Filme, Kino & TV
Kunst, Fotografie & Neue Medien
Literatur
Musik
Theater
 
Redaktion, Impressum, Kontakt
Spenden, Spendenaufruf
Mediadaten, Werbung
 
Kulturtermine
 

Bitte spenden Sie!

KULTURA-EXTRA durchsuchen...

Japanisches Kino

Heiligt der Ruhm

die Mittel?



Bewertung:    



Kokuhō – Meister des Kabuki ist in Japan die erfolgreichste Realverfilmung aller Zeiten und ein Fest für Cineasten und Theaterbegeisterte zugleich. Kabuki ist eine jahrhundertealte Theatertradition, bei der die Frauenrollen seit 1652 von Männern, den Onnagata, gespielt werden und die vom Vater auf den Sohn vererbt wird. Unter der Regie von Lee Sang-Il, einem Japaner mit koreanischen Wurzeln, entstand hier ein episches Melodram um den Sohn eines Kabuki-Meisters und einen Zögling seines Vaters, mit dem er zusammen ausgebildet wird. Über 50 Jahre hinweg entfaltet sich eine Geschichte von Erfolg und Versagen mit zwei Männern, die emotional zwischen Kameradschaft und Rivalität hin und her gerissen werden. Der fast dreistündige Film nach dem gleichnamigen Roman von Shūichi Yoshida wird im japanischen Original mit Untertiteln gezeigt, weil sich insbesondere die Sprechweise in den Theaterszenen in der Übersetzung nicht adäquat nachahmen lässt. Dadurch wird man noch stärker in die bildgewaltige Welt des Kabuki und die atemberaubende Schauspielkunst der Hauptdarsteller hineingezogen.

Die Handlung beginnt im Jahr 1964, als der Kabuki-Meister Hanjiro (Ken Watanabe) zum Neujahrsfest eines Yakuza-Bosses eingeladen wird. Dort sieht er Kikuo, den 14jährigen Sohn seines Gastgebers, in der Laienaufführung eines Kabuki-Stücks und erkennt sofort dessen immenses Talent. Die Feierlichkeiten werden durch den Angriff einer rivalisierenden Yakuza-Bande um die kriminelle Vorherrschaft unterbrochen, bei der Kikuos Vater getötet wird. Hanjiro nimmt sich später des verwaisten Jungen an und bildet ihn zusammen mit seinem Sohn Shunsuke als Onnagata aus. Das Training ist hart und seine Ausbildungsmethode brutal, denn es basiert teilweise auf Techniken der Martial Arts und benötigt dieselbe Intensität und Einsatzbereitschaft. So wird gleichzeitig der Zuschauer unter die Fittiche genommen und in die Prinzipien des Kabuki eingeweiht. Kikuo erweist sich dabei als der Ehrgeizigere und Begabtere von beiden.

Als einige Jahre später Hanjiro nach einem Unfall eine Zeit lang nicht auftreten kann, bestimmt er nicht seinen Sohn Shunsuke (Ryūsei Yokohama), sondern Kikuo (Ryō Yoshizawa) als seinen Ersatz. Das löst einen Skandal aus, denn Kikuo ist ein Außenseiter und Sohn eines Kriminellen, und Shunsuke steht aufgrund seiner Blutsverwandtschaft die Nachfolge zu. Dadurch kommt es zur Spaltung des Duos, als das die beiden Männer bis dahin erfolgreich auftraten, und sie werden zu Rivalen. Doch es gibt nur einen, der den Titel Kokuhō erwerben könnte, was Nationalschatz bedeutet, und der die höchstmögliche Auszeichnung ist. Der Weg dahin zeichnet sich durch Opferbereitschaft, aber auch durch Skrupellosigkeit aus...

