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AGONIE von David Clay Diaz


Bewertung:    



Das aus dem griechischen Sprachraum stammende Wort Agonie ("Qual", "Kampf") wird umgangssprachlich, lt. Wikipedia, auch "im Sinne von 'Leid, qualvoller, auswegloser Zustand' gebraucht". Der in ihm steckende "Todeskampf" hat so gesehen eine Art von fortschrifttlichem Ziel und füllt den ganzen Zeitraum zwischen A (wann fängt es an?) und B (wann hört es auf?) - kann also auch als progressiv, wenn man so will, gedeutet sein.

Der gleichnamige Film von David Clay Diaz (27) beschäftigt sich mit zwei diversen Bio's von in Wien lebenden Jugendlichen: Der Eine, 24jährig, studiert Rechtsphilosophie - der Andere, 17jährig, hat das Zeug zu einem Rapper. Sieben Lenze trennen die Beiden, und sie schwimmen in entgegenen und unvereinbaren Milieus; Christian (der Rechtsphilosophiestudent) hat eine Freundin aus betuchtem Kreis, Alex (der talentierte Rapper) will aus seinem Polizisten-Hausfrau-Elternhaus entfliehen. Samuel Schneider, Alexander Srtschin spielen sie...

Die zwei Geschichten sind nicht aufeinander abgestimmt und haben also nichts (nicht wirklich) miteinander zu tun - - dennoch verfügen sie über eine sie miteinander festgetackert habende sozial-seelische Parallele: Völlig unabhängig ihrer jeweiligen Sozialität - 'sage mir, wo du her bist und ich sage dir...' - wird klar, dass es mitunter Abgründe, konkret seelische Abgründe bei Menschen geben kann, wo du im Nachhinein mit seelenklempnerischem Forschertum nicht fündig wirst.

Nach 1 h 12 min Filmdauer holt Christian (der Rechtsphilosophiestudent) ein Messer aus der Küche und durchschneidet seiner Freundin Sandra (Alexandra Schmidt), mit der er vorher Sex hatte, die Kehle; kurz danach zerstückelt er den Leichnam in der Badewanne [keine Angst, man sieht es nicht; es wird bloß angedeutet] und entsorgt die Stücke in diverse Mülltonnen, bevor er dann am nächsten Morgen Marmeladenbrot verzehrt.

Bei Alex (dem verkannten Rapper) ahnte man dann schon viel früher, dass dann irgendwas mit ihm passieren würde; seine Kraft- und Fitnesssportlereien schienen ein seit langem angestautes Aggressionsgelüst zu kompensieren; dass er schwul sein könnte [wie es einschlägige Kurzbeschreibungen zum Film behaupten], war durch eine warmherzige Geste seines "neuen Freundes" (Laurenz Fleissner) zwar erahnbar, aber dass sich Alex dann nach einem Supermarkt-Einkauf für seine Mutter eine Plastiktüte überm Kopf zieht, sicher nicht.

*

Die Kamera von Julian Krubasik fängt ruhige und unkalkulierte Bilder ein. Der Schnitt von Lisa Geretschläger wirkt abrupt und konsequent; in der Gesamtheit und Zusammenführung beider Lebenskurzgeschichten schafft er tiefe Eindrücke.

Sollte es wirklich möglich sein, dass außenseiterische Mitmenschen zum jeweils Äußersten an Anderen und/oder an sich selbst letztendlich neigen?

Ja, natürlich.

Null Erklärungen gibt es hierfür. Allein, dass in den beiden Beispielfällen der Zerrüttungs- oder Korrosionsgrad innerfamiliärer Stützpfeiler (als Vater-Mutter-Kind) lebensbedrohlich war und wäre, wurde zwar gedanklich impliziert; "entschuldigt" hat das freilich nichts.

Und ausgerechnet diese Nullerklärlichkeiten aufgezeigt zu haben, macht den Film so über alle Maßen sehenswert und wertvoll; er beschönigt nichts, nein. Aller Leben ist und bleibt an einem Abgrund.




Agonie-Szene mit Sandra & Christian | (C) Zorro Filmverleih

Andre Sokolowski - 14. Dezember 2016
ID 9749
Weitere Infos siehe auch: https://agoniefilm.com/


http://www.andre-sokolowski.de

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