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Deutsches Kino

Anderswo ist es immer schöner – auch in diesem schönen Culture-Clash-Film von Ester Amrami



Bewertung:    



Die deutsch-israelische Regisseurin Ester Amrami schöpft in ihrem wunderbar-melancholischen Film offenkundig aus eigener Erfahrung als bundesrepublikanische Immigrantin. In ihrer Geschichte geht es um die junge Israelin Noa (Neta Riskin), die vor acht Jahren als Studentin nach Deutschland gekommen ist, aber deren erfolgreicher Studienabschluss nun in Frage steht. Da ihre Diplomarbeit abgelehnt wird, droht Noa kurz vor ihrem 30. Geburtstag zu einer Dauerstudentin zu werden. Plötzlich fühlt sich Noa sehr fremd in ihrem Leben und damit auch in Berlin. Auch verschärft dies ihre Zweifel am Sinn ihrer augenblicklichen Beziehung zu Jörg (Golo Euler), einem herzensguten, aber etwas phlegmatisch wirkenden jungen Musiker. Kurzentschlossen reist sie zu ihrer Familie nach Tel Aviv, wo sie zwar eine Sinnlichkeit und Lebendigkeit findet, die sie in Berlin vermisst, aber auch mit einem familiären und politischen Chaos konfrontiert ist, das sie nervt – und sei es, weil sie erkennen muss, dass sie selbst sehr rasch ein Teil davon wird.

Sie wird von ihrer Mutter wie ein Kind bemuttert und hat Mühe, sich als Auswandererin zu rechtfertigen. Nur mit ihrer Großmutter, einer Überlebenden des Holocaust, verbindet sie gegenseitiger Respekt. Als Noas besorgter Freund ebenfalls in Tel Aviv auftaucht, muss Noa erkennen, dass ein Ortswechsel weder die Probleme in der Wahl- noch in der alten Heimat löst. Viel Anteil daran, dass die Story nicht larmoyant wirkt, hat die quirlige Hauptdarstellerin Neta Riskin.

Die schönste Idee, die Amrami und Ko-Autor Momme Peters aus der ewigen Sehnsucht nach dem idealen Ort fürs Leben gewonnen haben, wird gleich am Anfang gezeigt: Noa möchte ein Lexikon unübersetzbarer Begriffe schreiben und dort solche Ausdrücke auflisten, die im Deutschen ihre ambivalente Doppel- und Mehrfachbedeutung verlieren. Dabei platziert Noa Ausländer und Immigranten buchstäblich aller Couleur vor ihre (bzw. der Film-) Kamera und lässt sie diese Begriffe erläutern. So entsteht im Laufe des Films – leider mit abnehmender Tendenz Richtung Filmende – ein Potpourri von Begriffen, die symbolisch für das stehen, was ein Mensch nicht in die Fremde oder ein anderes Land mitnehmen kann, weil es nicht kompatibel mit der anderen Kultur ist.

Doch auch den Rest der Handlung hat Ester Amrami pointiert, aber unaufdringlich inszeniert. Durch den Mut zu Klischees bei den Nebenfiguren, denen durch die frechen Dialoge (und ein gut besetztes Darstellerensemble) eine gute Portion Authentizität verpasst wird, ergibt sich ein Mosaik der israelischen Gesellschaft: Durch die Großelterngeneration noch vom Trauma des Holocaust geprägt, kämpft sie nun mit der Allgegenwart des Militärs und der Abwanderung der jüngeren Generation - eben gerade auch zum Sehnsuchtsort Berlin, der erfrischenderweise bei Amrami nicht eitel Sonnenschein bietet (buchstäblich). Dieses Mosaik ergibt im Ganzen eine vielschichtige Tragikomödie mit vielen bemerkenswerten komischen und nachdenklichen Momenten, die auf sehr sympathische Weise das Gefühl von Zerrissenheit und Fremdheit illustrieren, das sensible Menschen zu Hause genauso ereilen kann wie Anderswo.



Anderswo - Foto (C) Film Kino Text

Max-Peter Heyne - 30. Januar 2015
ID 8402
Weitere Infos siehe auch: http://anderswo-film.com/


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