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Rezension

Perfekt inszeniert: Robert Redford gerät in All Is Lost als Hochseesegler in höchste Not





Mann über Bord (II)

Von Abenteuer- und Katastrophenfilmen sind wir Special-Effects-Gewitter gewohnt, die oft auf die Überwältigung aller Sinne setzen. Wenn es so etwas wie das Gegenteil des Roland-Emmerich- oder Michael Bay-Kinos gibt, dann der neue Spielfilm von Regisseur J.C. Chandor, der sich mit dem Film zur Bankenkrise, Der große Crash - Margin Call (BERLINALE-Wettbewerb 2011) schlagartig in die erste Liga der interessantesten US-Regisseure für anspruchsvolles Unterhaltungskino katapultierte: All Is Lost verfügt nur über einen Schauspieler (aber was für einen: Hollywoods Elder Statesman No 1, Robert Redford), nur einen Schauplatz (eine Yacht auf den Weiten des Indischen Ozeans), so gut wie keinen Text und keine Nebenhandlungen oder Abschweifungen.




Foto (C) Universal Pictures



Kaum ein Drama der Filmgeschichte hat den Kern des Genres Katastrophenfilm – den Überlebenskampf des Individuums im Angesicht von Naturgewalten und unüberschaubaren Gefahren – dramaturgisch so verdichtet dargeboten, seit Spektakel wie Erdbeben oder Flammendes Inferno in den siebziger Jahren die Maßstäbe für folgende Produktionen setzten. Erst in den letzten Jahren traten z.B. mit Buried – Lebend begraben (2009), 127 Hours (2010) oder Life Of Pi (2011) wieder vermehrt Filme auf den Plan, bei denen die Beschreibung existentieller Notsituationen nicht zugunsten veräußerlichter Effekte verwässert wurde, sondern sich Drehbuch und Regie wieder auf den menschlichen Konflikt konzentrierten.

Auch J.C. Chandors Variante eines Überlebensdramas zeigt keine Katastrophe, sondern beginnt mit einem auf den ersten Blick überschau- und beherrschbarem Unglück: Ein passionierter Hochseesegler wird aus dem Schlaf geschreckt, weil seine komfortable, 12-Meter lange Yacht (für Segelfreaks: eine 39' Cal) einen herrenlos auf dem Indischen Ozean umherschwimmenden Container (voller Sportschuhe) gerammt hat. Die vorübergehende Unachtsamkeit des Bootsbesitzers führt dazu, dass sich der Innenraum des Bootes schnell mit Wasser füllt. Aber der Schiffbrüchige ist offenkundig ein erfahrener und umsichtiger Segler, der sich zu helfen weiß. Das Flicken des Lecks im hölzernen Rumpf bleibt im Verlauf der sich stetig zuspitzenden Handlung allerdings noch die leichteste Übung. Denn aufgrund der Wasserschäden kann der Mann weder richtig navigieren, noch per Funk Hilfe rufen.




Foto (C) Universal Pictures



Mutterseelenallein auf den Weiten des Ozeans schickt sich der Unglückliche an, seinen Proviant zu rationieren, Hitze und Durst zu trotzen und das Schiff in die Route der großen Frachtschiffe zu manövrieren. Dann aber zieht ein heftiger Sturm auf, der seine Reparaturversuche zunichte macht und ihn in äußerste Lebensgefahr bringt. Regisseur Chandor verzichtet dabei zwar nicht auf Schauwerte, aber wie er neben den üblichen Wassermassen auch noch originelle Motive findet (z.B. das Umhergewirbelt-Werden im Bootsraum, die erdrückende Finsternis in der Nacht), die die zunehmend verzweifelte Situation des Protagonisten geradezu körperlich spürbar machen, ist große Inszenierungskunst. Auch der altersbedingt (75) offensichtlich noch in Topform befindliche Hauptdarsteller Redford bezeugt beeindruckend, dass er einen Film allein und zudem ganz auf Gestik und Mimik reduziert bestreiten kann: Laut Pressemitteilungen hat Redford wie in seiner zurückliegenden Karriere auch hier rund 90 Prozent der Stunts selbst ausgeführt – darunter das unter dem Boot Herumtauchen und das Kraxeln auf den fast 19 Meter hohen Mast.

Geübt in Segeltechnik, legten Redford und das Filmteam Wert auf authentische Handgriffe, sodass auch aktive Segler mit dem Ergebnis zufrieden sein müssten (ich kann in der Hinsicht nicht mitreden).

Gefilmt wurde nicht im Indischen Ozean, sondern überwiegend an den Küsten in der Karibik. Zu sehen ist da kein Unterschied, Wasser ist Wasser. Und selbst wer Spaß an Wassersport hat und ihn generell für beherrschbar hält, wird zugeben müssen, dass All Is Lost auf überzeugende Weise eine zwischen Spannung und Ruhephasen oszillierende, bedrückende Atmosphäre kreiert, die metaphorisch auf die Demut des Einzelnen im Angesicht der unendlichen Weiten der Welt verweist.




Foto (C) Universal Pictures


Bewertung:    


Max-Peter Heyne - 31. Dezember 2013
ID 7496

Mann über Bord (I) - Captain Phillips

Post an Max-Peter Heyne



 

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