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Deutsches Kino

Aus dem

Leben eines

Hausverwalters



Bewertung:    



Das Gesicht des jungen Vladimir Burlakov, der in Die Geschwister einen langweiligen Hausverwalter spielt, sieht fast den ganzen Film über recht traurig aus. Der Typ, den er verkörpert, scheint introvertiert zu sein und hat etwas Geheimnisvolles. Kaumhin vorstellbar, dass er von sich aus irgend was Privates von sich Preis gibt; und er wird dann auch von Niemandem auf so was angesprochen werden, weil es scheinbar Niemanden um ihn herum interessiert. Ja und so bleibt es auch hinsichtlich des vom Buchautor und Regisseur Jan Krüger vorbehaltenen Profils dieser Figur, die also permanent in einer Art von Nebel sich bewegt - wozu dann auch das durch die Kamerafrau Jenny Lou Ziegel gefilmte schlechte Wetter in Berlin (mit grauem Dunst und Nieselregen) passt. Was seh- und hör- und gleichzeitig "erfühl"bar bei ihm ist, ist allenthalben das Vorhandensein einer zutiefst präsenten Einsamkeit, die er durch etwas Joggen, durch das Aushelfen im Möbelladen seines alten Kumpel Marcos Klitzke (Hilmi Sözer) und durch seinen Brotjob bei der Hausverwaltung irgendwie denn kompensiert...



Vladimir Burlakov als Thies in Die Geschwister | (C) Edition Salzgeber


Und plötzlich kommen, wie in jeder spannenden Geschichte, irgendwelche Wanderer des Weges:

Julius Nitschkoff (Bruno) und Irina Potapenko (Sonja) spielen das sich als Geschwister ausgebende Pärchen, das auf Wohnungssuche ist... Bruno, in seiner lichtblond-offenen Draufgängerart, hat gleich einen Sofortdraht zu dem schönen Melancholiker - und justament finden wir ihn auch prompt im Bett des von ihm Auserwählten; beide Männer harmonieren sexuell, so wie man sehen kann, auf das Vorzüglichste. Der Akt an sich macht auch die eigentliche Schwere von Thies Meisner (denn so heißt der Jungverwalter) unverzüglich leicht. Sofort entsteht die Frage, ob denn Dieses etwa ein Berechnungsakt des polnischen Verführers, um so an 'ne Wohnung rangelangt zu sein, gewesen war? Ja, schon, und nein auch wiederum. Denn Beide mögen sich wohl, über ihren Sex hinaus, doch ziemlich sehr.



Thies und Bruno mögen sich wohl sehr... | (C) Edition Salzgeber


Das Schwesterchen vom Brüderchen entpuppt sich allerdings sehr bald als Notgelogenes, denn Sonja stammt in Wirklichkeit aus Weißrussland, und weil sie halt (als Weißrussin) keine EU-Papiere hat, ist ihr Verweilen in der deutschen Hauptstadt - und wohl auch in Polen, früher, wo sie nämlich Bruno, als sie dort bei seiner Mutter Stubenmädchen war und ihn der Mutter, die sie darauf hasste, sozusagen raubte - illegal.



Brüderchen (Julius Nitschkoff als Bruno) und Schwesterchen (Irina Potapenko als Sonja) in Die Geschwister | (C) Edition Salzgeber


Gleichwohl hat das vermeintliche Geschwisterpaar auch immer Geld bei sich (und Sonja sehen wir z.B. in 'nem Spät-Shop arbeiten) - - dennoch verlässt es ganz abrupt dann die von Thies besorgte "illegale" Wohnung und ist also plötzlich wie vom Erdboden verschluckt, was Thies dann wiederum sehr traurig macht; er hatte halt nicht nur zum lichtblond-offnen Polen, sondern auch zur unbekannten Weißrussin Gefühle, die vom Herzen kommen, aufgebaut. Thies weint.

* * *

Am Schluss des schönen und sehr stimmungsvollen Filmes werden wir noch kurz von einem autonomen Flüchtlingshelferpaar (gespielt von Anne Müller & Timocin Ziegler) dahingehend aufgeklärt, dass jene zwei mit einem Mal verscholl'nen "Brüderchen und Schwesterchen" in Szenekreisen allgemein bekannt gewesen wären und jetzt halt, zu ihrer Sicherheit, woanders weilten.

Hatte Thies da etwa wieder mal in seinem jungen Leben Pech gehabt? Burlakov jedenfalls bringt dieses "Innere" sehr glaubhaft und sehr eindrucksvoll zum Leuchten.


Andre Sokolowski - 2. November 2016
ID 9657
DIE GESCHWISTER (D 2016)
Buch und Regie: Jan Krüger
Mitarbeit am Buch: Anke Stelling
Kamera: Jenny Lou Ziegel
Szenenbild: Reinhild Blaschke
Kostüm: Anna Scholich
Schnitt: Natali Barrey
Musik: Birger Clausen
Mit Vladimir Burlakov (Thies), Julius Nitschkoff (Bruno) und Irina Potapenko(Sonja)


Weitere Infos siehe auch: http://www.diegeschwister-film.de


http://www.andre-sokolowski.de

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