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Filmkritik

Der Boden

unter den

Füßen



Bewertung:    



Beim Lesen der Synopsis zum Drama Vier minus drei muss man tief durchatmen: Erzählt wird die reale Geschichte einer Frau, die aufgrund eines Verkehrsunfalls ihren Ehemann und ihre beiden kleinen Kinder verliert. Die Frau, die mit einem Schicksalsschlag ihre Familie verloren hat, arbeitet ausgerechnet als Clownin, die vor allem in Krankenhäusern totkranken Kinder Trost spendet. Trauriger geht es nicht? Jein. Barbara Pachl-Eberhardt ist zwar das Schlimmste zugestoßen, was man sich vorstellen kann, aber zum Glück ist sie Clownin bzw. wie sie selbst es ausdrückt: „Kunst kann Leben retten.“ Sie habe durch das Erlebnis nicht nur tiefe Verzweiflung erlitten; sie habe auch Erfahrungen gemacht und Erkenntnisse gewonnen, die sie ansonsten nicht erlangt hätte.

„Das Clown-Sein ist meine ganz große Lebensschule, geprägt von grundsätzlichen Lektionen“, schreibt Pachl-Eberhart, zum Beispiel: „Stehe zu deinen Schwächen, die in Wirklichkeit deine Stärken sind. Und ganz wichtig: schummel dich über nichts hinweg.“ Ohne ihren Beruf und dessen transzendentale Dimension hätte Pachl-Eberhart vielleicht noch stärker darum ringen müssen, ihre Vorstellung(en) vom Jenseits zu verarbeiten und zugleich eine Distanz zum Erlebten zu gewinnen. Umgekehrt wäre sie wahrscheinlich nie Clownin geworden, wenn sie nicht eine sehr positive und konstruktive Einstellung zum Leben gehabt hätte, die sie trotz allen Schmerzes in die Lage versetzt hat, ihre Entwicklung zu reflektieren, zu beschreiben und schließlich als professionelle Autorin, Coach und Trösterin für Menschen in ähnlichen Situationen in etwas Nützliches zu verwandeln.

Denn auch Schreiben hilft, Verzweiflung und emotionale Abgründe zu bewältigen, die sie in ihrem autobiografischen Buch als bisweilen „undurchdringlichen Brei“ beschreibt. Auf ihren Bestseller Vier minus drei basiert das exzellente Drehbuch von Senad Halibasic, das der Österreicher Adrian Goiginger (Der Fuchs>; Rickerl – Musik is höchstens a Hobby) kongenial verfilmt hat, der sich damit endgültig als einer der begabtesten Regisseure des deutschsprachigen Raums etabliert hat. Nachdem frühere Anläufe, Pachl-Eberharts Bericht über ihr Leben nach dem Verlust erzählerisch zu verdichten und zu transformieren, gescheitert sind, haben dies Halibasic und Goiginger auf überzeugende Weise geschafft, ohne dass die Emotionalität quasi "überschwappt".

Neben ihrem Gespür für die richtige dramaturgische Dosierung von Dramatik, Komik und Sinnlichkeit – gemeint als Intimität bzw. Nähe zu den Figuren – sind zwei weitere Faktoren ausschlaggebend für die Stärke des Films, nämlich die sehr authentisch bzw. wahrhaftig wirkende Umsetzung: Pachl-Eberharts starke Beteiligung an der Entwicklung des Stoffes, bei der sie viele sehr persönliche Informationen einfließen lassen konnte, und die Darstellung von Valerie Pachner (Der Boden unter den Füßen), die mit großartig noch zu schwach beschrieben ist. Das Spektrum existentieller Emotionen, die Pachner als trauernde Mutter und Witwe ausdrückt, aber auch als pragmatisch denkende Frau, die sich entschlossen eine neue Lebensperspektive erarbeiten möchte, ist von seltener Vielfältigkeit und Intensität. Aber auch Robert Stadelober, Hanno Koffler und die anderen Schauspielerinnen agieren hervorragend. Der Film hat trotz seiner unvermeidlichen Schwere wie das zugrundeliegende Buch auch poetische, absurd komische und tröstliche Passagen und insofern großen Unterhaltungs- wie Erkenntniswert für aktuell trauernde wie nicht-trauernde Zuschauer*innen.



Valerie Pachner in Vier minus drei | (C) Alamode-Film, Polyfilm

Max-Peter Heyne - 15. April 2026
ID 15803
https://alamodefilm.de/filme/vier-minus-drei/


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Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


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