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Französisch-deutsches Kino

Und was konkret war damals in Sewastopol?



Bewertung:    



Als der Zweite Weltkrieg in den DDR-Schulen behandelt wurde (zu der Zeit, in der ich Ostkind Schüler war), fragte ich mich dann jedesmal, wieso es eigentlich - bei den uns nach und nach vermittelten Urban-Totalzerstörungen diesseits und jenseits Nazideutschlands - Städte geben konnte, die hiervon verschont blieben, zum Beispiel eben auch: Paris.

Jetzt hat mich Volker Schlöndorff "kammermusikalisch" über dieses Rätsel mittels seines neuen Films Diplomatie ein bisschen aufgeklärt. Sein Blickwinkel ist allumfassend-menschelnd auf die zwei angeblich für die Rettung der französischen Millionenmetropole hauptverantwortlichen Männer fokussiert; die hießen Raoul Nordling und Dietrich von Choltitz und waren zum Einen der damalige schwedische Generalkonsul in Paris, zum Anderen der Kommandierende General von Groß-Paris.

"Es ist die Nacht des 24. auf den 25. August 1944. Die Alliierten stehen vor den Toren von Paris. Adolf Hitler hat den Befehl erteilt, die französische Hauptstadt dürfe 'nicht oder nur als Trümmerfeld in die Hand des Feindes fallen.'" (Quelle: blueprintfilm.de/diplomatie.html)

Im Hotel Meurice wird Choltitz, der mit letzte Vorbereitungen für die beabsichtigten Sprengungen fast aller 23 Brücken sowie aller Repräsentations- oder Prestigebauten vom Eiffelturm über den Louvre bis zu Notre Dame beschäftigt ist, von Nordling aufgesucht - der wiederum (was sicher eine filmplotdienliche Erfindung war) durch 'ne Geheimtür in das Choltitz'sche Appartement sozusagen eindrang...

Ja und nun interessierte sich der Schlöndorff freilich - ganz genau wie Drehbuchautor Cyril Gely (= Schreiber seines gleichnamigen Boulevardstücks, dessen Uraufführung im Théâtre de la Madeleine 2011 zu einem Staatsereignis und/oder zu einer Bühnensensation wurde) - besonders für die Frage: "Was bewegt den als gnadenlos befehlstreu geltenden General, die Anordnung des 'Führers' nicht auszuführen? Sind es moralische Bedenken oder der Druck der Alliierten Mächte?" (Quelle: dto.)



Niels Arestrup als deutscher Stadtkommandant Dietrich von Choltitz in Volker Schlöndorffs Diplomatie - Foto © Gaumont Distribution

André Dussollier als schwedischer Generalkonsul Raoul Nordling in Volker Schlöndorffs Diplomatie - Foto (© Gaumont Distribution

André Dussolier und Niels Arestrup in Volker Schlöndorffs Diplomatie-Film - Foto © Gaumont Distribution


In den fast neunzig Minuten Dialog, die sich in einem spürbar textgebauten Schlagabtausch der beiden Kontrahenten sprachlich-höhepunktlos irgendwie erschöpfen, kriege ich natürlich sehr, sehr deutlich dieses generelle Stur- und Bockigsein des deutschen Militärs, der (wie erwartet) eigentlich ja gar nicht anders könnte als seinem Kadavergehorsam Folge zu leisten oder Folge leisten zu wollen/zu müssen usw. mit. Am spannendsten und aufschlussreichsten wird es dann, als Choltitz beispielsweise davon spricht, dass er bereits die von ihm militärisch-befohlene Zerstörung von 12 Städten auf dem Kerbholz hatte; der Gipfel freilich war dann zu erfahren, dass er außerdem für die Liquidierung der gesamten jüdischen Bevölkerung Sewastopols in 1941 oder 1942 verantwortlich gezeichnet hatte... Als ihm Nordling dann so eine kleine Bibel-Fabel (aus dem Alten Testament) zurieselte à la "Würden Sie, wenn Sie Abraham wären, auch Ihren Sohn Isaak dem lieben Herrgott opfern wollen", erntete er so vom Deutschen nur ein müdes Achselzucken - - diese krampfhaft herbemühte Szene, ganz im Ernst gesprochen, hätte ich mir schon dann von den Filmemachern etwas drastischer und suggestiver vorgestellt.

Einziger Grund, weswegen Choltitz die Zerstörung von Paris von sich aus stoppte, war - das kam im Film dann wiederum sehr deutlich raus - , dass er von Nordling zugesichert kriegte, dass er dessen sich in Sippenhaft befindende Familie (mit seiner 14jährigen Tochter und seinem viermonatigen Sohn) in die Schweiz verbringen würde, dass sie also nicht dem Rachetod-Befehl des Führers ausgesetzt gewesen wäre, falls er den Befehl zur Sprengung dann verweigerte etc. pp.

Die beiden großen Bühnen-Mimen André Dussolier (als Nordling) und Niels Arestrup (als Choltitz) hatten ihre Rollen auch schon im Theaterstück verkörpert. Hier nun - in dem neuen Schöndorff-Film - bin ich selbstredend stark beeindruckt von der insgesamten Mimik und dem feinen Mienenspiel der beiden großartigen Schauspieler.


Andre Sokolowski - 25. August 2014
ID 8036
DIPLOMATIE (F/D 2014)
Regie: Volker Schlöndorff
Buch: Cyril Gely und Volker Schlöndorff
Nach dem gleichnamigen Stück von Cyril Gely
Kamera: Michel Amathieu AFC
Schnitt: Virginie Bruant
Production Design: Jacques Rouxel ADC
Kostüme: Mirjam Muschel
Ton: Philippe Garnier, André Zacher und Olivier Dô Hùu
Visual Effects: Pixomondo
Musik: Jörg Lemberg
Besetzung:
General Dietrich von Choltitz ... Niels Arestrup
Konsul Raoul Nordling ... André Dussollier
Major Ebernach ... Burghart Klaußner
Leutnant Bressensdorf ... Robert Stadlober
Concierge ... Charlie Nelson
Jacques Lanvin ... Jean-Marc Roulot
Unteroffizier Mayer ... Stefan Wilkening
Oberleutnant Hegger ... Thomas Arnold
SS Offizier (Obersturmführer) ... Lucas Prisor
SS Offizier ... Attila Borlan
Junger Soldat ... Johannes Klaußner
Kinostart (Deutschland): 28. 8. 2014


Weitere Infos siehe auch: http://www.diplomatie-film.de


http://www.andre-sokolowski.de



 

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