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Hollywood

Rentenanpassung der anderen Art



Bewertung:    



Der Rentner Joe (Michael Caine) versteht die Welt nicht mehr. Sein Bankberater hat ihn übers Ohr gehauen, und nun ist er dabei sein Haus zu verlieren und auf der Straße zu landen. Noch leben er, seine Tochter und Enkeltochter eng zusammen, das war so geplant, damit die Kleine aufs College gehen kann. Als Joe das mit seinen Rentnerfreunden Willie (Morgan Freeman) und Albert (Alan Arkin) diskutiert, spricht er wohl Millionen von US-Amerikanern aus der Seele. Sie sind fassungslos, welche Verbrechen Banken begehen dürfen, ohne dafür zur Verantwortung gezogen zu werden. Die drei haben sich auf einen Lebensabend in großer Bescheidenheit eingestellt und sich damit abgefunden. Das ändert sich, als die Firma, für die sie jahrzehntelang geschuftet haben, ihren Standort nach Vietnam verlegt und bei der Umfirmierung die Pensionskasse flöten geht. Die drei ehemaligen Arbeitskollegen werden also künftig keine Rente mehr beziehen.

In Abgang mit Stil unter der Regie von Zach Braff wird Joe dann Zeuge eines Überfalls auf jene Bank, die ihn betrogen hat. Die Bankräuber werden nicht gefasst, und da kommt ihm eine Idee. Eigentlich ist es doch egal, ob sie auf der Straße oder im Knast landen, im letzteren gibt es wenigstens etwas zu essen. Zuerst trauen Willie und Albert ihren Ohren nicht, aber dann machen sie mit. Beim Training für den Bankraub auf Joes Bank lassen sie sich von einem Kriminellen mit dem schönen Namen Jesus (John Ortiz) beraten, der ihnen ein Fitnessprogramm zusammenstellt und ihnen mit vielerlei nützlichen Tipps zur Seite steht. Die drei Rentner sind aber keine ehemaligen Agenten oder Superhelden, sondern nur ganz normale Opas aus der Arbeiterklasse, und sie bekommen nicht einmal einen Ladendiebstahl hin, den sie zu Trainingszwecken verüben. Ihr dortiger Raubzug ist so dilettantisch, dass sie nicht einmal eine Anzeige bekommen. Einziger Vorteil: Die Rentnerin Annie (Ann Margret), die im Supermarkt arbeitet, um ihre Kasse aufzubessern, hat schon länger ein Auge auf Albert geworfen, und dieses Mal funkt es zwischen den beiden.



Haben die Nachricht erhalten, dass ihre Rentenansprüche verloren sind: Albert (Alan Arkin), Willie (Morgan Freeman) und Joe (Michael Caine) | © Warner Bros.


Und Willie hat ein Geheimnis: Er ist schwer nierenkrank und bräuchte dringend eine Nierentransplantation. Wie Joe würde auch er seine Enkelin gerne aufwachsen sehen. - Bei der Planung ihrer Alibis gehen die drei dann schon recht professionell vor, obwohl man bei ihnen definitiv nicht von kriminellen Energien sprechen kann. Es grenzt dann an ein Wunder, dass der Bankraub gelingt und sie auch nicht gefasst werden. Spätestens jetzt müsste klar sein, dass es sich um ein Sozialmärchen handelt. Viele Kritiker bemängeln am Drehbuch die Nutzung zu vieler Klischees und Vorhersehbarkeiten. Abgang mit Stil ist eine Wiederverfilmung von Die Rentner-Gang aus dem Jahr 1979, wobei in dem Remake das vorher tragische Ende zugunsten eines märchenhaft schönen Ausgangs geändert wurde. Hier zählt nicht so das „Was“ sondern das „Wie“. Da ist der Film bis in die kleinsten Rollen wunderbar besetzt. Christopher Lloyd als völlig verpeilter Rentner Milton ist einfach umwerfend, und es gibt ein Wiedersehen mit Matt Dillon als zerknirschter FBI-Agent.

Der Film kommt weitgehend ohne Spezialeffekte aus, und die SchauspielerInnen sind auf ihr Können und ihre langjährige Erfahrung angewiesen. Sie schaffen es, trotz ihrer altersbedingten Einschränkungen, den Bankraub zu begehen, denn die Sehnsucht nach einem besserem Leben lässt mit den Lebensjahren nicht nach. Alle drei - Caine (84), Freeman (79) und Arkin (83) - sind dabei sehr überzeugend und lebensecht. Keiner versucht, den anderen zu übertrumpfen, im Gegenteil geben sie einander den Raum, dass sich die jeweils Anderen entfalten können. Sie zeigen die Frustration über die Gebrechlichkeit, aber auch deren Überwindung, sind lustig, ohne sich über das Alter lustig zu machen. Halt mit Stil, wie der Titel suggeriert, aber ohne Abgang, denn in dieser Version gibt es ein richtig dickes Happyend.

*

Alle drei Hauptdarsteller hatten in ihrem Leben zu kämpfen. Arkins Vater stand in den 1950er Jahren als Filmschaffender unter dem Verdacht, Kommunist zu sein, was auch auf die Familie abfärbte. Freeman hat sich als Afroamerikaner in dem Geschäft behaupten müssen und spielt heute anspruchsvolle Rollen. Michael Caine stammt aus dem englischen Arbeitermilieu und spricht heute noch Cockney, den Dialekt der Londoner Arbeiterklasse. Sein Vater starb in Armut, und der junge Caine wollte reich und berühmt werden, um diesem Schicksal zu entgehen - ging ganz ohne Bankraub, und er hat die Welt um viele schöne Kinostunden bereichert.
Helga Fitzner - 12. April 2017
ID 9964
Weitere Infos siehe auch: http://goinginstylemovie.com/


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