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Filmkritik

In die Enge

getrieben



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Der britische Regisseur Steve McQueen hat nur vier abendfüllende Spielfilme innerhalb von zehn Jahren gedreht und es trotzdem in den Olymp der internationalen Spitzenregisseure geschafft; oder vielleicht gerade deshalb, denn jedes seiner Projekte ist ausgereift. Hunger (2008) gehört mit 45 Preisen zu den am häufigsten ausgezeichneten Debütfilmen, spätestens mit Shame (2011) wusste man, dass das kein Zufallserfolg war, und 2013 räumte er mit 12 Years a Slave 145 Preise ab und wurde mit 315 Nominierungen gewürdigt.

Fünf Jahre hat sein nächster Wurf gedauert, und nun kommt Tödliche Witwen in die Kinos, mit dem er für das Genre des Gangsterfilms neue Maßstäbe setzt. Das Drehbuch basiert auf der gleichnamigen Fernsehserie des britischen Senders ITV von 1983, die McQueen als Kind faszinierend fand, weil es ganz normale Frauen waren, die einen sehr schwierigen Raubüberfall wagten. Zusammen mit der in Chicago lebenden Autorin Gillian Flynn (Gone Girl, 2014) verlegte er die Handlung in die „Gangsterstadt“ Chicago, wo zwei konkurrierende Kandidaten für ein politisches Amt miteinander um Macht ringen.

Veronica (Viola Davis) wähnt sich glücklich mit ihrem langjährigen Ehemann Henry (Liam Neeson), obwohl der ein Krimineller ist, doch sie lebt sorglos im Luxus, und die beiden lieben einander. Aber eines Tages kommen er und drei seiner Kumpels bei einer kriminellen Machenschaft ums Leben, und sie muss feststellen, dass sie vor dem Aus steht. Ihr gehört praktisch gar nichts - und schlimmer noch, bei der Explosion, die ihren Mann tötete, sind auch zwei Millionen Dollar verbrannt. Die muss sie nun besorgen, wenn sie weiter leben will. Henry hat ihr aber Aufzeichnungen hinterlassen mit den Planungen für einen sehr großen Fischzug. Mit dem Geld könnte sich Viola nicht nur von Henrys Schulden befreien, sondern ihre eigene Existenz sichern. Sie braucht also drei Komplizen und kontaktiert die Witwen der anderen Getöteten. Ihre sozialen und ethnischen Hintergründe sind völlig unterschiedlich, aber sie eint ein gravierender Geldmangel. Während Alice (Elizabeth Debicki) der aus der Not geborenen Prostitution entkommen könnte, wollen Belle (Cynthia Erivo) und Linda (Michelle Rodriguez) ihre Familien durchbringen. Anders als ihre Männer steht bei ihnen weder Luxus noch Prestige auf der Agenda, sie wollen einfach überleben, und anders als ihre Männer sind sie keine professionellen Kriminellen.



Die Frauen planen einen gewagten Raubzug. Alice (Elizabeth Debicki), Belle (Cynthia Erivo), Veronica (Viola Davis) und Linda (Michelle Rodriguez) | © 2018 Twentieth Century Fox


Die Hauptrolle wird von einer Afroamerikanerin gespielt, dazu noch einer Frau um die 50, die nicht nur Bett-, sondern auch Actionszenen zu absolvieren hat. Da war sich Viola Davis am Anfang unsicher, aber die Chemie zwischen ihr und Liam Neeson stimmt, und der ist mit 66 Jahren noch ganz selbstverständlich als Actionheld unterwegs, auch im ehelichen Schlafgemach.

McQueen schildert in all seinen Spielfilmen Menschen, die sich in einer Extremsituation befinden. Das schafft er auch hier glänzend, obwohl er den Thriller-Elementen Rechnung tragen muss. Alle Charaktere, insbesondere die Frauen, haben eine ausgefeilte und unterschiedliche Charakterzeichnung. Das gilt auch für die Männerrollen, Robert Duvall und Colin Farrell als Politiker, Brian Tyree Henry als Krimineller Jamal, der in die Politik einsteigen will, und Daniel Kaluuya als seine rechte Hand. Durch die politischen Hintergründe wird der Film noch ein bisschen mit Sozial- und Gesellschaftskritik gewürzt. McQueen legte auch insgesamt Wert auf Realität. Er verzichtet weitgehend auf Special Effects, alle Stunts und Actionszenen sind relativ realitätsnah.

Die Frauen geraten immer mehr in den Sog von Gewalt und Gegengewalt, weshalb die Altersfreigabe auch erst bei 16 Jahren liegt. McQueen lässt auch in seinem neuesten Werk seine ProtagonistInnen wieder an fast unerträgliche Grenzen gehen. Mehr wird an dieser Stelle nicht verraten, außer dass so gut wie alles stimmt. Dazu die Filmmusik von Hans Zimmer, die Kameraführung von Sean Bobbitt und der Schnitt von Joe Walker, die alle schon bei 12 Years a Slave mitgearbeitet haben.
Helga Fitzner - 6. Dezember 2018
ID 11089
Weitere Infos siehe auch: http://www.fox.de/widows


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