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Filmbesprechung


Kinostart: 30.08.2007

Großbritannien/USA/Spanien 2007, Regie: Juan Carlos Fresnadillo

Film: 28 Weeks Later

Darsteller: Robert Carlyle, Rose Byrne, Jeremy Renner, Harold Perrineau, Catherine McCormack, Mackintosh Muggleton.


Dass sich einige jüngere Vertreter des zeitgenössischen Terror-Kinos erkennbar von den gelackten und zumeist jugendfreien Hollywood-Adaptionen vorwiegend fernöstlicher Spukgeschichten unterscheiden, dürfte mittlerweile auch dem nur sporadischen Anhänger des mehr oder weniger gekonnt in Szene gesetzten Schlachtfestes aufgefallen sein. Denn selten nahm die ohnehin gerne Verwesung und Fäulnis abfilmende Kamera die derart ungeschönte Position eines hartgesottenen Beobachters ein wie zuletzt: Stets mittendrin statt nur dabei und selbst in den gemäßigten Sequenzen wenigstens noch auf nicht überschminktem menschlichen Makel, schlechten Zähnen und Hautunreinheiten verharrend, ganz so, als solle dem Besucher eines solchen Streifens immer auch ein Spiegelbild des eigenen körperlichen Verfalles entgegen gehalten werden. Und wenn dieser Grad an Naturalismus gewiss nicht jedermanns Sache ist - ich persönlich halte ihn für begrüßenswert, kann der dem Horror-Freund wohl stets latent immanente Masochismus durch eine entsprechend gezeichnete Realität doch konsequent weitergefüttert werden.
Genau wie sein Vorläufer ist auch „28 Weeks Later“ ein beinahe typisches Ziehkind der oben genannten Auswüchse - und sicherlich von einer beinahe ebenbürtigen Radikalität. Sieben Monate nach Übertragung des Virus, welches den britischen Normalbürger binnen Sekunden in einen Blut speienden Tobsüchtigen verwandelte, scheint so etwas ähnliches wie trügerische Ruhe im Königreich eingekehrt zu sein: Die einstmals Infizierten sind mittlerweile schlicht verhungert und belasten die gespenstisch entvölkerte Umgebung als mumifizierter Sondermüll, während die NATO unter der Federführung amerikanischer Truppenverbände damit beginnt, militärisch abgeschirmte Teile Londons neu zu besiedeln. Gerade in Anbetracht des starken Aufgebotes großkalibriger Waffen und einer vermeintlich lückenlosen Überwachung sollte es für den Kenner der Materie indes keine Überraschung darstellen, dass die Gefahr selbstverständlich noch nicht zur Gänze eingedämmt worden ist…
Ziemlich geschickt kombiniert der spanische Regisseur Juan Carlos Fresnadillo die Versatzstücke des Genres und bastelt nicht zuletzt auch deshalb bei weitem mehr als eine reine Fortsetzung. Die Grundidee, dass die Familie im Chaos der gesellschaftlichen Auflösung nur bedingt Schutz vor Ungemach bieten kann, ist zwar nicht gerade taufrisch; wenn aber die eigentliche Bedrohung erst in Folge der verwandtschaftlichen Liebe und eines ebensolchen Schuldgefühles erwächst, dann gestaltet sich die zugrunde liegende Botschaft eben doch wesentlich subversiver als zunächst vielleicht angenommen. Und wie es sich für eine offenbar überwiegend mit europäischen Geldern finanzierte Produktion gehört, geizt man natürlich nicht mit grimmem politischen Sarkasmus: Die Momente, in denen die Unmöglichkeit der lokalen Begrenzung des erneuten Ausbruches realisiert wird und die eigentlich zum Schutze abgestellten Soldaten den uneingeschränkten Schießbefehl auch hinsichtlich der in Panik fliehenden Zivilisten erhalten, gehören zu den wohl am nachhaltigsten wirkenden. Dass damit - möglicherweise völlig ungewollt - ein alles andere als positiver Kommentar zu den aktuellen transatlantischen Beziehungen abgegeben wurde, der zwar ungleich plakativer, aber bei weitem deutlicher als so manche öffentlich-rechtliche Podiumsdiskussion daherkommt, rundet den Gesamteindruck jenes Werkes hier zudem noch durchaus positiv ab.


Daniel Dohmel - red. / 11. September 2007
ID 00000003430

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