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Animationsfilm

Der Traum von

der Bewahrung

des Kindseins



Bewertung:    



Mitten im Zweiten Weltkrieg entstand die Geschichte Der kleine Prinz des französischen Autors und leidenschaftlichen Piloten Antoine de Saint-Exupéry. Sie wurde 1943 erstmalig veröffentlicht, gilt als literarisches Meisterwerk und begeisterte schon mehrere Generationen von Lesern weltweit. Nun hat sich der amerikanische Regisseur und Animationsspezialist Mark Osborne des Sujets angenommen und ist der schwierigen Aufgabe durchaus gerecht geworden. Bei einem so berühmten Buch haben natürlich viele Kinobesucher eine entsprechend hohe Anspruchshaltung. Da die literarische Vorlage sehr kurz ist, reicht sie für einen abendfüllenden Kinofilm nicht aus. So entwickelte er für den Film Der kleine Prinz die parallele Geschichte eines kleinen Mädchens aus der heutigen Zeit, dem eine Seite des Buches ins Zimmer flattert und das auf der Suche nach der Herkunft des Blattes auf dem Nachbargrundstück einen schrulligen Piloten kennenlernt, der seit ewigen Zeiten an einem Flugzeug herumrepariert.



Das kleine Mädchen hat sich mit dem schrulligen Nachbarn angefreundet | © Warner Bros. Pictures Germany


Die Kleine soll auf eine Eliteschule und hat für die Ferien von ihrer Mutter ein tagesfüllendes Lernpensum aufgebürdet bekommen. Es gibt eine riesige Wandtafel mit einem Kalender, auf dem ihr ganzes Leben schon verplant ist, das sie zielstrebig, effizient und erfolgsorientiert absolvieren soll. Mutter und Tochter leben in einer Stadt mit quadratisch ausgerichteten Straßen und Häusern, die alle gleich aussehen: Bis auf das des Nachbarn, das krumm und schief mit Türmchen versehen aus einer anderen Welt zu stammen scheint. Das Mädchen, das zu einem absoluten Vernunftwesen erzogen wurde, wird durch den Nachbarn nun mit der Geschichte des kleinen Prinzen konfrontiert, in der es um Vorstellungskraft, Originalität und um das Leben aus dem Herzen heraus geht.



Der Nachbar erzählt von seiner magischen Begegnung mit dem kleinen Prinzen | © Warner Bros Pictures Germany


Der Nachbar ist der in die Jahre gekommene Bruchpilot, vor dem der kleine Prinz aus dem Buch eines Tages mitten in der afrikanischen Wüste auftaucht. Der Pilot will sein Flugzeug reparieren, bevor ihm fernab der Zivilisation das Wasser ausgeht. Doch er folgt immer faszinierter den Erzählungen des kleinen Prinzen, der nicht von der Erde, sondern von einem winzigen Asteroiden stammt, auf dem es drei Vulkane gibt und eine eitle und fordernde Rose, die er liebt, aber trotzdem zurückgelassen hat.

Während die moderne Welt des kleinen Mädchens mit computergenerierten Bildern, wie wir sie von heutigen Animationsfilmen kennen, hergestellt wurde, ist die Geschichte Der kleine Prinz im altmodischen Stop-Motion-Verfahren gedreht und es wurden dafür filigrane Papierfiguren verwendet. Dabei ist den Animateuren das Kunststück gelungen, in dem 3D-Film den 2D-Look der Illustrationen de Saint-Exupérys irgendwie doch 2D-mäßig aussehen zu lassen. Dadurch heben sie sich von der Rahmengeschichte ab und ermöglichen eine werkgetreue Verfilmung des Buches. Durch die Parallelgeschichte werden die Themen des Buches gespiegelt, erhellt und für die junge Generation heute verständlicher gemacht.



Der kleine Prinz freundet sich mit einem Fuchs an | © Warner Bros. Pictures Germany


Der kleine Prinz hat unterwegs einen Garten mit Hunderten von Rosen gesehen und hadert nun, weil ihm seine Rose erzählt hatte, dass sie einzigartig sei. Er trifft aber auf einen weisen Fuchs, der ihm erklärt, dass seine Rose durchaus einzigartig ist, weil es ja die ist, die er umsorgt und geliebt hat. Von dem Fuchs stammen auch die berühmten Worte: "Man sieht nur mit dem Herzen gut. Das Wesentliche ist für das Auge unsichtbar."

Der kleine Prinz trifft auf seinem Weg einige Prototypen menschlicher Fehlentwicklung, darunter einen König, der über einen menschenleeren Asteroiden herrscht und für den ein Mensch nur ein Untertan ist, über den er herrschen will. Dann gibt es den Eitlen, der nur bewundert werden will und ständig Applaus fordert. Seine Begegnung mit einem Geschäftsmann, der behauptet die Sterne zu besitzen, wird in die Rahmenhandlung eingebettet und weitergeführt.

Auch das Mädchen trifft auf einen skrupellosen Geschäftsmann, der die Sterne fängt, einsperrt und zur Energiegewinnung zerstört. Auf dieser Reise begegnet sie einem jungen Mann, Herrn Prinz, der sich als erwachsen gewordener kleiner Prinz herausstellt und verzweifelt bemüht ist, sich den Erwachsenen anzupassen. Was für eine Katastrophe, ist doch der kleine Prinz das Symbol für das ewige Kindsein.

Es steckt einiges an Pazifismus und Kapitalismuskritik in beiden Handlungen. In einer Welt, in der Kinder auf Konsum und Wissensanhäufung abgerichtet werden, droht die Fantasie, das Herz und die Individualität verloren zu gehen.

Im Buch verschwindet der kleine Prinz eines Tages wieder, und am Ende bittet der Pilot den Leser, ihm unverzüglich zu schreiben, wenn der kleine Prinz eines Tages zurück kommt und von jemandem gesehen wird. - Vielleicht wurde er so lange nicht gesichtet, weil er irgendwo versteckt in unseren eigenen Herzen schläft.


Helga Fitzner - 9. Dezember 2015
ID 9032
Weitere Infos siehe auch: http://www.derkleineprinz-film.de


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