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Hollywood

„Sie haben keine Vorstellung, was der Krieg mit einem Mann macht“



Bewertung:    



Mit Feinde - Hostiles hat Black Mass-Regisseur Scott Cooper einen ungewöhnlichen und abgründigen Western geschaffen, der auch als Parabel für die physischen und psychischen Belastungen von Soldaten Allgemeingültigkeit hat.

Die Kämpfe zwischen den amerikanischen Ureinwohnern und den weißen Siedlern haben einen wesentlichen Teil des Lebens von Captain Joe Blocker (Christian Bale) ausgemacht. Der hochdekorierte Offizier hat über ein Jahrzehnt das erfüllt, was er für seine Pflicht hielt, und steht nun kurz vor dem Ruhestand. Im Jahr 1892 will die US-Regierung ein politisches Zeichen der Versöhnung setzen und den seit sieben Jahren inhaftierten Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) in sein Stammesgebiet überführen. Für den sterbenskranken Indianer ist es wichtig, traditionell in seiner Heimat bestattet zu werden. Doch der Weg von New Mexico nach Montana ist weit und führt durch Feindesland. Blocker weigert sich, den Befehl auszuführen, denn er hat Indianer immer nur getötet und einen entsprechenden Hass auf sie entwickelt, doch weil seine künftige Pension auf dem Spiel steht, befolgt er widerstrebend den friedensstiftenden Befehl.

Der Film beginnt mit einem Zitat des englischen Schriftstellers D.H. Lawrence (1885-1930): „Die amerikanische Seele ist in ihrer Essenz hart, isoliert, stoisch und mörderisch. Sie ist bisher niemals aufgetaut.“ Das klingt schlimm, doch genau darum geht es im Überlebenskampf der unterschiedlichen Gruppen. Cooper zeichnet die Situation unparteiisch in all ihrer Grausamkeit und Härte. Auf dem Weg nach Montana stößt die Truppe auf ein verbranntes Farmhaus und findet die übel zugerichteten Leichen eines Mannes und seiner zwei Töchter vor. Die einzige Überlebende ist Rosalie Quaid (Rosamund Pike), die ihr totes Baby im Arm hält. Blocker kann sie nicht alleine im Komantschen-Gebiet zurücklassen und nimmt sie mit. Anfangs hat sie Angst vor dem gefesselten Indianerhäuptling und seiner Familie, die überraschenderweise sehr empathisch auf das Leid der weißen Frau reagieren. Die Leichen werden begraben, auch das so verzweifelt im Arm gehaltene Baby. Da die Gefahr noch nicht vorüber ist, wollen die Indianer ihre Fesseln abgenommen bekommen, doch soweit lässt Blocker es auf ihrer Weiterreise noch nicht kommen.



Unfreiwillige Notgemeinschaft: Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi) und Captain Blocker (Christian Bale) | © 2018 Universum Film


Blocker hat eine handverlesene Mannschaft für das Himmelfahrtskommando zusammengestellt, darunter einen schwarzen Corporal (Jonathan Majors), den Blocker trotz seiner Hautfarbe unter seine Fittiche genommen hat, den jungen Offizier Lieutenant Kidder (Jesse Plemons) und seinen langjährigen Vertrauten und Weggefährten Master Sergeant Thomas Metz (Rory Cochrane), der an dem leidet, was heute als posttraumatische Belastungsstörung bezeichnet wird. Gerade die teils philosophischen Dialoge zwischen den beiden Freunden lassen die Zerrissenheit und Spaltung des Landes und seiner Menschen deutlich werden. Sie vermeiden die Frage nach der Berechtigung der Besiedelung des Indianerlandes und zählen die von ihnen getöteten Indianer nicht mehr. Für sie sind nur die vielen Soldaten und Freunde maßgeblich, die sie selbst im Laufe der kriegerischen Auseinandersetzungen verloren haben.

Doch nach und nach wackelt das festgefügte Weltbild der Gruppe, und die Soldaten wie auch die Indianer müssen eine Notgemeinschaft bilden, um sich gemeinsam vor der feindlichen Außenwelt zu verteidigen. Doch vollzieht eben jene Außenwelt diese versöhnlichen Schritte nicht mit. So werden Weiße auch zu Feinden der Weißen und Indianer zu Feinden der Indianer. Als Lieutenant Kidder seinen ersten Feind tötet, ist er verzweifelt. Master Sergeant Metz tröstet ihn, dass man sich ans Töten gewöhne. „Genau davor habe ich Angst“, erwidert Kidder. Obwohl die Ureinwohner zu dieser Zeit praktisch besiegt sind, ist das Land von Frieden noch weit entfernt. Regisseur Cooper mildert den Rassismus keineswegs ab, auch wenn seine Protagonisten ehrlich bemüht sind, ihn zu überwinden. Im zweiten Teil des Films nimmt Blocker seinen Mitsoldaten Sergeant Charles Wills (Ben Foster) mit, der in einem anderen Fort hingerichtet werden soll. Wills meint, dass die beiden gar nichts unterscheide, nur das Wills Indianer ohne militärischen Auftrag getötet habe.

*

Scott Cooper, der auch das Drehbuch schrieb, und Hauptdarsteller Christian Bale haben gemeinsam an der Figur des Captain Blocker gearbeitet. Man merkt, dass Bale ihn sich zu eigen gemacht hat. Die meiste Zeit erleben wir ihn traumatisiert und mit nicht zugänglichen Gefühlen. In den wenigen Momenten, in denen diese aber durchbrechen, sind die Szenen sehr intensiv und erschütternd. Das gilt auch für Rory Cochrane als psychisch erkrankter Soldat und Rosamund Pike als Frau, deren Familie ausgerottet wurde. Die Rollen sind durchweg herausragend besetzt, insbesondere der Cherokee Wes Studi, der den altersweisen Häuptling Yellow Hawk spielt. Insgesamt ist Feinde - Hostiles von der Machart und den Bildern her ein Western, weist aber thematisch weit darüber hinaus, indem er die nachhaltigen Auswirkungen von Krieg auf die Menschen schildert. Die sind zu jeder Zeit und in jedem Land recht ähnlich und furchtbar. Captain Blocker sagt im Film „Sie haben keine Vorstellung, was der Krieg mit einem Mann macht“, doch danach bekommt eine sehr eindrückliche Idee davon.

Helga Fitzner - 31. Mai 2018
ID 10730
Weitere Infos siehe auch: http://www.hostiles-film.de/


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