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Filmkritik

Ein Zwergenaufstand als prächtiges Spektakel mit alten Bekannten und neuen Monstern: Hobbit - Smaugs Einöde





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Ich muss gestehen, dass mir in diesem Film am besten die von Mutter Natur geformten, sinnlichen Lippen und die feine, spitze Nase der kanadischen Schauspielerin Evangeline Lilly [s. Foto unten, Anm.d.Red.] gefallen haben, die im zweiten Teil der Tolkienschen Hobbit-Saga die Elbenkriegerin Tauriel spielt. Doch auch der gesamte, digital entstandene Rest des Films hinterlässt Eindruck, denn der aus Neuseeland stammende Herr der Ringe- und Hobbit-Projektvater, Erfolgsregisseur Peter Jackson hat die Kapitel sieben bis dreizehn von J. R. R. Tolkiens Kinderbuches über den „kleinen Hobbit" (so der Titel der deutschen Ausgabe) dramaturgisch und visuell mächtig aufgepeppt. Zum einen durch rasante Action, wo im Text eigentlich wenig oder keine steht. Zum anderen durch eine attraktive Amazone, pardon: Elbe (Evangelina Lilly, bekannt aus der TV-Serie Lost), die mit dem attraktivsten und größten (!) aller Zwerge Liebe auf den ersten Blick erlebt. Ein für Mittelerde riskantes, rassenübergreifendes Tête-à-Tête bahnt sich da an, obwohl doch Elbenkrieger Legolas (Orlando Bloom) sich mit seiner vornehmen Blässe bei Tauriel in der Poleposition wähnt.




Evangeline Lilly in Hobbit - Foto (C) Warner Bros. Deutschland


Die Handlung von Smaugs Einöde setzt nahezu nahtlos dort ein, wo man die dreizehn Zwerge, ihren Weggefährten Bilbo Beutlin (Martin Freeman) und ihren Lebensretter, den Zauberer Gandalf (Ian McKellen), nach dem ersten Teil verlassen hatte. Die Zwerge – merkwürdig unbeliebt bei allen anderen Völkern von Mittelerde – sind auf dem beschwerlichen Weg zum ehemaligen Zwergenreich Esgaroth, in dessen Bergfestung Erebor sich unermessliche Reichtümer befinden – und der legendäre Drache Smaug. Der feuerspuckende Verwandte seines Vetters aus der Siegfried-Sage flößt Zwergen, Menschen und Elben mindestens so viel Angst ein wie die grausamen Orks, die es auf die Zwerge abgesehen haben und ihnen dicht auf den Fersen sind. Die erste große Herausforderung, vor der die Kleinwüchsigen auf ihrem weiteren Weg stehen, ist allerdings die Durchquerung eines Zauberwaldes, der von riesenhaften, gefräßigen Spinnen mit einem Faktor am Ende der Ekelskala bevölkert wird. Eltern, die ihren Kindern gerade beibringen wollen, dass Spinnen (in unseren Breiten) nützliche und harmlose Tiere sind, sind schon aus diesem didaktischen Grund definitiv im falschen Film.

Gandalf hat sich zwischendurch abgesetzt, um in entlegenen Bergfelsen den zwischenzeitlich ebenfalls verschollenen Zauber-Kollegen Radagast (Sylvester McCoy) zu treffen und überhaupt mal nachzuschauen, was neuerdings bei den Orks so vor sich geht, denn die aufgepeitschten und zu sonderbarer Macht gelangten Gewaltfetischisten bereiten Gandalf zu Recht Sorgen. Die Zwerge werden von den Elben gefangengenommen, deren effeminierter König Thranduil (Lee Pace) gerne so manchen Faustpfand hortet, und da kommt ihm der stets grimmig dreinschauende Zwergenerbprinz Thorin (Richard Armitage) gerade recht. Gottlob wurde Bilbo buchstäblich übersehen, der die Freunde aus ihren Verliesen lassen kann. Denn wir erinnern uns: Er ist im Besitz des Ringes, der unsichtbar macht und den er dem Gnom Gollum im ersten Hobbit-Film abgeluchst hat.

