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Interview


Filmstart: 20. Dezember 2012

Huck Finn (D 2012)

Mit Kurt Krömer & Michael Gwisdek



Zwei glorreiche Halunken

Nach dem Erfolg der deutschen Verfilmung des Mark-Twain-Jugendbuchklassikers Tom Sawyer kommt nun die Fortsetzung Huck Finn in die deutschen Kinos, die Regisseurin Hermine Huntgeburth an Brandenburger Seen und Flusslandschaften Rumäniens gedreht hat. In überzeugend nachempfundener Wildwest-Kulisse agiert eine Riege populärer deutscher Darsteller, die sichtlich Spaß daran hatten, ihren Figuren bisweilen ins kindgerecht-karikaturenhafte zu übersteigern.




Wird Huck (Leon Seidel, re.) es schaffen, Jim (Jacky Ido, li.) aus der Gefangenschaft zu befreien? - Foto (C) Majestic/Tom Trambow



Vor allem Henry Hübchen, Andreas Schmidt und Milan Peschel, die den per Floß über den Mississippi fliehenden Huck Finn (Leon Seidel) und dem Sklaven Jim (Jacky Ido) als Sklavenjäger dicht auf den Fersen bleiben, drehen mächtig auf. Michael Gwisdek und Kurt Krömer haben als Gaunerpaar König und Herzog in der zweiten Hälfte des Films die schwierige Aufgabe, ihre Kollegen zu überholen ohne aufzuholen. Ein Interview mit den beiden gleicht einer Ping-Pong-Partie einer gegen zwei bei wechselnder Paarkombination und ohne Regeln, bei der heftigst berlinert wird und sich der Rote Faden immer wieder aufzulösen droht.


* * *



Herr Gwisdek, wie würden Sie Kurt Krömer beschreiben, wenn ich Sie einlade und Sie ihn zu meiner Party mitbringen möchten?

Michael Gwisdek:
Als Mensch ist er das Gegenteil von dem, den alle aus dem Fernsehen kennen, also feinfühlig, sensibel, intelligent, vorsichtig. Auf der Bühne ist er die Rampensau, die alle fertigmacht. Aber ohne Bühne traut er sich das nicht! Wenn Sie mich also zu Ihrem Geburtstag einladen, und mir sagen, ich kann noch jemanden mitbringen, dann würde ich den Krömer anstelle von meiner Frau durchaus mitnehmen. So war die Frage doch gemeint?

Kurt Krömer (zu Gwisdek): Vorsicht, dit is ne Fangfrage – um rauszukriegen, ob Du zu Hause Stress hast.

Gwisdek: Wenn ick den Krömer mitnehme, dann kann ick mal entspannen, weil ich nicht die ganze Zeit den Pausenclown machen muss – dann kann er mal ran.


Herr Krömer, wie würden Sie denn umgekehrt Herrn Gwisdek beschreiben?

Krömer (spöttisch):
Dass er genau so ist wie im Fernsehen: eine Rampensau, unverschämt und dass man aufs Besteck uffpassen muss.

Gwisdek (lacht): Sie sehen, wir gehören zu der Kategorie Menschen, die glauben, sie haben nur ein Leben – also ich zumindest. Ich vertröste mich nicht auf das Danach.


Erwarten auch die Mitarbeiter am Drehort, dass sie beide Faxen machen und für Spaß sorgen?

Gwisdek:
Wir haben schon ganz ernsthaft gearbeitet, denn wir sind ja Profis. Aber beim Film gibt es ja immer lange Wartezeiten – und da zeigt sich schon, dass wir etwas lustiger veranlagt sind als Andere.

Krömer: Wenn wir bei Huck Finn nicht gedreht haben, dann haben wir die Truppe schon gut unterhalten, glaube ich. Viele waren jedenfalls traurig, als wir nach vier Tagen schon wieder abgereist sind.


Haben Sie beide einen ähnlichen Humor oder gibt es Unterschiede?

Gwisdek:
Weil wir beide die Angewohnheit haben, Dinge auch ernst zu sagen, wissen oft nur wir beide, was ernst gemeint ist und was nicht. Ansonsten haben wir ganz unterschiedliche Arten des Timings. Aber da reden wir über Berufsgeheimnisse.

Krömer: Mit Gwisdek ist die Frage ganz einfach: Macht man mit oder kriegt man eins rein? Einmal hatten wir eine Szene, wo ich einen riesigen, meterlangen Hut aufhabe, den er mir vom Kopf schlagen sollte. Er schlägt mir aber mitten ins Gesicht – angeblich aus Versehen. Ich weiß bis heute nicht: War das eine Laune? Einfach mal den Kleindarsteller zusammenschlagen?

Gwisdek (verschmitzt): Ich verstehe mich ja eher als Action-, denn als intellektueller Schauspieler. Und als solcher bin ich präzise. Aber zum ersten Mal in meinem Leben habe ich nicht getroffen, sodass ich anschließend darüber nachdachte, ob die Zielgenauigkeit im Alter doch nachlässt. Also: der Treffer war nicht geplant.