Der tunesische Kameramann Sofian El Fani (Durchbruch 2014 mit Timbuktu) hat hier wieder seine Vielseitigkeit unter Beweis gestellt. Er fängt die Knochenarbeit beim Training in seiner Härte ein, wie auch den Anschein der Leichtigkeit, mit der die stilisierten Körperhaltungen, Gesten und auch die besonderen Falsett-Stimmen ausgeführt werden. Die Töne sind bestimmten Regeln unterworfen und werden gedehnt, was anfangs etwas gewöhnungsbedürftig sein kann. Die beiden Jungschauspieler Ryūsei Yokohama und Ryō Yoshizawa hatten im Vorfeld nur anderthalb Jahre Kabuki-Unterricht, eine Kunst, die lebenslange Vervollkommnung erfordert. Das Ergebnis kann sich für die Zwecke des Films sehen lassen, und insbesondere Yoshisawa in der Hauptrolle des Kikuo hat eine gewisse Meisterschaft erworben. Der Film ist entschleunigt, denn aufgrund der komplexen Kunst, der notwendigen Konzentration und Achtsamkeit geht nichts schnell. Das Schminken braucht sehr lange, die Einkleidung in die herrlichen Wickelgewänder sowie die Perücken und der Kopfschmuck verlangen extreme Sorgfalt, und die Bewegungen finden im Rhythmus der vorgegeben Musik statt. Die politischen und gesellschaftlichen Entwicklungen in diesen Jahrzehnten werden völlig ausgespart, würden den Film vermutlich über Gebühr in die Länge ziehen. Parallel erzählt er aber die bewegten Lebensgeschichten der beiden Männer mit all ihren Höhen und Tiefen.

Sang-Il erlaubt sich den Luxus, Theaterszenen des Kabuki verhältnismäßig ausführlich zu inszenieren. Das erweist sich für den dramatischen Höhepunkt am Ende als notwendig. Die Kabuki-Theater sind seit dem Film wieder populärer geworden, denn er hat diese Tradition mit ihrem reichhaltigen kulturellen Erbe zurück in die Erinnerung gebracht. Die Geschichten sind teilweise universell, es gibt mythische Gestalten und unter der dicken Schminke und den opulenten Kostümen erstaunlich viel Pathos. Kabuki wurde im Jahr 2008 abschließend in die UNESCO-Liste der Meisterwerke immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen.



Kabuki-Meister Hanai Hanjiro II (mi. Ken Watanabe) unterrichtet seinen Zögling Kikuo (li. Ryō Yoshizawa) und seinen leiblichen Sohn und Erben Shunsuke (Ryūsei Yokohama) zusammen | © Shûichi Yoshida / ASP / Kokuho Film Partners

Helga Fitzner - 26. März 2026
ID 15766
https://www.palacefilms.com.au/kokuho


Post an Helga Fitzner

Dokumentarfilme

Fernsehfilme/ -serien

Heimkino

Neues deutsches Kino

Spielfilme, international

UNSERE NEUE GESCHICHTE



Hat Ihnen der Beitrag gefallen?

Unterstützen auch Sie KULTURA-EXTRA!    



Vielen Dank.



 

FILM Inhalt:

Rothschilds Kolumnen

BERLINALE

DOKUMENTARFILME

DVD

FERNSEHFILME

HEIMKINO

INTERVIEWS

NEUES DEUTSCHES KINO

SPIELFILME

TATORT IM ERSTEN
Gesehen von Bobby King

UNSERE NEUE GESCHICHTE
Reihe von Helga Fitzner



Bewertungsmaßstäbe:


= nicht zu toppen


= schon gut


= geht so


= na ja


= katastrophal

 


Home     Datenschutz     Impressum     FILM     KUNST     LITERATUR     MUSIK     THEATER     Archiv     Termine

Rechtshinweis
Für alle von dieser Homepage auf andere Internetseiten gesetzten Links gilt, dass wir keinerlei Einfluss auf deren Gestaltung und Inhalte haben!!

© 1999-2026 KULTURA-EXTRA (Alle Beiträge unterliegen dem Copyright der jeweiligen Autoren, Künstler und Institutionen. Widerrechtliche Weiterverbreitung ist strafbar!)