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Rezension


„Jane Eyre“ (Großbritannien 2011)

Regie: Cary Joji Fukunaga

Starttermin: 1. Dezember 2011

Seit seinem Erscheinungsjahr 1847 macht der Roman „Jane Eyre“ von Charlotte Bronte Furore und beeindruckt und beeinflusst Generationen von heranwachsenden Frauen. 18 Kinofilme (von 1910 bis 1996) und zahlreiche Fernsehfassungen des Stoffes zeugen von der Universalität und Zeitlosigkeit der jungen Heldin Jane Eyre, die gegen alle Widerstände um ihre Selbstbestimmung kämpft. 1944 inszenierte Robert Stevenson unter dem Titel „Die Waise von Lowood“ eine legendäre Kinoversion mit Orson Welles, Joan Fontaine und der damals 12-jährigen Elizabeth Taylor in einer Nebenrolle. Jetzt hat das Regie-Nachwuchstalent Cary Joji Fukunaga die möglicherweise bestimmende Filmversion für das 21. Jahrhundert geschaffen. Das Drehbuch stammt von der renommierten Autorin Moira Buffini. Mit dem neuen Stern am Filmhimmel, Mia Wasikowska, wurde die komplexe Titelrolle mit einer Jung-Schauspielerin besetzt, die nur wenig älter ist, als die 18-jährige Jane Eyre. Wasikowskas Jugend und ihre Schauspielkunst sind Garant für das Gelingen des Films.

Die Romanvorlage ist chronologisch. Da es sich in einem Film nicht gut macht, wenn erst im letzten Drittel neue Hauptfiguren eingeführt werden, hat Moira Buffini in der Mitte der Handlung angefangen, erzählt in Rückblenden die Vorgeschichte und dann das Ende. Diese Erzählstruktur hat in der letzten Zeit Überhand gewonnen, da mittlerweile viele Filme und Fernsehspiele mit einem Höhepunkt beginnen und hinterher dann die Handlung verschachteln. Im Fall von „Jane Eyre“ ist das so geschickt gemacht, dass es nicht sinnfrei ist und aufgesetzt wirkt. Im Gegenteil lässt es die sehr wichtigen Figuren der Familie Rivers zur Geltung kommen, die in anderen Fassungen oft gekürzt werden oder gar nicht vorkommen.

Eine junge Frau (Mia Wasikowska) flieht aus einem riesigen Anwesen. Sie läuft durch ein Unwetter und durch eine unwirtliche Landschaft, bis sie vor einem Haus zusammenbricht. Dort lebt der junge Geistliche St. John Rivers (Jamie Bell) mit seinen beiden Schwestern Diana (Holliday Grainger) und Mary Rivers (Tamzin Merchant). Die nehmen Jane bei sich auf und pflegen sie gesund. Jane gibt ihre wahre Identität nicht preis, fühlt sich aber bald so, dass sie zur Familie gehört. Nach ihrer Genesung unterrichtet sie in einer kleinen Dorfschule und führt ein ruhiges und beschauliches Leben.

Bei St. John Rivers (Jamie Bell) hat Jane Eyre (Mia Wasikowska) vorübergehend ein neues zu Hause gefunden © Tobis Film
Das war nicht immer so. Jane ist ein Waisenkind, das zunächst bei seiner Tante Mrs. Reed (Sally Hawkins) aufwuchs. Ungeliebt und von den leiblichen Kindern der Tante verachtet und schikaniert, setzt sich die kleine Jane (Amelia Jackson) eines Tages gegen ihren älteren Cousin zur Wehr. Als Folge wird sie in das Waisenhaus des Mr. Brocklehurst eingewiesen. Dort herrschen Disziplin, Unterdrückung, Misshandlung, Hunger und Kälte. Jane hat nur eine Freundin dort, die etwas ältere Helen Burns (Freya Parks). Die stirbt jedoch an Folgen der Schwindsucht. Als Jane 18 Jahre alt ist, bewirbt sie sich um eine Stelle als Erzieherin, denn sie hat trotz aller Missstände in Lowood eine gute Ausbildung genossen. Es antwortet eine Mrs. Fairfax (Judi Dench) vom Gut Thornhill, die für das Mündel des Hausherrn eine Gouvernante sucht. Jane bekommt die Stelle und wird zum ersten Mal in ihrem Leben menschenwürdig gehandelt. Sie hat ein warmes Zimmer und genug zu essen, aber Jane wäre nicht DIE Jane Eyre, wenn das schon alles wäre.

