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Filmkritik

Berührend und packend zugleich - das intensive Bürgerkriegsdrama My Beautiful Country





Brücken der Menschlichkeit

Noch ein Film, der über den Wahnsinn des Krieges erzählt und zur Mitmenschlichkeit und Toleranz aufruft? Ja, es stimmt schon, dass dies beileibe kein neues Thema und keine neue Botschaft ist. Aber My Beautiful Country sticht aus der großen Zahl von Antikriegsfilmen doch deutlich heraus. Einerseits weil er sein Anliegen unmissverständlich, aber nicht sehr gewalthaltig und aufdringlich vermittelt. Und vor allem, weil er in jeder Hinsicht sehr gelungen ist: originell, spannend und emotional erzählt, optisch sorgfältig gestaltet und von herausragenden Schauspielern interpretiert. Insofern kann sich der Debütlangfilm von Michaela Kezele – in Deutschland geborene Tochter eines Serben und einer Kroatin – mit dem BERLINALE-Gewinner von 2006, Esmas Geheimnis – Grbavica (Regie: Jasmila Zbanic) und In the Land of Blood and Honey (BERLINALE-Special 2011, Regie: Angelina Jolie) messen lassen, die den jugoslawischen Bürgerkrieg ebenfalls explizit aus femininer Perspektive geschildert hatten. Allein: Die Zeiten für anspruchsvolle Arthaus-Filme sind nicht leichter geworden, und offenkundig fehlt es wieder einmal am nötigen Kleingeld für eine unübersehbare und nachhaltige PR. Selbst der vor geraumer Zeit angekündigte Titel Die Brücke am Ibar ist unter den Tisch gefallen.




My Beautiful Country - Foto (C) Movienet Verleih



Dass die meisten deutschen bzw. deutsch-koproduzierten Qualitätskinofilme nach erfolgreicher Produktionsphase zu sehr in einem Schattendasein belassen werden, ist ein von den Förderinstitutionen noch immer nicht entschieden genug angegangenes Dauerproblem, das aber an dieser Stelle nicht vertieft werden kann. Sprechen wir lieber über die Besonderheiten dieser Romeo-und-Julia-Variante, die die Absurdität des Balkanbürgerkrieges am Schicksal eines Paares illustriert und aus der Perspektive zweier Kindern schildert. Es ist 1999; die schlimmste Phase des Bürgerkrieges im Kosovo ist vorüber, aber der Hass zwischen Serben und Albanern gärt weiter. Das Brüderpaar Danilo und Vlado lebt mit ihrer jungen, verwitweten Mutter Danica in einem kleinen, überwiegend serbisch bewohnten Dorf im Kosovo, in dem Armut und Misstrauen dominieren.

Eines Tages schleppt sich der von serbischen Söldnern verletzte Ramiz, der zur albanischen "Befreiungsarmee" UCK zählte, in das Haus der Familie. Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Fremden bei Danica und ihren Söhnen weicht bald Sympathie und Zuneigung, denn Ramiz ist das Gegenteil eines fanatischen und gewaltbereiten Kämpfers, sondern hilfsbereit und verständnisvoll – so wie die desillusionierte Danica, die sich inmitten dem Hass, der Armut und dem Elend, den der Bürgerkrieg angerichtet hat, nach Wärme und Nähe sehnt. Die sich anbahnende Liebesbeziehung zwischen dem Albaner und der Serbin könnte allen das Leben kosten, deshalb muss Danica nicht nur Ramiz und ihre Gefühle verstecken, sondern den umherstreunenden Söhnen auch einbläuen, keinesfalls etwas über den heimlichen Gast im Hause auszuplappern und Denunziationen heraufzubeschwören.




My Beautiful Country - Foto (C) Movienet Verleih



Die nahegelegene Brücke über den Fluss Ibar, die das Gebiet in eine serbische und eine albanische Seite teilt, wird zum symbolischen Fluchtpunkt der Gutwilligen, die sich mit den destruktiven Grenzen zwischen den Ethnien nicht abfinden wollen. Die Hoffnung auf Verständigung innerhalb des Kosovo bleibt jedoch eine äußerst schwache. Die Regisseurin erlaubt ihren Figuren keine Erlösung durch die Liebesgeschichte, aber so zart und intensiv, wie diese erzählt ist, scheint es am Ende doch so, als glimme ein Fünkchen Empathie inmitten der Ruinen, die gedankenlose Barbarei angerichtet haben. Ausgezeichnet u.a. mit dem Bernhard-Wicki-Friedenspreis 2012 (Münchener Filmfest) und dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Nachwuchsregie 2013.




My Beautiful Country - Foto (C) Movienet Verleih



Bewertung:    


Max-Peter Heyne - 13. Dezember 2013
ID 7461

Post an Max-Peter Heyne



 

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