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Interview

Im Gespräch mit Leander Haußmann, der den sechsten Fall des Polizeiruf 110-Kommissars Matthias Brandt verfilmt hat



Leander Haußmann - Foto (C) BR/EIKON Süd/Barbara Bauriedl


Spielwiese statt Korsett

Im neuen Münchener Polizeiruf 110, der am Sonntag in der ARD läuft, ist der von Matthias Brandt verkörperte Kriminalhauptkommissar Hanns von Meuffels mit dem Fall einer ermordeten Mutter konfrontiert. Deren Lebensgefährte hat mit viel Geld und Engagement einen elitären Kindergarten aufgebaut, in denen übervorsorglichen Eltern die optimale Förderung und Betreuung ihrer Kinder versprochen wird. Doch schnell muss der Kriminalist feststellen, dass der vermeintlich so heile und perfekte Ort Schauplatz zahlreicher zwischenmenschlicher Auseinandersetzungen ist. Die Folge Kinderparadies glänzt dank der Regie von Leander Haußmann mit intensiver Atmosphäre, kinotauglicher Optik und beeindruckenden schauspielerischen Leistungen, darunter auch von Haußmanns Lebensgefährtin Annika Kuhl als Kindergartenleiterin.

Im Interview bekennt Leander Haußmann, dass dieser Polizeiruf nach einem Drehbuch von Autor Daniel Nocke wahrscheinlich nicht der letzte war, den er inszeniert hat. Denn er sieht für Kinofilmregisseure wie ihn gute Möglichkeiten, für das Fernsehen der Zukunft „innovative Geschichten und Bilder“ zu entwickeln...



Leander Haußmann: "Ich würde auch gerne eine ganze Serie anschieben und entwickeln, die ich nicht unbedingt selber umsetzen müsste. Ich sehe da jedenfalls ein großes Potential, weil man sagen kann, Kino und Fernsehen haben sich wieder angenähert. Auch, was die Bilder betrifft, sehe ich keine Unterschiede mehr zwischen Kino und Fernsehen – wo soll der sein, wo heute die Technik überall hervorragende Bilder erlaubt? Selbst die Omis haben inzwischen Flachbildschirme zu Hause."


Gibt es heute mehr Freiheiten als früher, etablierte Sendeplätze kreativ zu nutzen?

Haußmann:
"Zu wissen, dass sich alles ändern kann und das, was gestern gut funktioniert hat, morgen nicht mehr funktionieren kann – das kennen die Ostler als Negation der Negation. Als eines der grundlegenden Gesetze, auf denen der Marxismus aufbaut. Dieses immerwährende Negieren, das jeder Kapitalist und jeder Verbrecher kapieren muss, um weiter zu existieren, betrifft auch das Fernsehen, das an einem Punkt angelangt ist, wo es sich verändern muss, wenn es noch funktionieren soll. Das Kino natürlich auch. Es geht um ein Weiterentwickeln der Geschichten, die wir erzählen. Da glaube ich, dass es nicht ehrenrührig ist, wenn man als Regisseur sagt, das wäre vor ein paar Jahren ein Kinofilm gewesen, den mache ich jetzt fürs Fernsehen oder das Internet – in einer so hohen Qualität, das ihn sich jeder mit einem Beamer zu Hause auf die große Wand projizieren kann. Wenn man das Geld dafür bekommt! Deshalb gibt es ja die neuen Finanzierungsmodelle wie Crowd Funding. Aber ich muss zugeben, dass wir diesem Phänomen mit allem, was dranhängt, Fragen der Finanzierung, des Urheberrechts etc. noch etwas hilflos ausgeliefert sind."


Sehen Sie im Polizeiruf so eine Verpackung für Innovationen?

Haußmann:
"Auf jeden Fall! Vor allem ist der Kommissar, den Matthias Brandt spielt, eine Figur, mit der man Sachen ausprobieren kann. Da kann man sicher sein, dass Matthias Brandt einen nicht ausbremst und sagt, 'mein Kommissar ist aber soundso', sondern mit ihm eine Spielwiese betreten kann. Vielleicht funktionieren auch manche alte Ideen in den neuen Medien wieder. Auch amerikanische Western und Vampirserien, das interessiert mich sehr, wenn die mutig und frech gemacht sind und sich trauen, neue Themen anzusprechen. Und meistens sind es ja einzelne Personen, die so etwas ermöglichen und fördern. Deshalb brauchen wir Verantwortliche, die sagen, 'Das möchte ich nicht um 23 Uhr bringen, sondern um 20 Uhr 15.'"


Hatten Sie bestimmte Ambitionen, auch mit einem TV-Krimi Kino-taugliche Bilder zu liefern?

Haußmann:
"Ich empfinde unseren Krimi nicht als ambitioniert, das klingt für mich negativ. Ich wollte die Geschichte, die ja ein existentielles Menschendrama ist, was viele Menschen betrifft, ansprechend erzählen und etwas aus dem Üblichen herausheben. Der Kommissar entwickelt Empathie für das Kind – und muss dann erleben, wie es in Gefahr gerät. Mit Doris Marianne Müller, die die kleine Lara spielt, hatten wir natürlich viel Glück."





Leander Haußmann (re.) bei den Dreharbeiten zur Polizeiruf 110-Folge Kinderparadies - Foto (C) BR/EIKON Süd/Barbara Bauriedl


Max-Peter Heyne - 24. September 2013
ID 7179
Weitere Infos siehe auch: http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/polizeiruf-110/sendung/kinderparadies-100.html


Post an Max-Peter Heyne



 

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