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Schwules Kino

Im Hochland



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Johnny ist 24 Jahre jung, lebt im kargen, kalten Yorkshire, das wegen seiner unwirtlichen Schönheit auch God’s own Country genannt wird, und muss für seinen durch einen Schlaganfall schwer gehbehinderten, verbitterten Vater (Ian Hart) an der Seite der nach außen hin ebenfalls unerbittlichen Großmutter (Gemma Jones) den kleinen Hof versorgen. Jeden Abend betrinkt er sich sinnlos, muss sich auskotzen und hat schon mal bei der Fahrt ins nächste Dorf schnellen, harten Sex mit jungen Männern. Als der etwas ältere, sanfte, gutaussehende und bedächtige Wanderarbeiter Georghe ihm für eine Woche helfen soll, ist Johnny brüsk abweisend, nennt ihn penetrant „Zigeuner“ und demütigt ihn, wo er nur kann.

Doch dann müssen die beiden sich notgedrungen gemeinsam in der Kälte des Hochlands um Schafe und ihre neugeborenen Lämmer kümmern. Dabei erweist sich Georghe als ebenso realistisch zupackend wie einfühlsam. Die gemeinsame Fürsorge um zunächst Kühe und dann Schafe bricht Emotionen auf, die einhergehen mit physischer Gewalt, die eigentlich Ausdruck körperlichen Begehren ist. Doch zumindest Johnny ist dafür noch nicht wirklich bereit. Ganz allmählich gelingt es dem Rumänen, Vertrauen und Zuneigung des zutiefst Verhärteten zu erlangen, der nur unter heftigem Widerstreben Nähe zulassen kann. Seine verhärmten Gesichtszüge hellen sich Stück für Stück auf, werden weicher und zugewandter, bis sie schließlich zu strahlen beginnen.

Doch beide Männer müssen noch einen weiten Weg gehen, um vielleicht doch noch zueinander und zu einem gemeinsamen Leben zu finden. Die Stationen dieses Wegs spielen der heute 27jährige Josh O’Connor und der 32jährige Alec Secareanu ungemein vielschichtig und authentisch. Auch der harte Yorkshire-Dialekt erzählt viel über die Figuren von Großmutter, Vater und Sohn, wie umgekehrt das Englisch mit weichem rumänischem Akzent einen ganz eigenen Charakter hören lässt.

Wer jetzt an Brokeback Mountain denkt, liegt keineswegs falsch, denn Regisseur Francis Lee zitiert manche Einstellungen des berühmten Films über zwei schwule Cowboys ebenso wie er Parallelen inszeniert. Wo Ennis und Jack permanent Bohnen aus der Dose am Lagerfeuer löffeln, sind es jetzt Plastikbecher mit Instantnudeln. Selbst die Szene gibt es, in der sich einer der Männer nackt in der Hocke wäscht - seinerzeit Jack, jetzt Georghe. Aber auch die Unterschiede sind mit Händen zu greifen: Johnny und Georghe gehen keine Scheinehe ein und treffen sich nicht nur einmal im Jahr zum Sex in den Bergen, sondern sie versuchen auszuloten, ob es eine Gemeinschaft auf dem elterlichen Hof des einen geben könnte, und zu welchen Bedingungen.

Dass am Ende auch dem Vater, der einen zweiten Schlaganfall erleidet, das Glück des Sohnes am Herzen liegt und die Großmutter ohne viel Aufhebens indirekt ihren Segen gibt, ist fast schon wieder zu schön, um wahr zu sein. Aber auch das gab es schon in Brokeback Mountain, nur dass da der Sohn schon tot war.

Francis Lee gelingt ein in seinen großartigen Bildern, den wortkargen Dialogen, den allmählich und dann mit ungeheurer Wucht aufbrechenden Emotionen beeindruckender Film, der zu Recht schon mehrfach preisgekrönt wurde.



God's Own Country mit Alec Secareanu und Josh O'Connor | (C) Edition Salzgeber

Klaus Kalchschmid - 25. Oktober 2017
ID 10338
Weitere Infos siehe auch: http://godsowncountryfilm.com


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