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Rezension


Filmstart: 17. Februar 2011

“The King’s Speech – Die Rede des Königs” (Großbritannien 2010)

Drehbuch: David Seidler und Iain Canning nach wahren Begebenheiten / Regie: Tom Hooper


Manchmal stimmt einfach alles: Die Story, ihre Umsetzung, die Besetzung mit den Schauspielern und die Crew hinter der Kamera. The King’s Speech ist eine von diesen grandiosen Ausnahmen und es ist kein Wunder, dass dieses Juwel mit Preisen und Oscar-Nominierungen überschüttet wurde.

Erzählt wird eigentlich eine sehr große Geschichte. Es geht um die Abdankung eines Königs bzw. um seinen Bruder, der unerwartet des Königs Nachfolge antreten muss. Aber anstatt das Ganze zu überhöhen, haben die Drehbuchautoren David Seidler und Iain Canning sowie der Regisseur Tom Hooper (Elizabeth I, 2005) es auf eine händelbare Größe gebracht. Gerade diese Einfachheit ist der Geniestreich.

Im Mittelpunkt steht eine Männerfreundschaft. Prinz Albert (Colin Firth), zweiter Sohn der englischen Königsfamilie, stottert ganz furchtbar. Alle Versuche bisheriger Ärzte und Quacksalber sind gescheitert. Seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) findet eines Tages einen Sprachtherapeuten, der mit ungewöhnlichen Methoden arbeitet. Es ist der Australier Lionel Logue (Geoffrey Rush). Als Schauspieler weiß er, wie Sprache gebildet wird, welche Muskeln benutzt werden müssen und viele andere technische Dinge. Das allein reicht aber nicht, hat er heraus gefunden. Seit der Behandlung von Soldaten aus dem Ersten Weltkrieg, die durch Schockerlebnisse ihre Sprache verloren haben, weiß Lionel, dass auch seelische Komponenten eine Rolle spielen. „Kein Mensch wird als Stotterer geboren“, erklärt er. Meisten treten die Blockaden im Alter von vier Jahren auf. In diesem Alter kam es auch bei Prinz Albert zu ersten Traumatisierungen.

Für Lionel und seinen königlichen Patienten „Bertie“ ist es eine ungewohnte Situation, an die sie sich erst anpassen müssen. Lionel kann Bertie nur therapieren, wenn die Klassenunterschiede und der Königspomp wegfallen. Für Bertie ein gewöhnungsbedürftiger, aber immer angenehmer werdender Umstand. Bei Lionel kann er sich letztlich so geben, wie er ist. Auch wenn es immer wieder zu Konflikten kommt, entsteht eine ungewöhnliche Freundschaft zwischen dem Prinzen und dem Schauspieler.



Verstehen sich gut: Bertie (Colin Firth) und seine Frau Elizabeth (Helena Bonham Carter) - Foto (C) Senatorfilm


Bertie steht unter ungeheurem Druck. 1925 hatte er eine immens wichtige Rede im Wembley-Stadion in London zu halten. Es war die Abschlussrede zur bedeutenden Empire-Ausstellung. Zu dieser Zeit umfasste das englische Empire über ein Viertel der Weltbevölkerung und – das geriet zu einem Albtraum. Deshalb raufen er und Lionel sich immer wieder zusammen. Bertie hat das Glück, eine sehr verständnisvolle Frau zu haben und hängt an seinen beiden Töchtern. Im Gegensatz zu der militärisch-strengen Erziehung, die er selbst erfahren hat, geht er sehr liebevoll mit seiner Familie um. (Seine älteste Tochter ist die derzeitige Königin von England, Elizabeth II.)

Berties Vater, König George V., stirbt nach langer Krankheit und sein ältester Sohn David besteigt als König Edward VIII. den englischen Thron. Der junge König ist gutaussehend, redegewandt und sehr beliebt, ein regelrechter „Prince Charming“. Aber er hat sich in die geschiedene Amerikanerin Wallis Simpson verliebt und besteht darauf , eine nicht standesgemäße Ehe mit ihr einzugehen. Es kommt zum Eklat mit dem Parlament: Entweder verzichtet der Monarch auf die Heirat mit Simpson oder auf den Thron. Der König dankt ab. Sein jüngerer Bruder, der schüchterne Albert, genannt Bertie, muss unvorbereitet die Thronfolge antreten.

