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Filme


Großbritannien, USA 2004

„Wenn Träume fliegen lernen“

Regie: Marc Forster

Starttermin: 10.02.2005

Kinder hatten unschuldige kleine Engelchen zu sein oder waren Abziehbilder von Erwachsenen. Herumtoben, Tagträumen und Widerworte wurde nicht toleriert. Als 1904 das Theaterstück „Peter Pan“ auf die Bühne gebracht wurde, läutete dies endlich eine Zeitenwende an. Peter Pan, der Junge, der nicht erwachsen werden will und in seiner Phantasiewelt „Niemalsland“ gegen den garstigen Kapitän Hook kämpft, wird zur Verkörperung einer neuen Ära, die man als das „Jahrhundert des Kindes“ bezeichnet. Plötzlich ist da etwas gesellschaftsfähig, was wild und unkontrollierbar ist, gar nicht immer artig und doch von ungeheurer kreativer Kraft: Das kindliche Vorstellungsvermögen.

Der Autor des Stücks, James Matthew Barrie, sieht sich nach dem Erfolg der Inszenierung gezwungen, die Geschichte auch in Prosa zu veröffentlichen. Bis heute gibt es in Großbritannien und den USA kaum ein Kind, das nicht mit dieser Story aufgewachsen ist. Steven Spielberg verfilmt 1991 mit „Hook“ eine Variante des Stoffes und 2003 gibt es mit „Peter Pan“ eine Filmversion von P. J. Hogan, die der Originalvorlage schon relativ nahe kommt. Viele Literaturwissenschaftler sehen den Ursprung von Peter Pan in Barries Kindheitserlebnissen.

J. M. Barrie wird 1860 in Schottland geboren. Er hat einen Bruder namens David, der sieben Jahre älter ist als er. David ist der erklärte Liebling der Mutter. Als er bei einem Unfall ums Leben kommt, ist die Mutter gebrochen. Der kleine James versucht alles, um in die Fußstapfen des großen Bruders zu treten. Er ahmt ihn nach, zieht sogar seine Kleider an. Davids Stelle im Herzen der Mutter wird er niemals einnehmen. Für Barrie ist die Schwelle zum Erwachsenwerden eine Hürde, die er nie wirklich überwindet. Er wird immer versponnener und zieht sich in seine Phantasiewelten zurück. Er hört mit rund 1.50 Meter sogar auf zu wachsen. Trotzdem wird er zu einem der erfolgreichsten Autoren seiner Zeit, der sich durch Satire, Bissigkeit und Gesellschaftskritik hervortut und in den intellektuellen Literatenzirkeln zu Hause ist. In der Gesellschaft von Kindern aber fühlt er sich am wohlsten. Diese Neigung ist so auffällig, dass sich Biographien mit der Frage auseinandersetzen, ob da gegebenenfalls pädophile Präferenzen eine Rolle spielen. Dies wird aber einhellig verneint.


Barrie (Johnny Depp) und Peter (Freddie Highmore)

Eines Tages lernt Barrie (Johnny Depp) den Jungen Peter Llewelyn-Davies kennen, der das Vorbild für die Figur des Peter Pan wird. Hier setzt der Film „Wenn Träume fliegen lernen“ ein. Peter (Freddie Highmore) und seine Brüder werden zu den liebsten Spielgefährten des Autors. Gemeinsam entwickeln sie Abenteuer und Geschichten, die für Barries Stücke zur Inspiration werden. Die Jungen haben eine attraktive Mutter, die verwitwet ist. Barrie verkehrt ohne Einschränkungen im verarmten Haushalt der Sylvia Llewelyn-Davies (Kate Winslet), was um 1900 ungewöhnlich, wenn nicht sittenwidrig ist. Der Vater der Kinder ist bereits gestorben und schon bahnt sich der nächste Schicksalsschlag an. Auch die Mutter erkrankt schwer. Barrie beobachtet, wie die Erkenntnis des Ernstes der Lage ihren Sohn George von einer Minute zur anderen erwachsen werden lässt. Den kleineren Brüdern will Barrie das ersparen und versucht, deren Kindheitsparadies so lange wie möglich aufrecht zu erhalten. Die Abenteuer des Peter Pan sind ein Gemisch aus verschiedenen Genres. Piraten kommen darin vor, Indianer, Waisenjungen, eine Elfe, ein Krokodil. Dies bündelt Barrie zu einem Feuerwerk an Phantastereien, wie es das bis dahin noch nicht gegeben hat.

Johnny Depp und Kate Winslet

Regisseur Marc Forster hat die Story behutsam umgesetzt. Er hat auf Spezialeffekte weitgehend verzichtet und verlässt sich auf den Charme seiner Darsteller, insbesondere der vier Jungen. Mit aufwendiger Ausstattung, sorgfältig gesetztem Licht und bezaubernden visuellen Einfällen gelingt ihm ein farbenprächtiges Stimmungsbild, das aber noch Raum lässt für eigene Träumereien des Zuschauers. Ein paar Details aus dem wirklichen Leben der Figuren lässt er der Einfachheit halber weg oder verändert sie. Die Schauspieler sind ausnahmslos phantastisch, allen voran Johnny Depp, der im Original mit schottischem Akzent spricht, und Kate Winslet als vierfache Mama. Julie Christie spielt die strenge Großmutter der Kinder und Dustin Hoffmann den gestressten Theaterfreund und Mäzen von Barrie. Das natürliche Spiel der Jungmimen Freddie Highmore (Peter), Joe Prospero, Luke Spill und Nick Roud (George) zeugt von einer themengerechten Atmosphäre am Set.

Die historischen Brüder hatten keine Wahl, ob sie erwachsen werden wollten oder nicht. 1910 starb ihre Mutter und machte sie damit zu Vollwaisen. 1914 brach der Erste Weltkrieg aus, aus dem George nicht mehr zurückkehrte. Peter Pan aber ist jetzt über hundert Jahre alt, ein zeitloses Plädoyer für die Imagination.


Helga Fitzner, 10. Februar 2005
ID 1610
Bilder: Buena Vista

Weitere Infos siehe auch: http://www.wenn-traeume-fliegen-lernen.de






 

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