Die darauffolgende Verfolgungsjagd, bei der die Zwerge jeweils in Fässern hockend in einem reißenden Fluss voller Stromschnellen und Wasserfällen vor den Elben und dann den Orks flüchten, ist in Sachen Entertainment das Herzstück des Films: eine rasante Mischung aus Achter- und Wildwasserbahn, die jeden Heidepark rostig aussehen lässt, bei der die Fronten und Perspektiven ständig wechseln und zum Luftholen keine Zeit bleibt. Wieder bewährt sich, dass die Orks vor Kraft kaum laufen können, aber auch, dass sich Elben und Zwerge zusammen tun und wieselflink so manche Streitaxt, manchen Säbel und manchen Pfeil in grauem Orkfleisch versenken. Mithilfe des Dissidenten Bard (Luke Evans) gelangen die Zwerge schließlich zu ihrer letzten Station bei der Rückeroberung ihres Königreichs: in die pittoreske, aber wie Venedig vor sich faulende Seestadt (am See eben), die von einem populistischen Schlendrian und Trinker regiert wird, dem Stephen Fry schmierig-amüsantes Profil verleiht. Hier sammeln sich die Kräfte des Guten und des Bösen zur – vorläufigen – Entscheidungsschlacht.




Foto (C) Warner Bros. Deutschland



Am Ende dieses Teils der Trilogie kämpfen die wackeren Helden an verschiedenen Fronten mit überragenden Gegnern: Gandalf bekommt es ganz offenkundig mit seinem ehemaligen Lehrer zu tun, der ihn als schwarzer Nebel und Feuerball heimsucht. Die Elbenkrieger Tauriel und Legolas sind einer Gruppe von Orks in der Seestadt gefolgt, um deren Vordringen Richtung Esgaroth und zum Berg Erebor abzuwehren. Und die Zwerge um Exilprinz Thorin Eichenschild müssen sich zusammen mit Bilbo Beutlin gegen den feuerspeienden, riesenhaften Drachen Smaug wehren, der neben seiner Eitelkeit und Großmannssucht auch physisch eine verwundbare Stelle hat. Gerade dieses Getümmel gleicht dem eines Goliath gegen mehrere Davids (oder Hase gegen Igel), denn beim Versteckspielen sind die Kleinwüchsigen im Vorteil, können mit einer Vielzahl an Tricks und Finten operieren und dabei sogar die Goldproduktion ihrer Vorfahren wieder in Gang setzen. Pech nur, dass der rachsüchtige Smaug sich nicht so einfach wie weiland der Terminator oder das Alien per Flüssigmetall ins Monsterjenseits katapultieren lässt…

Fortsetzung folgt, die aller Voraussicht nach Der Hobbit: Hin und zurück heißen und im nächsten Spätherbst in die deutschen Kinos kommen wird. Gedreht wurde der dritte Teil der Hobbit-Trilogie bereits, sodass alle Schauplätze und –Spieler der vorangegangenen Teile wieder auftauchen werden. Die Puristen unter den Fans müssen dann wahrscheinlich eine romantische Lovestory zwischen Tauriel und Zwerg Kili hinnehmen, die sich in Smaugs Einöde bereits angekündigt hat, bei Tolkien aber nicht zu finden ist, zu dessen Lebzeiten (1892-1973) die Führungsetagenquote allerdings auch noch nicht angedacht war. Es bleibt der feministischen Filmanalyse überlassen, ob eine kämpferische Elbe als Identifikationsfigur funktioniert, die sich gleich in den erstbesten Zwerg verknallt.

Ein Hinweis zur Vorführtechnik: Dieser zweite Teil der Hobbit-Trilogie wird im üblichen 24-Bilder-pro-Sekunde-Verfahren projiziert und nicht (wie Teil 1) mit 48 Bildern pro Sekunde. Aus meiner Sicht ein Schritt zurück in die richtige Richtung, denn eine höhere Frequenz drohte beim ersten Hobbit die 3D-Effekte zu unterlaufen und den Sehgenuss einzuschränken.

Und für jeden, der Menschrechte als universales Gut ernst nimmt, ist dies keine Randbemerkung: Dass der großartige Sir Ian McKellen, der als Gandalf einen Gutteil dazu beiträgt, den ganzen Budenzauber glaubwürdig rüberzubringen, wegen der homophoben Gesetze in Russland seine Publicityreise dorthin absagen musste, ist schlichtweg eine Schande. Im Grunde kann dann die halbe Filmwelt ab sofort einen großen Bogen um Putins Einöde machen. Liebe Bundesregierung, liebe Sport- und Kreativverbände: Da helfen weder Zauber noch Zaudern, sondern nur klare Worte!




Foto (C) Warner Bros. Deutschland


Bewertung:    




Max-Peter Heyne - 11. Dezember 2013
ID 7451
Weitere Infos siehe auch: http://derhobbit-film.de/


Post an Max-Peter Heyne



 

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