1932 hatte sein Vater damit begonnen, Weihnachtsbotschaften per Radio an seine Untertanen zu senden. Von dem neuen König wird genau das erwartet. Das Radio hat sich gerade zum neuen Massenkommunikationsmittel gemausert. Für Bertie ist das wie Folter: „Er hatte ja wirklich den Kürzeren gezogen hinsichtlich des Moments in der Geschichte“, sagt sein Darsteller Colin Firth. „Sein Vater war der erste König, der jemals live im Radio sprach. Niemand vor ihm musste sich über so etwas Sorgen machen – und alle Regenten nach ihm hatten die Sicherheit, sich auf Aufnahmetechniken und Schnitt verlassen zu können. Nur Bertie musste live in ein Mikrofon sprechen, während ihm das gesamte Empire zuhörte.“ Das gelingt dem unfreiwilligen Monarchen mit Lionels Hilfe immer besser. Da der australische Schauspieler aber kein Umgang für einen König ist, kommt es zu Konflikten mit den Politikern und dem Klerus des Landes. Der Monarch setzt sich aber durch. Lionel bleibt an seiner Seite, vor allem wenn er live ins Mikrofon sprechen.


Hat Angst vorm Mikrophon: Der König (Colin Firth) - Foto (C) Senatorfilm


Das ist aber noch nicht alles. Das Schicksal hat noch eine viel schwerere Prüfung für den König. 1939 muss er die Kriegserklärung an das nationalsozialistische Deutschland verlesen. Einer der bittersten Momente in einem Land, dass die Folgen des Ersten Weltkrieges noch nicht überwunden hat und äußerst kriegsunwillig ist. Das einzige Instrument, seinem Volk das zu vermitteln, ist eine Radioansprache. Und diese historische Rede ist die titelgebende „King’s Speech“. Der Druck ist unvorstellbar, wenn ein König bei einer Kriegserklärung stammeln und stottern würde... Soweit der Film

Das Vereinigte Königreich hat Glück mit diesem Monarchen. Georg VI. mausert sich zu einem sehr beliebten König. Als London von den Nazis bombardiert wird, bleibt die königliche Familie in der Stadt. Sie bringt sich nicht in Sicherheit. Das haben die Briten bis heute nicht vergessen und verehren seine Frau Elizabeth, die spätere „Queen Mum“ über ihren Tod im Jahr 2002 hinaus. Ihr zu Ehren kommt der Film erst jetzt heraus, weil sie – damals um Erlaubnis gefragt – darum bat, diesen Film erst nach ihrem Tod herauszubringen.

Ein weiterer historischer Glücksfall ist das Auftauchen von Tagebüchern und Aufzeichnungen des realen Lionel Logue. Dessen Nachfahren haben dem Team die Schriften zur Verfügung gestellt und so konnten authentische Kenntnisse über die Therapie in das Filmskript mit einfließen. Diese sind sozusagen taufrisch und waren bislang noch nicht Gegenstand wissenschaftlicher Forschung.

Die Geschichtsforschung hat mittlerweile neue Dokumente über den abgedankten König George VI. gefunden. Er und seine Frau, Wallis Simpson, wurden wegen ihrer Kontakte zu den deutschen Nationalsozialisten und italienischen Faschisten vom FBI überwacht. Es hat offensichtlich Pläne gegeben, dass Edward VI. von den Nazis wieder als König eingesetzt werden sollte. Was das für Konsequenzen hätte haben können, mag man sich lieber nicht ausmalen.

Abschließend muss noch einmal die Besetzung und Crew gelobt werden. Allein die Besetzungsliste ist ein „Who Is Who“ des britischen Theaters und Films: Guy Pearce als Edward VIII, Timothy Spall als Winston Churchill, Derek Jacobi als Erzbischof Cosmo Lang, Jennifer Ehle als Myrtle Logue, Claire Bloom als Queen Mary, Michael Gambon als George V. und viele mehr.


Helga Fitzner - red. 17. Februar 2011
ID 00000005070

Weitere Infos siehe auch: http://www.thekingsspeech.senator.de/


Post an die Rezensentin: fitzner@kultura-extra.de



 

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