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Doppel-Rezension

Penetrantes

Wohlfühlkino



Bewertung für beide Filme:    



Wer das heillos fröhliche Musical Mamma Mia mochte, in der die Figuren frei nach dem Motto „Sing-Abba-Songs-und-Du-fühlst-Dich-wohl“ agierten, der wird sicherlich auch an der überdrehten, englischen Popkomödie Walking on Sunshine Gefallen finden. Auch hier wird geliebt und gekummert, sich getrennt und versöhnt, dass sich die Balken der Sommerhäuser in der Provence nur so biegen. Ach halt, wir sind ja in Italien! also: dass sich die Balken der toskanischen Sommerhäuser nur so biegen.

Mangelnden Mut zu verkitschten Klischees kann man dem Regiepaar Dania Pasquini und Max Giwa nicht unterstellen. Beherzt wird allen an Land bzw. vor die Kamera gezogen, was ohne Reue gute Laune verbreitet: Süße Frauen, knackige Kerle, Lust und Liebe, braune Pos und Titten, sonnendurchflutete Altstädte und Poolbäder, Hochzeiten, Blumenschmuck, Tomatenschlachten und Torten. Um es deftig auszudrücken, der Film ist so gestaltet wie die beste Freundin der Hauptdarstellerin: Fett, fidel und schrill.

Das klingt gemeiner als es ist, denn in der Tat sitzen nicht nur die Sommerklamotten in diesem Film, sondern auch die meisten Pointen. Und jede Menge 80er-Jahre-Hits gibt's obendrauf. Dass man manche davon gottseidank lange nicht gehört hat, muss man ohrenkneifend in Kauf nehmen. Die Handlung? Die junge, nette Engländerin Taylor (nur hautmäßig blass: Hannah Arterton) reist trotz zwiespältiger Erinnerungen an Italien wieder ins Land der Pommeronen und Zitranzen, wo sie vor Jahren eine Urlaubsaffäre hatte, die ihr das Herz brach. Doch die Schwester Maddie (schön biestig: Annabel Scholey) hat angekündigt, sich mit einem der Einheimischen zu vermählen, also darf Maddie nicht fehlen. Was wir geahnt haben, erfüllt sich prompt: Der Ex von Taylor soll Maddies Bräutigam werden, der Vorzeigebeau Raf (Giulio Berruti). Schockschwerenot! Um die eigene Schwester nicht zu kränken, spielen Taylor und der kernige Raf der zukünftigen Braut vor, sie sähen sich das erste Mal. Und die anderen Freunde und Freundinnen spielen mit, was die ganze Sache natürlich umso fragiler werden lässt. Dann taucht auch noch der schmierige, aber herzensgute Exfreund von Maddie auf, der sie nach wie vor liebt und ihr heftige Avancen macht (eine schleimige Paradeleistung von Greg Wise). Auch hier trübt die Ahnung nicht, dass sich schon deshalb die Herzensdinge einigermaßen fügen.

Alles in allem ist Walking on Sunshine gehobenes Boulevardtheater (Drehbuch: Joshua St Johnston) mit einem spielfreudigen Cast, strahlender Sonne und schmissiger Popmusik der 80er Jahre, was zusammen kurzweilig und ohne Tiefgang unterhält. Ein Manko liegt in den äußeren Umständen: Auch wenn wir in großen Teilen Deutschlands (sorry, Bayern!) einen prächtigen Spätsommer erleben durften, wird diese Komödie dennoch einen Tick zu spät gestartet. Denn die durch den Film geweckte Lust, draußen noch eine heiße Sohle aufs Trottoir zu legen oder eine heiße Nummer zu schieben, lässt sich in Shorts und T-Shirt kaum mehr realisieren.



Walking on Sunshine - | (C) Universum Film


* *

Die autobiografisch angehaucht wirkende Familienkomödie Sieben verdammt lange Tage von Regisseur Shawn Levy bietet wesentlich Stoff zum Reflektieren an, wird von mir aber geringer bewertet. Denn die Geschichte von drei sehr unterschiedlichen Brüder und einer Schwester, die laut Testament ihres verstorbenen Vaters dazu gezwungen sind, eine Woche lang unter dem Dach ihres Elternhauses zu verbringen, ist zwar nett ausgedacht. Aber alles, was in diesem Film an frechem und originellem Witz aufblitzt – wenn sich die Geschwister fetzen oder mit der sexy Mama (Jane Fonda, die es sichtlich genießt, dass das Drehbuch ihr erlaubt, ihre aufgepeppten Brüste ins Bild zu setzen) Wortgefechte führen – wird in nachfolgenden Szenen immer wieder gnadenlos von einer Welle an Wohlfühl- und Erbauungsstimmung zugeschüttet. Erzählt werden die oft sehr konstruiert wirkenden Streitigkeiten und Dramen (Drehbuch: Jonathan Tropper) hauptsächlich aus der Sicht von Judd (durchaus witzig: Jason Bateman), der gerade Job und Ehefrau verloren hat (hachgottchen) und entsprechend Mühe hat, seinen Geschwistern (Tina Fey, Adam Driver, Corey Stoll) und den Trauergästen gegenüber noch genügend Aufmerksamkeit zu zollen.

Jeder der Geschwister hat sein Päckchen zu tragen, aber siehe da: es ist bei allen eine vermurkste Beziehung! Was also ist da schiefgelaufen, müsste allesamt die Mama fragen. Doch gerade dieser Konflikt wird nicht ausgetragen. Stattdessen wirken die Botschaften des Films aller zynischen Witze zum Trotz, als habe man päpstliche Bulletins oder Elternwünsche aus den Poesiealben ihrer pubertierenden Brut zitiert. „Du musst Dich erst selber finden, um glücklich zu sein“ oder „Die Familie gibt auch in schweren Zeiten Halt und Kraft“ oder „Wir sollten nichts gegen Lesben oder Arme haben, wenn wir uns selbst heimlich bekiffen oder auf Seitensprünge aus sind.“ Es sind diese peinlich biederen, klebrigen Toleranzbotschaften saturierter, auf die Heiligkeit des eigenen Heims beschränkter Mittelstandsbürger aus US-Vorstädten, die den Film teilweise so unerträglich machen. Kein Wunder, dass aus diesem Schoß immer wieder grausige Massaker entspringen, könnte man zynisch schlussfolgern. Das liegt mir natürlich wie alle Kurzschlüsse fern! Aber wie sonst erklärt sich mein Impuls, die ganze verkorkste, ständig jammernde, sich selbst und die ihrigen bemitleidende Familienbrut dieses Films mit einem funkensprühenden Gewaltakt zu lehren, dass es auch noch andere Probleme gibt als die Frage, wer mit wen schläft? Auch die Schauspielkunst von Bateman kann nicht vermeiden, dass Sieben verdammt lange Tage trotz manch frecher Pointe wie ein verdammt bieder-konventioneller Propagandafilm der US-Immobilienbranche wirkt.



Sieben verdammt lange Tage | (C) Warner Bros. Deutschland


Max-Peter Heyne - 26. September 2014
ID 8123

Post an Max-Peter Heyne



 

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