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Neues deutsches Kino

Der unsichtbare

Gast



Bewertung:    



Von dem Überangebot vor allem an deutschen Filmen, die in diesen Wochen in die Kinos gelangen, ist Missing*Link auf den ersten Blick vielleicht der unauffälligste. Weit gefehlt, denn das von Michael Baumann (Willkommen bei Habib) feinfühlig inszenierte Familiendrama verhandelt ebenfalls existentielle Themen und wartet zudem mit einer interessanten Bildgestaltung und einer exzellenten Besetzung auf, die für überzeugende schauspielerische Leistungen sorgt. Aber der Reihe nach: Die getrenntlebenden Eltern der 14-jährigen Mia (ein Naturtalent: Luca Brüggemann) wollen ihrer Tochter davon überzeugen, dass auch eine Patchworkfamilie funktionieren kann. Und so verbringen Tine (Susanne Wolff) und Falk (Wolfram Koch) den Frühsommer in alter Tradition in einem Feriendorf, zu dem sie neben anderen Freunden und Freundinnen auch ihren neuen Lebenspartner bzw. die neue -Partnerin eingeladen haben. Vor allem die wegen der angeborenen Herzkrankheit ihrer Tochter nervöse Tine ist geradezu grimmig entschlossen, unter den Anwesenden eine harmonische Stimmung zu erzwingen, auf das Mia eine fröhliche Ferienzeit und einen schönen Geburtstag erlebt.

Man ahnt es schon nach der ersten Begrüßung der Patchwork-Paare: Dieser Plan wird gründlich schiefgehen. Michael Baumann und seine langjährige Koautorin Sabine Westermaier bemühen gottlob zwar nicht jede sich bietende dramaturgische Möglichkeit, um Zwist zwischen den Erwachsenen zu schüren und dies ausführlich auszubreiten, sondern reihen eher kurze Kabinettstückchen aneinander. Aber auch die ergeben in ihrer Kombination eine schwelende Erwachsenenhölle, die bei den anwesenden Kindern und Jugendlichen mal mehr, mal weniger peinliche und peinvolle Effekte auslöst. Auch die gutgemeinten Versuche, die angespannte Atmosphäre durch Essen, Trinken und Feiern zu neutralisieren, sind nur von kurzer Dauer. Und auch der Austausch von Zärtlichkeiten wird durch die Enge und Hellhörigkeit der Ferienhütten erschwert.

Das Feriendorf, in dem die meisten Szenen des Films entstanden sind, kann im wirklichen Leben übrigens durchaus idyllisch sein: Es handelt sich um Grafenhausen im südlichen Hochschwarzwald, der bei sonnigem Wetter wunderbare Aussichten bietet. Die Häuser bzw. Häuschen wurden schon 1959 errichtet und waren in den folgenden Jahren insbesondere für kinderreiche Familien ein beliebter Anziehungspunkt. Die räumliche Enge wurde wahrscheinlich aufgrund der geringeren Ansprüche der damaligen Zeit in Kauf genommen oder sogar geschätzt. Zurzeit kann keines der fast 30 Häuser gebucht werden, da umfangreiche Renovierungen vorgenommen werden.

Die Kulisse des Feriendorfes wirkt auch im Film wie eine Zeitreise, als Familien noch eine unerschütterliche Institution waren und gemeinsame Urlaube wie ein Luxusausflug aus dem Alltag wahrgenommen wurden. Für die Filmstory, die zum großen Teil aus der Sicht der jungen Mia geschildert wird, wirkt die Idylle mindestens zwiespältig und morsch – und eben unzeitgemäß. So entflieht Mia der Kontrolle ihrer Mutter und der kulissenhaften Harmonie der Erwachsenenwelt in die umliegenden Wälder, Seen und in ihre lebhafte Fantasiewelt. Dort trifft sie auf einen attraktiven, sportlichen Jungen (charismatisch: Lennox Halm), dem sie vertraut, gerade weil er keine Worte braucht, um sich ihr mitzuteilen. Und doch geht auch eine Gefahr von ihm aus, die mit dem Missing Link der Familiengeschichte zu tun hat: der fehlenden Information über eine Tragik, die Mias Eltern verheimlichen.

Die Kontraste zwischen der sommerlichen Idylle und der pubertierenden Fantasien hätten im Drehbuch stärker betont werden sollen, um noch mehr Interesse für die Innenwelt des heranwachsenden Mädchens zu provozieren. So wird das Potential, dass der Mystery-Anteil und die damit verbundenen, zweideutigen bis unheimlichen Bilder als zweite Ebene angeboten hätten, leider nicht ausgereizt. Auch das flammende Inferno am Schluss will ebenso wie die entfesselte, jugendliche Heißblütigkeit nicht vollends zünden.



Missing*Link| (C) Grischa Schmitz/ missingFILMs

Max-Peter Heyne - 15. April 2026 (2)
ID 15805
Weitere Infos siehe auch: https://www.missingfilms.de


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= katastrophal

 


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