Schon als Kind hatte sie einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn, oder anders gesagt, sie hat besonders stark unter Ungerechtigkeiten gelitten. Sie lebt in der Viktorianischen Zeit, die durch viele Restriktionen gekennzeichnet ist, von denen insbesondere Frauen extrem eingeschränkt wurden. Das lässt Jane keine Ruhe, denn sie ist fest im Gleichheitsgedanken des Menschen verankert. Als der unkonventionelle und rätselhafte Hausherr von Thornhill Mr. Rochester (Michael Fassbender) mit ihr anbandelt, wehrt sie sich aber zunächst, weil eine Beziehung mit ihm nicht standesgemäß wäre. Tief im Herzen ist er jedoch die Liebe ihres Lebens, was sich auch nicht ändert, als sie eines Tages ein schlimmes Geheimnis erfährt und fluchtartig das Anwesen verlässt.

Unziemliche Liaison: Jane (Mia Wasikowska) hat sich in den Hausherrn Mr. Rochester (Michael Fassbender) verliebt © Tobis Film
Bei der Familie Rivers fühlt sie sich wohl, weil sie dort Gleiche unter Gleichen ist. Dieses „Gleichgewicht“ wird aber gestört, als St. John Rivers sie heiraten will. Der Ehestand im Viktorianischen Zeitalter ist ein Stand der Rechtlosigkeit für Frauen. Außerdem liebt Jane ihren Mr. Rochester, auch wenn sie ihm nicht ebenbürtig ist. Sie hat zwar eine Ausbildung, die einer Dame der Gesellschaft würdig ist, aber sie hat außer einem Onkel in Übersee keine Familie und kein Vermögen. Eines Tages überschlagen sich die Ereignisse. St. John findet heraus, wer sie ist und es kommt zu einem metaphysischen Ereignis...

Der Schulleiter und Pfarrer Brocklehurst (Simon McBurney) will Janes (Amelia Jackson) rebellischen Geist brechen © Tobis Film
Das Viktorianische Zeitalter ist auch geprägt von der Religion, die einen sehr repressiven Charakter hat. Jane begegnet ihr in unterschiedlichen Formen. Da ist der unbarmherzige Schulleiter Mr. Brocklehurst, der die Waisenkinder leiden lässt, als Repräsentant von Kirche, dann die schicksalsergebene Helen Burns, die ihre Leiden und ihr Sterben mit zufriedenem Gleichmut erträgt und St. John Rivers, der wesentlich barmherziger ist, als Brocklehurst, aber doch eher die dem Leben abgewandtere Variante des Glaubens vertritt. Jane hat da ihre eigenen Prioritäten. Sie war immer ehrlich, mitunter etwas zu direkt, hat sich nie an Schwächeren vergriffen, wie ihr selbst das immer wieder passiert ist, und Gutes bewirkt, wo sie konnte. Sie ist eine sehr frühe Repräsentantin eines Glaubens der Freiheit und Gleichheit, wie er im Urchristentum noch vorhanden war. Das ist wohl auch einer Faktoren, die Jane so zeitlos macht. Dabei ist sie nicht ohne Ecken und Kanten, da ihr Geist ein durchaus rebellischer ist, da sie Gleichheit einfordert ohne Ansicht ihres Geschlechts, Vermögens oder Standes. Dabei muss sie sich inneren und äußeren „Dämonen“ stellen. Sie ist sozusagen der Harry Potter ihrer Zeit.


Helga Fitzner - 30. November 2011
ID 00000005512

Weitere Infos siehe auch: http://www.janeeyre.de





 

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