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Filmkritik | Interview

Filmstart: 14. November 2013

Zaytoun (F/GB/IL 2013)

Aus einem Interview mit dem israelischen Regisseur Eran Riklis, der wieder einmal den Nahostkonflikt thematisiert




Charmanter Schmuggler von ernsten Botschaften


Mit dem tragikomischen Drama Die syrische Braut wurde der Drehbuchautor und Regisseur Eran Riklis vor genau zehn Jahren weltberühmt, nachdem er in seinem Heimatland Israel in den neunziger Jahren bereits mehrere sehr erfolgreiche Kinofilme und Fernsehserien inszeniert hatte. Mit dem subtilen Drama Lemon Tree, in welchem er an einem Beispiel illustrierte, welche absurden Auswüchse der Konflikt zwischen Israelis und Palästinensern auf das Alltagsleben von Betroffenen hat, empfahl sich Riklis 2007 endgültig als einer der derzeit interessantesten Regisseure weltweit. Die schwarze Komödie Die Reise des Personalmanagers (2009) wie auch Playoff (2010) drehte Riklis überwiegend in Europa. Letzterer geriet trotz seines interessanten Themas – erzählt wird die wahre Geschichte eines Holocaust-Überlebenden, der in den sechziger Jahren nach Deutschland zurückkehrte, um die deutsche Basketball-Nationalmannschaft zu betreuen – künstlerisch uninspiriert und wurde ein relativer Misserfolg.




Abdallah El Akal und Stephen Dorff (re.) in Zaytoun | Foto © Eran Riklis / Pathé Distribution


Mit dem anrührenden Drama Zaytoun kehrt Riklis nun zu seinen thematischen Wurzeln zurück: Wieder ist der scheinbar unentwirrbare Nahostkonflikt Hintergrund für eine anrührende, wenn auch leicht vorhersehbare Geschichte, in der aus Todfeinden schließlich Freunde fürs Leben werden. Erzählt wird die fiktive Geschichte eines während des libanesischen Bürgerkrieges 1982 über Beirut abgeschossenen, israelischen Kampfpiloten, der von palästinensischen Paramilitärs als Geisel genommen wird. Doch bevor die Geiselnehmer noch ihre Bedingungen für seine Freilassung an die israelische Regierung übermitteln können, gelingt dem Piloten Yoni (Stephen Dorff, bekannt u.a. aus Sophia Coppolas Somewhere, 2010) die Flucht – ausgerechnet durch die Hilfe eines seiner minderjährigen Aufpasser, den 12-jährigen Fahed. Der hasst zwar alle Israelis, weil er kurz zuvor durch israelische Luftangriffe seinen Vater verloren hat, aber Fahed will den Soldaten Yoni dazu benutzen, aus dem Libanon zurück in die palästinensische Heimatregion zu fliehen. Yoni überrumpelt den Möchtegern-Rebellen und will zunächst alleine per Taxi Richtung libanesisch-israelische Grenze. Doch dann erkennt er, dass er ganz alleine vielleicht noch größerer Gefahr ausgesetzt ist als wenn er einen arabischen Jungen dabei hat.

Den weiteren Verlauf kann man sich denken: Die beiden ungleichen Flüchtlinge, die gelernt haben, die jeweils andere Seite zu hassen, entwickeln bei ihrem abenteuerlichen Trip Verständnis und schließlich sogar Sympathie füreinander. Immerhin gelingt es Eran Riklis durch zunehmend dramatischere Episoden immer wieder Spannung zu schüren und neue Facetten über die Protagonisten zu enthüllen, die das Interesse an der Handlung wachhalten. Überraschend undramatisch, dafür aber sehr emotional, ist dann noch einmal der Schluss, der Fahed in eine eher ungewisse Zukunft entlässt. Der junge Abdallah El Akal erweist sich dabei als großer Sympathieträger.




Regisseur Eran Riklis | Foto © Eran Riklis / Pathé Distribution


Trotz seiner humanistischen Botschaft wird auch Zaytoun (arabisch: Olive) den arabischen Kinozuschauern in der Nahostregion offiziell wahrscheinlich kaum zugänglich werden, denn, „es gibt ja nur ein Kino in Ramallah“, und auch, wenn er von palästinensischen Helden erzähle, sei er „ein israelischer Regisseur“, so Riklis, was zumeist Boykott bedeute. Riklis weiß aber von Berichten, dass von seinen anderen Filmen viele illegale DVDs in Palästina im Umlauf waren. Der charmant-kumpelhafte Riklis nennt Billy Wilder als eines seiner Vorbilder: „Er hat es wunderbar verstanden, ernste Botschaften in seine komödiantischen Filme zu schmuggeln“, wonach auch Riklis strebt, um den komplizierten Nahostkonflikt auf einer für verschiedene Zuschauer „möglichst nachvollziehbaren, emotionalen Ebene“ darzustellen. Das werde kurioserweise von der israelischen Rechten eher honoriert als von dem ihn nahe stehenden Linken, sagt Riklis. „Denen bin ich zu sehr „Mainstream-Regisseur und zu wenig politischer Filmemacher“, sagt er schmunzelnd.

In seiner langen Zeit als Regisseur von Werbefilmen lernte Riklis viel über visuelle Gestaltung: „Ich habe für alle möglichen israelischen Produkte Clips gedreht“, sagt Riklis, „vom Joghurt bis zur Bank“. An die Arbeit für ein Shampoo in 1988 erinnert sich Riklis besonders gern, denn er konnte mit der damaligen israelischen Schönheitskönigin zusammenarbeiten, „die wirklich umwerfend schön war“. Das Team habe gehofft, das die junge Dame „abends wenigstens mal zum Trinken an die Hotelbar mitkommt“, so Riklis. Sie sei aber immer schon sehr zeitig allein auf ihr Zimmer gegangen – „zum Schönheitsschlaf“, lacht Riklis.




Stephen Dorff und Abdallah El Akal (re.) in Zaytoun | Foto © Eran Riklis / Pathé Distribution



Bewertung:    


Max-Peter Heyne - 18. November 2013 (2)
ID 7379
Zum Filmstart läuft ein Gewinnspiel des SENATOR-Filmverleihs, bei dem Olivenbäume gewonnen werden können; siehe u.g. URL

Weitere Infos siehe auch: http://www.zaytoun.senator.de/#gewinnspiel


Post an Max-Peter Heyne



 

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