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Filmkritik

Ein Film der

großartigen

Bilder



Bewertung:    



Mit Cate Blanchett und Rooney Mara in den Hauptrollen hat Todd Haynes sich an die Verfilmung von Patricia Highsmiths lesbischem Liebesroman Carol gewagt. Das Ergebnis kann sich, im wahrsten Sinne des Wortes, sehen lassen.

Das 1952 zuerst unter einem Pseudonym veröffentlichte Werk Carol (zuerst unter dem Titel The Price of Salt veröffentlicht und in der deutschen Neuübersetzung von 2006 nun auch als Salz und sein Preis im Diogenes Verlag erhältlich) zählt zweifellos zu den Klassikern unter den lesbischen Liebesromanen. Es ist zugleich einer der schönsten – von einer Adaption für die Leinwand erwartet man entsprechend viel.

Die Geschichte ist schnell erzählt, und sie ist nicht besonders aufregend: Die junge Therese Belivet (Rooney Mara) arbeitet in einem Kaufhaus und begegnet der dreizehn Jahre älteren Carol Aird (Cate Blanchett), die verheiratet ist und eine Tochter hat. Die Ehe ist nicht glücklich, die Scheidung ist bereits geplant. Über einen vergessenen Handschuh – das klassische literarische Motiv weiblicher Kontaktaufnahme – lernen sich die beiden Frauen kennen, verlieben sich, fahren gemeinsam im Auto durch die USA, auch eine Art Flucht Carols vor der gescheiterten Ehe. Der düpierte Ehemann Harge (Kyle Chandler) lässt die Frauen verfolgen, um seiner Frau „unmoralisches Verhalten“ nachweisen zu können – damit er das alleinige Sorgerecht für seine Tochter erhält. Nachdem Carol zunächst versucht, um ihrer Tochter willen ihre Liebe zu Therese zu unterdrücken, entscheidet sie sich schließlich, Harge das Sorgerecht zu überlassen und zu ihrer Liebe zu Therese zu stehen. Die Folie der Ereignisse bilden die repressiven Moralvorstellungen der 50er Jahre, die Highsmith in ihrem Roman brillant analysiert. Passieren tut nicht viel in diesem Roman – es ist, wie so oft, die feinsinnige Analyse gesellschaftlicher Verhältnisse und die subtile Vermittlung von Emotionen, die das Buch so unglaublich schön und auch gut macht. Kann das aber auf der Leinwand gelingen?

Beginnen wir mit den Hauptfiguren und der zentralen Liebesgeschichte: Die beiden Hauptdarstellerinnen brillieren in ihren Rollen. Rooney Mara spielt die junge, unerfahrene und etwas desorientierte Therese rehgleich und doch nicht ohne eigenen Willen. Ihre Therese weiß noch nicht, wohin sie genau will; aber sie weiß sehr genau, was sie nicht will. Cate Blanchetts Carol ist kühl, sinnlich, raubtierartig – aber auch verletzlich und unsicher, wie sie sich zwischen gesellschaftlicher Norm und eigenen Gefühlen positionieren soll. Die erotische Spannung zwischen den beiden Frauen ist spürbar, subtil, präsent – und degeneriert nirgends zu vordergründigen Sexszenen aus.

Überhaupt ist Todd Haynes Carol ein Film der großartigen Bilder. Die Schönheit der Bildlichkeit, die die Atmosphäre der 1950er Jahre einfängt, kontrastiert wirkungsvoll mit der Verhandlung repressiver Moral- und Wertvorstellungen – und spiegelt so sehr klug die Doppelbödigkeit dieser Zeit wider.

Insofern ist Carol ein wundervoller, sehenswerter Film, der der Romanvorlage durchaus gerecht wird. Einzig vorwerfen könnte man diesem Film, dass so herzlich wenig passiert. Das ist natürlich der Vorlage geschuldet – und alles andere hätte die Wirkung gänzlich zerstört. Man kommt aber eben darum nicht umhin, die eine oder andere Länge im Film zu konstatieren. Sei’s drum – das Gesamtergebnis ist immer noch eine Literaturverfilmung von einer Qualität, die selten ist.



Cate Blanchett (li.) in Carol | © Number 9 Films Ltd. / Wilson Webb
Ann-Kristin Iwersen - 27. Dezember 2015
ID 9058
Weitere Infos siehe auch: http://carolfilm.com


Post an Dr. Ann-Kristin Iwersen



 

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= katastrophal

 


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