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Besprechung


Quand j’étais chanteur

Regie: Xavier Grannoli

Gérard Depardieu, Cécile de France, Mathieu Amalric, Christine Litti, Patrick Pineau

F 2006, 112 Minuten

Verleih: Prokino

„Ich streue Klatschmohn-Samen auf den Weg der unendlichen Liebe“


Der in die Jahre gekommene Alain Moreau (Gérard Depardieu) singt samstags in ländlichen Tanzdielen „kleine“ Lieder der französischen Großmeister von Jacques Brel bis Serge Gainsburg. Dazu tanzt ein Publikum den Madison, von dem man meint, er wäre schon längst aus der Mode. Das Publikum liebt Alain. Im Einzugsgebiet Clermont-Ferrand ist er der Star. Aber nur da. Doch Alain schert das nicht.

Als der Wohnungsmakler Bruno (Mathieu Amalric) ihm seine Angestellte Marion (Cécile de France) vorstellt, ist es um Alain geschehen. Er verliebt sich in sie. Doch halb so alt wie er und anders gestrickt, findet sie nichts an ihm.

In dem dritten Langspielfilm Quand j’étais chanteur praktiziert der 34-jährige Franzose Xavier Grannoli einen Regiestil, den er den „den Augenblick einfangen“ nennt. Er geht jeder Sentimentalität in Ruhe nach, jede Regung kann miterlebt werden.
Die gebürtige Belgierin Cecile de France (L’Auberge espagnole – Barcelona für ein Jahr 2002) brilliert in dieser Rolle. Von Kindesbeinen an spielte die 31-Jährige Theater und nahm Schauspielunterricht. Chanson d’amour lief bereits mit großem Erfolg in Cannes 2006.
Mathieu Amalric arbeitete bereits mit Xavier Grannoli bei seinem Kurzfilm L’Interview zusammen.
Als smarter Geschäftsmann dient Marc,(Mathieu Amalric), der sich bei der gleichaltrigen Marion auch Chancen ausrechnet, als Nebenbuhler. Alains Unsicherheit sowie den Altersunterschied hebet er besonders hervor hebt.
Gérard Depardieu, brilliert in diesem Film als Schauspieler und Sänger.

Alain benutzt die Suche nach einem neuen Haus, um sich mit Marion zu verabreden, Sie durchschaut Alains Absichten. Optisch ist Alain eine Katastrophe, Dackelblick, Glitzerhemd in XXL, blondierte Strähnchen-Frisur, raucht, schwitzt - und unfassbar, vom Handgelenk baumelt das Herrenhandtäschchen. Diese gelebte Peinlichkeit ist grauenhafter weise derzeit wieder auf dem Vormarsch. Die moderne Marion ist irritiert.

Verleih: Prokino
„Man wird altmodisch, wenn man lange bleibt“, sagt Alain als hinreichende Erklärung für seine optische Erscheinungsform, die man ihm sofort verzeiht, wenn er zu singen beginnt: „Gib dich hin...“ Bei seinen Auftritten ist er selbstbewusst und geschmeidig, singt bestellte Lieder, gibt höflich Autogramme. Echte old-school.

Verleih: Prokino
Bei den Treffen mit der jüngeren Marion wirkt er dagegen verloren wie ein wilder Bär, der ausgewildert werden soll und doch lieber zu Hause bleiben möchte.

Der Rest dieser bittersüßen Liebes-Geschichte ist schnell erzählt.
Marion und Alain landen natürlich im Bett. Es wird nicht besser. Sie kommt damit nicht klar, lässt sich danach verleugnen. Doch gegen den authentischen Alain kommt die kühle Gazelle nicht wirklich an.
Zu Hause in seinem frischen stein-grauen Landhaus, wenig aufgeräumt, kann er normalerweise gut entspannen. Doch seine unerwiderte Liebe treibt ihn in die Verzweiflung.
An dieser Stelle kommt ein Mal ein Hohelied auf den französischen Film. Im deutschen Film würde ein Mann, derart abgeblitzt, in rabenschwarze Depression abtauchen mit Drama und Tragödie hochdrei. Der Franzose wird an dieser Stelle zwar auch sehr sentimental. Doch dann fängt er an zu singen, zu tanzen oder Wein zu trinken, oder alles zusammen - und kommt wieder auf die Beine. Sehr oft hilft ihm die Exehefrau, hier Michéle, Christine Citti, dabei.
So scheint es auch im wahren Leben von Gérard Depardieu zuzugehen. Deshalb ist der Film Quand j’étais chanteur kein klassisches Come Back, sondern nur eine weitere Arbeitsprobe eines vielfältigen und vielversprechenden Schauspielers mit Schaffenspausen. Von Asterix bis Alain, Gallier und Nachtclubsänger, Gérard Depardieu ist und bleibt gut.


Verleih: Prokino
„Ich brauchte hier gar nichts anderes zu tun, als ich selbst zu sein und Freude daran zu haben“, sagt er zu seiner Rolle. Das tut er hinreichend. Singen kann er auch.
Kann sein, dass er sich in Quand j’étais chanteur an Weichheit und Sensibilität übertrifft. Aber diesem Liebesfilm schadet es nicht. Im Gegenteil.
Quand j’étais chanteur ist ein filmisches Sahnestück, lustig, traurig, herzzerreißend - und voller Poesie.


Hilde Meier - Red.-Berlin / 01. Februar 2007
ID 00000002963

BerlinerInnen und Berlinale-BesucherInnen können sich freuen. Gerard Depardieu ist bald wiedersehen. Er spielt im Eröffnungsfilm (08.02.- 18.02.2007) in La Vie en Rose, mit. Und auch in natura wird er erwartet. Wir freuen uns auf La Mome, La Vie en Rose von Oliver Dahan.
Mit Marion Cotillard, Gérard Depardieu, Sylvie Testud, Jean-Paul Rouve und Pascal Greggory.
www.berlinale.de

Andere Menschen müssen warten bis der Film im Kino läuft.

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