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Neues deutsches Kino

In Luft aufgelöst



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Der Schauspielveteran Elmar Wepper ist v.a. durch das Fernsehen bekannt. Seinen Durchbruch als Kinostar hatte er erst 2008 in Kirschblüten – Hanami von Doris Dörrie, in dem er eine wirklich überragende Schauspielleistung lieferte. Danach ist es immer schwierig, an so einen Erfolg anzuschließen, aber das ist ihm jetzt wieder gelungen. Als Gärtner Schorsch wird er von dem Chef eines Golfplatzes in Bayern übers Ohr gehauen, der wegen des falschen Grüns des Rasens Schorschs Rechnung nicht bezahlt. Daraufhin geht Schorsch pleite, und sein geliebtes Flugzeug, der Doppeldecker Kiebitz, soll gepfändet werden. Bevor das geschehen kann, fliegt Schorsch einfach auf und davon und lässt seine Frau Monika (Monika Baumgartner) und seine erwachsene Tochter Miriam (Karolina Horster) mit dem ganzen Schlamassel allein zurück. Typisch Mann halt. Da Schorsch auf unbestimmte Zeit verschwunden ist, übernimmt seine Frau die Abwicklung der Gärtnerei und den Konkurs ganz allein. Grüner wird’s nicht, sagte der Gärtner und flog davon ist daher der treffende Titel des Films, dessen Drehbuch Gernot Gricksch nach der Romanvorlage des Kabarettisten Jockel Tschiersch entwickelt hat, zusammen mit dem Regisseur Florian Gallenberger (Colonia Dignidad, 2015).

Bei verschiedenen Bruchlandungen - ihm geht gelegentlich der Sprit aus - macht er seltsame Bekanntschaften. Zwischendurch arbeitet er als Gärtner bei dem Adeligen von Zeydlitz (Ulrich Tukur), bis er genug Geld für die Weiterreise hat. Derweil aber hat sich die psychisch auffällige Tochter des Schlossherrn an Schorsch herangeklettet und als blinder Passagier in sein Flugzeug geschlichen. Schorsch träumt davon das Nordkap zu sehen, Philomena (Emma Bading) teilt diesen Traum ganz naiv, aber die Reise endet bei einer Bruchlandung auf einem verfallenen Flughafen im Brandenburg. Dort lernen sie die Besitzerin Hannah (Dagmar Manzel) kennen, die den Flughafen nach der Wende für einen Euro gekauft hat, aber nicht genug Kapital hat, um etwas daraus zu machen. Endlich hat Schorsch jemanden, der seine Begeisterung fürs Fliegen teilt. Schorsch und Philomena leben sich sehr schnell ein, entdecken dort jeder für sich die Liebe, obwohl Schorsch schon weiß, dass er sich bei seiner Frau melden und zu Hause die Dinge in Ordnung bringen muss. Die Position von Frau und Tochter mit neuen Personen auszufüllen, wäre zu einfach. Hannah hat da klare Vorstellungen und will nicht wieder von einem Mann enttäuscht werden.



Nach einer beinahen Bruchlandung im Oderbruch lernt Schorsch (Elmar Wepper) die couragierte Hannah (Dagmar Manzel) kennen | © Majestic Film


Grüner wird’s nicht... zeigt, dass Deutschland über mehr als genug Schauspieltalente, Autoren, Regisseure, Landschaften, Themen, Eigenarten und Ideen verfügt, ohne Filme anderer Länder nachahmen zu müssen, wie das leider viel zu oft geschieht. Elmar Wepper, Monika Baumgartner, Emma Bading und Dagmar Manzel sind die Säulen des Films, der durchweg gut besetzt ist, inklusive Sunnyi Melles als durchgeknallte Schlossherrin. Das Drehbuch ist solide mit überzeugenden Situationen und Figuren. Am Schluss wird auch noch ein Familiengeheimnis aufgedeckt, das Schorschs Ehe zersetzt hat, weil nicht darüber gesprochen wurde. Die Sehnsucht nach Glück und Erfüllung jenseits des Alltagstrotts und der Zwänge ist allgemein menschlich. Der ausgesprochene Wohlfühlfilm ist mit leichter Hand aber trotzdem mit Tiefgang inszeniert mit vielen ungelebten Träumen, die nach Erfüllung streben. Der Traum vom Fliegen und vom Nordkap ist nur einer davon. Das Flugzeug und die wunderbaren Luftaufnahmen von verschiedenen deutschen Landschaften sind wunderschön.

*

Auf Elmar Weppers nächstes Kinoabenteuer brauchen wir nicht allzu lang zu warten. Im März 2019 bringt Doris Dörrie Kirschblüten und Dämonen heraus, der sich derzeit noch in Produktion befindet.
Helga Fitzner - 30. August 2018
ID 10877
Weitere Infos siehe auch: http://www.gruenerwirdsnicht-film.de/


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