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Schwules Kino

Ein völlig untypischer Hollywoodfilm über die Liebe zwischen zwei Cowboys



Im Wyoming der frühen sechziger Jahre treffen die beiden jungen Arbeitssuchenden Jack Twist (Jake Gyllenhaal) und Ennis Del Mar (Heath Ledger) das erste Mal aufeinander, als sie auf einen Job bei einem Schafzüchter hoffen. In der ersten Einstellung sehen sich die beiden eher als Konkurrenten und beäugen sich misstrauisch und schweigend ganz in der Manier des wortkargen und einzelkämpferischen Cowboys. Doch der Schafzüchter stellt sie beide ein. Sie müssen einen Sommer lang in der Einsamkeit des Brokeback Mountain eine riesige Schafherde hüten. Das Verhältnis der beiden ist zunächst sehr wortkarg und vor allem der schweigsamere Ennis öffnet sich gegenüber Jack nur sehr zögernd. Dennoch nähern sich die beiden allmählich aneinander an. In einer eiskalten Nacht kommt es nicht zuletzt durch eine Menge Whisky zum Durchbruch der aufgestauten Emotionen und Triebe. Im ersten Moment ist es noch kurz unklar ob es in körperlichen Kampf oder körperliche Leidenschaft umschlägt. Doch es kommt zum ersten, noch recht brutalen Sex. Und obwohl beide am nächsten Morgen beteuern, dass sie nicht schwul sind, entwickeln sich im Laufe des Sommers tiefe Gefühle zwischen ihnen, auch wenn die ganze Zeit über ihnen schwebt, dass der Sommer ein Ende haben wird, und Ennis entschlossen ist danach zu heiraten.



Jack Twist (Jake Gyllenhaal)und Ennis Del Mar (Heath Ledger) | (C) Pathé Distribution


So passiert es dann auch. Ennis heiratet Alma (Michelle Williams), sie bekommt zwei Kinder, und das Ehepaar muss sich durch den Alltag schlagen, der von der Fürsorge für zwei Kleinkinder, Geldsorgen und harter Arbeit geprägt ist.

Jack schlägt sich zunächst etwas orientierungslos als Rodeoreiter durch, heiratet aber dann schließlich die Texanerin Lureen (Anne Hathaway) und wird ebenfalls Vater.

Übrigens glänzend inszeniert: Lureens Wandlung von einem natürlichen jungen Mädchen zu einer versteinerten künstlichen Blondine.



Lureen (Anne Hathaway) | (C) Pathé Distribution


Nach vier Jahren begegnen sich die Jack und Ennis das erste Mal wieder, als Jack aus Texas anreist und Ennis besucht. Dieses Wiedersehen ist die wohl stärkste Szene des ganzen Filmes: Jack und Ennis stehen einander gegenüber, sehen sich an und können sich nicht gegen die schlagartig wiederkehrende Leidenschaft wehren und fallen beinahe sofort übereinander her, obwohl Ennis Frau ganz in der Nähe ist. Und wohl erst jetzt erkennen sie, welches Glück sie vor vier Jahren gefunden hatten. Sehr herzzerreißend dargestellt ist übrigens auch die Situation von Ennis Frau, als sie mitbekommt, wen ihr Mann wirklich liebt und sich ständig belügen lassen muss.
Während Jack seine Gefühle aber annimmt und mit Ennis zusammen leben will, kann Ennis sich nicht aus seinem verinnerlichten Weltbild lösen. Die Vorstellung eines grausam verstümmelten Schwulen, den er in seiner Kindheit gesehen hat, lässt ihn nicht los und festigt seinen Entschluss, dass zwei Männer in seiner Welt nicht zusammen leben können. Fortan treffen sich die beiden alle paar Monate um ein paar Tage in der Bergeinsamkeit zusammen zum Fischen. Aber die langen Trennungen und die Kürze des Wiedersehens, überschatten das Zusammensein, so dass nur eine Schatten des einstigen Glücks bleibt. So gehen die Jahre seit dem ersten Sommer ins Land und obwohl Ennis mittlerweile geschieden ist, kann er nicht aus seiner Haut. Jack wird immer unzufriedener und wirft ihm vor, das Glück eines gemeinsamen Lebens ausgeschlagen zu haben. Und auch wenn Ennis immer etwas klotzig und verschlossen ist, leidet er jedoch genauso, hat aber nicht den Mut etwas zu ändern. „Wenn man etwas nicht ändern kann, muss man eben damit leben“, sagt er schon früher im Film.

Am Schluss stirbt Jack viel zu früh, und es bleibt für den Kinobesucher offen, ob auch er einer Schwulenfeindlichen Aktion zum Opfer fiel, oder bei einem Unfall umkam.

Unterstrichen wird die beginnende Liebesgeschichte durch die unglaubliche Berglandschaft der Rocky Mountains: baumlose Hänge, weiter Himmel, klare Flüsse, schwarze Wälder… Ebenso verfehlt das ärmliche Milieu in dem sie als Leute der weißen Unterschicht leben seine bedrückende Wirkung nicht.



Jake Gyllenhaal als Jack Twist | (C) Pathé Distribution


Brokeback Mountain ist in erster Linie eine unglaublich schöne und zugleich tragische Liebesgeschichte, die über zwei Dekaden erzählt wird, und wie alle schönen Liebesgeschichten findet die Liebe der beiden Protagonisten keine Erfüllung.
Der Film richtet sich keineswegs nur an ein Minderheitenpublikum, denn auch der heterosexuelle Kinobesucher kann angesichts dieser Liebesgeschichte nicht unberührt bleiben.

Brokeback Mountain ist sowohl in den USA als auch in Deutschland keineswegs unumstritten und hat eine gewaltige Diskussion ausgelöst: von der Gefährdung des American way of life, über die Demontage des Marlboroman und Cowboys als Ideal, der Verherrlichung und Propagierung der homosexuellen Liebe bis zur Darstellung des Ehebruchs wird dem Film fast alles vorgeworfen.

Dennoch ist er für acht Oscars nominiert worden und hat drei davon erhalten: beste Regie (Regisseur: Ang Lee), bestes adaptiertes Drehbuch und bester Soundtrack (Filmmusik: Gustavo Santaolalla)


Daniel Sohler - 25. März 2006
ID 2307
Brokeback Mountain
USA 2005
Regie: Ang Lee
Drehbuch: Larry McMurtry, Diana Ossana
Schauspieler: Jake Gyllenhaal, Heath Ledger, Michelle Williams, Anne Hathaway, Randy Quaid, Linda Cardellini, Anna Faris, Scott Michael Campbell, Kate Mara, Cheyenne Hill, Brooklynn Proulx, Tom Carey, Graham Beckel, Steve Eichler, Mary Liboiron, Roberta Maxwell, Steven Cree Molison, Hannah Stewart

Weitere Infos siehe auch: http://www.brokebackmountain.de



 

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