Krömer (zu Gwisdek): Bei mir hätten alle gedacht, der ist egomanisch und dreht durch. Du schiebst es einfach aufs Alter.


Huck Finn sieht so aus, als hätten Sie auch im wörtlichen Sinne recht dreckige Dreharbeiten gehabt.

Gwisdek:
Einmal hieß es, „lauft mal richtig mit Dampf vom Floß runter zum Ufer“, und da war ich cleverer als Kurt. Da habe ich ihn vorlaufen lassen und anschließend mussten wir ihn eine halbe Stunde lang aus dem Schlamm ziehen. Meine Mutter hatte immer einen Trick: Wenn man in unsicherem Gewässer unterwegs ist, schnell einen Stock zwischen die Beene, damit man nicht tiefer absackt. (Grinst.)



Im Film sind Sie zwei Hochstapler, die sich unter anderem als Schauspieler, als fahrendes Volk, verdingen. Kam Ihnen das irgendwie bekannt vor?

Gwisdek:
Na klar, ohne so eine Veranlagung kann man diesen Beruf nicht ausüben. Man braucht zumindest genügend Selbstvertrauen. Aber man stapelt ja auch hoch, wenn man eine Frau kennenlernt.


Apropos Frauen. Macht der Erfolg als Schauspieler sexy?

Gwisdek:
Also ich habe nie erwähnt, dass ich Schauspieler bin, wenn ich eine Frau kennengelernt habe. Ich habe immer behauptet, ich sei Verlader in einer Verladerbrigade. (Grinst.)

Krömer:
Da ist ja nicht so, dass man mit einem Schild durch die Gegend läuft, auf dem steht, „ich bin im Fernsehen, nun mal hinten anstellen“.


Gar keine Groupies?

Gwisdek:
Bei Kurt schon! Früher hatte ick ein paar Damen, die standen hinterm Theater in Karl-Marx-Stadt, heute Chemnitz, aber da war ich 27. Beim Dreh von Huck Finn in Bulgarien war ich schon sauer, dass die Frauen alle beim Kurt dranhingen, und dass er auch keine abgegeben hat. Naja, das gehört nicht hierher…


Herr Krömer, Sie haben von Herrn Gwisdek sicherlich noch einiges lernen können?

Gwisdek (grinst):
Wir wollen jetzt nicht das Thema Sexualität ansprechen…


Ich meinte eher, dass Sie beide in Zukunft vielleicht öfter zusammen auftreten?

Krömer:
Nee. Ick bin ja keen Schauspieler, sondern ein komischer Darsteller. (Ernst.) Aber dass ich jetzt anfange, Gwisdek als großartigen Schauspieler zu verwursten, und ihn bitte, mir bei den Bühnenshows das Wasser zu bringen, dit jeht nich. Wir reden ja hier über Michael Gwisdek und nicht über irgendeinen Assistentenfuzzi.

Gwisdek: Also nur zwei komische Typen zusammenzubringen, damit sich die Komik quasi verdoppelt – so einfach funktioniert das nicht. Aber wenn ich einmal eine Geschichte entdecken sollte, in der ein pöbelnder Kellner vorkommt, könnte ich mir keine bessere Besetzung vorstellen als Kurt. (Zu Krömer:) Wann hast Du eigentlich gemerkt, dass man mit Pöbeln auch Geld verdienen kann?

Krömer: Mit ungefähr 14 Jahren war mein Berufswunsch Louis de Funès, also alle zusammenscheißen und dabei komisch sein.


Herr Gwisdek, in letzter Zeit werden Sie oft engagiert, um mit kurzen Auftritten Filme wie z. B. Oh Boy oder Huck Finn zu veredeln. Sehen Sie das selbst auch so?


Gwisdek:
Das hört sich gut an, also sage ich ja. Aber das ist durch Zufall entstanden. Normalerweise verbindet Kurt und mich, dass wir für die Lacher auftreten, egal wie. Ich hatte mich schon darauf festgelegt, den skurrilen Alten zu spielen, den hab ick druff. Aber zur Freude meiner Frau habe ich auch mal Sachen angenommen, wo ich keenen Lacher kriege. Und siehe da: auf einmal ist man Charakterdarsteller! Aber das ist ja okay. So etwas kann man sich aber nicht vornehmen, wie man überhaupt Erfolg nicht berechnen kann. Man muss die Rollen konkret spielen, sich selber treu bleiben und hoffen, dass Andere dit jut finden.





Herzog (Kurt Krömer, li.) und König (Michael Gwisdek, re.) bei einer ihrer einzigartigen Vorstellungen, mit denen sie den Leuten das Geld aus der Tasche ziehen - Foto (C) Majestic/Tom Trambow


Max-Peter Heyne - 13. Dezember 2012 (2)
ID 6442

Weitere Infos siehe auch: http://www.huckfinn-film.de


Post an Max-Peter Heyne



 

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