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Männer im Abstiegskampf (I)

Hochbegabter, aber erfolgloser Künstler, im besten Mannesalter, sucht Mäzen zum Überleben, Kennwort: Inside Llewyn Davis





Surviavaltraining für Fortgeschrittene

Die Gebrüder Ethan & Joel Coen hatten schon immer eine Vorliebe für schwarzen Humor und grimmige Pointen, die sich aus der Ungerechtigkeit des Lebens und der Unzulänglichkeit der Menschen, damit konstruktiv umzugehen, ergeben. In ihrem neuen Film Inside Llewyn Davis besteht diese zutiefst humane Komik allerdings weniger aus komisch-absurden als vielmehr aus melancholischen Tönen und wirkt daher auch weniger befreiend wie etwa in ihren Filmen Fargo, Ladykillers oder True Grit, sondern erinnert damit vor allem an A Serious Man von 2009, in der sie ihren Helden eine wahre Hiobs-Geschichte erleben ließen. Llewyn Davis ist von diesem Schicksal eines Dauergeplagten nicht weit entfernt bzw. als die Handlung beginnt, steckt er schon tief im Schlamassel.




Oscar Isaac als Titelheld in Inside Llewyn Davis - Foto (C) Studio Canal



New York im Winter 1961: Davis ist Komponist und Sänger von Folksongs, die auf der Tradition von Einwandererliedern basieren, aber zu wenige Käufer finden, sodass sich Davis mit Gelegenheitsauftritten durchschlagen muss. Er wohnt überwiegend in fremden Wohnungen und muss sogar seine Ex, die aufgrund seiner chaotischen Lebensweise und seinem Hang zu Affären wenig von ihm hält, um Almosen bitten. Die Coens zeigen mit Davis eine typische Künstlernatur: viel Talent, aber auch viele Allüren, gesellschaftlich unangepasst, aber abhängig von Anderen, zerstreut und unsortiert, und was das Schlimmste ist: Er hat einfach kein Glück. Im Grunde besteht der ganze Film aus verschiedenen Bemühungen Llewyn Davis‘, sich als selbstschaffender Songwriter eine Perspektive zu erarbeiten, die samt und sonders fehlschlagen. Wie die Coens diesen an sich deprimierenden Umstand in unterhaltsame, komödiantische Episoden kleiden – das ist eine mindestens so große Kunst wie die, an der Lewyn Davis so schwer trägt.




Inside Llewyn Davis - Foto (C) Studio Canal


Denn die Story ist keineswegs so tragisch und düster erzählt, dass Davis als der ewige Außenseiter erscheint, der gar keine andere Chance hat, dem Misserfolg zu entkommen. Nein, es gibt Unterstützer und Freunde, die an ihn glauben (ihn zu Auftritten oder sogar daheim zum Essen und Übernachten einladen), doch entweder laufen diese Hilfsangebote ins Leere oder Llewyn Davis sorgt mit seiner launischen Art für schlechte Stimmung. Die Autofahrt in einer skurrilen Fahrgemeinschaft (darunter John Goodman als völlig abgehalfterter Branchenmäzen) nach Chicago zu einem Musikproduzenten, der Davis empfohlen wurde, soll das Blatt wenden. Aber gerade hier muss Davis seine deprimierendste Erfahrung machen. Die Szene mit einem weiteren bemerkenswerten Gastauftritt (dem von F. Murray Abraham, der nach seinem Schauspiel-Oscar für die Rolle des Mozart-Gegenspielers Salieri in Amadeus 1984 nie wieder in die Topliga Hollywoods aufsteigen konnte) ist ein bitterböser Seitenhieb der Coens auf die US-amerikanische Art der Kommerzialisierung von authentischer, individueller Kreativität (um das Reizwort Kunst zu vermeiden).

Die gespenstische Chicago-Reise durch nächtliche Schneestürme bietet Davis keine Erlösung von all seinen finanziellen und persönlichen Problemen und ist das inszenatorische Herzstück des Films. Davis kehrt nicht wie Odysseus als strahlender Sieger heim, sondern muss die letzten Reserven an Geld und Mühe wieder in wenig aussichtsreiche Trippelschritte investieren. Dass die Reise des (Anti-)Helden bei den Coens ein hoffnungsloses Unterfangen bleibt, ist nicht die einzige bittere Pointe des Films: Am Schluss wird in dem Club, in dem Davis mit seinem melancholischen Folk weniger Zuhörer mobilisieren kann als Sängergruppen, die helltönend schmalzige Liebeslieder intonieren, ein neuer Songwriter angekündigt. Der bedient dasselbe Repertoire wie Llewyn Davis, singt aber hörbar schlechter, nämlich so nölig und verschroben, dass er keine Konkurrenz sein kann bzw. der Misserfolg eigentlich vorprogrammiert ist: Bob Dylan.




Oscar Isaac, Justin Timberlake und Carey Mulligan in Inside Llewyn Davis - Foto (C) Studio Canal



Bewertung:    



Max-Peter Heyne - 4. Dezember 2013
ID 7426
Weitere Infos siehe auch: http://insidellewyndavis.de/


Männer im Abstiegskampf (II) | Houston

Post an Max-Peter Heyne



 

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