtlichen Humor. Dieser Film lässt sie genau so sein wie sie sind, und er behandelt sie mit großem Respekt.“


Helga Fitzner - red. / 5. August 2010
ID 00000004747

Weitere Infos siehe auch: http://www.movienetfilm.de/metoo/index.php


Post an die Autorin: fitzner@kultura-extra.de



 

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